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CDU Passen Großstadt und CDU zusammen?

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Jung kennt beide Welten

Genau das könnte Jungs Anziehung erklären – dass er eben nicht aus einem abgekapselten konservativen Milieu kommt, sondern in viele Kreise der Stadt Kontakte pflegt. Er lebt vor, was sich CDU-Theoretiker in der Parteizentrale erst mühsam ausdenken mussten. Dort hat sich eine Kommission viele Monate lang Gedanken gemacht, wie die Union in großen Städten wieder sexy werden könnte.

„Die Partei hat längst ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass sie viel zu wenige Frauen, Jüngere und Einwanderer in ihren Reihen hat und das in den großen Städten ein Problem ist“, sagt Tauber. Konkretes Ziel ist eine bunte, eine weiblichere, eine vielschichtigere CDU-Mitgliederschar. Derzeit ist das durchschnittliche Mitglied der Union nämlich rund 60 Jahre alt, männlich, deutschstämmig.

Mitgliederumfrage des CDU-nahen Wirtschaftsrats: Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen der Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD? Quelle: Wirtschaftsrat

Dass er all das auch ist, kann Jung nicht ändern. Aber er kann auf die zugehen, die anders sind – und für deren Form der Lebensgestaltung die CDU oft kein Verständnis hat: Elterninitiativen etwa, Netzwerke von Tagesmüttern oder Migrantentreffs; jene Zusammenschlüsse halt, die in der Stadt organisieren, was auf dem Land Freiwillige Feuerwehr oder Vereine schaffen.

Wuppertals Wirtschaft lahmt

Jung kennt eben beide Welten. Im kurzärmeligen Hemd und heller Jeans steigt er an einem dieser Sommertage in einen Bus, der verschiedene Sportplätze abklappert. Dort lärmen Kinder und Jugendliche, sie spielen Badminton oder Tennis, sie reiten und rennen. 80 Sportkurse bietet die Stadt während der Ferien an, mehr als 1200 Kinder nehmen teil, es geht um sportlichen Wettkampf, aber natürlich nicht nur. Für Jung sind die Feriensportkurse eine gute Möglichkeit, Eltern zu entlasten. „Nicht alle können ja mit ihren Kindern in den Urlaub fahren.“

Immer weniger können das, genauer gesagt. Die Wirtschaft lahmt in Wuppertal, den Strukturwandel hat die einstige Textilmetropole schlechter bewältigt als andere Städte in der Region. Die Arbeitslosenquote liegt bei knapp zehn Prozent.

Und nun fallen, wie fast überall im Bundesgebiet, noch neue Kosten für die Flüchtlingsbetreuung an. 24 Millionen Euro seien hierfür in diesem Jahr zusätzlich nötig, rechnet Jung vor, dabei muss Wuppertal schon kräftig sparen. Die Stadt hat über anderthalb Milliarden Euro Schulden angehäuft und zählt damit zu den am höchsten verschuldeten Kommunen in der Republik.

Diese Politiker haben Ahnung von Geld und Finanzen
Thomas Oppermann Quelle: dpa
Sahra Wagenknecht Quelle: dpa
Cem Özdemir Quelle: dpa
Bernd Lucke Quelle: dpa
Platz 6: Wolfgang Kubicki (FDP) Der FDP-Politiker taucht zum ersten Mal im Ranking auf. Er wird von 33 Prozent der Befragten als kompetent angesehen. Quelle: dpa
Gregor Gysi Quelle: dpa
Angela Merkel Quelle: dpa

Jung kann sich lange darüber aufregen, welche Lasten auf Wuppertal zukommen. Er hat auch keine Hemmungen, vor Kollegen im Stadtrat über die teuren Griechenland-Rettungspakete zu witzeln, für die letztlich auch Steuerzahler seiner Stadt geradestehen müssen, während diese mit steigenden Sozialausgaben zu kämpfen hat. „Wie grillen die Griechen?“, fragt er in die Runde. „Ohne Kohle“, gibt Jung die Antwort selbst.

Aber der Bürgermeister greift anders als so mancher Parteifreund sofort ein, wenn Vorurteile überhandzunehmen drohen. Im März dieses Jahres rückte Wuppertal in den Blickpunkt, als am gleichen Tag radikale Salafisten und Anhänger der islamfeindlichen Pegida-Bewegung zu Demonstrationen aufriefen. Von der „Hass-Hauptstadt Deutschlands“ war in Schlagzeilen zu lesen, Polizisten und Demonstranten drängten sich in der Stadt.

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