CDU-Parteitag Merkel räumt Schwächen ein

Gedämpfte Stimmung bei der CDU zum Parteitag: Erneut hat sie die Wahl in einer großen Stadt verloren und streitet über Gesellschaftsfragen. Angela Merkel will trotzdem ein Aufbruchsignal für 2013. Dafür braucht sie ein gutes Ergebnis bei ihrer Wiederwahl zur Parteichefin.

Die Union zeigt sich verunsichert und gespalten. CDU-Chefin Angel Merkel will die ihre Partei für das Wahljahr 2013 auf Kurs bringen. Quelle: dpa

Eine neue Großstadt-Wahlschlappe, Konflikte um mehr Rechte für Frauen und Homosexuelle - die CDU geht verunsichert und teilweise gespalten in ihren Bundesparteitag in Hannover. Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel räumte am Montag mit Blick auf die CDU-Niederlage bei der Karlsruher Oberbürgermeisterwahl Schwächen in den Städten ein. Im zentralen Streit um bessere Renten für ältere Mütter deutete sie einen Kompromiss an. Von dem am Dienstag beginnenden zweitägigen Kongress erwartet Merkel eine Kursbestimmung für das Wahljahr 2013: „Wir werden die Weichen stellen (...).“ Merkel führt die Partei seit zwölf Jahren und stellt sich am Dienstag zur Wiederwahl. Die CDU-Spitze hofft auf ein Signal der Geschlossenheit.

Zwar steht die Krise der CDU in Großstädten nicht auf der Tagesordnung in Hannover - anders als die Frauenquote und die steuerliche Gleichstellung homosexueller Paare mit Eheleuten. Die Delegierten dürften aber Analysen für die Verluste in großen Städten hören wollen. Merkel sagte: „Natürlich kann die CDU Volkspartei nur sein, wenn sie auch in den Städten stark ist.“
Der Tübinger Wahlforscher Hans-Georg Wehling sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Der CDU gelingt es nicht mehr, das Lebensgefühl der Städter anzusprechen. (...) Vor allem junge Frauen kann sie nicht mehr erreichen. Sie wird immer mehr zur Partei der alten Männer und karrieresüchtigen jungen Leute von der Jungen Union.“

Die gefallenen Kronprinzen der Union
Friedrich MerzDer frühere Unions-Fraktionschef galt einst als großer Hoffnungsträger der Union. Doch nachdem er im Jahr 2000 den Fraktionsvorsitz der Unionsfraktion im Bundestag übernommen hatte, verlor er das Amt schon zwei Jahre später wieder. Quelle: Reuters
Nach der damaligen Bundestagswahl sicherte sich Parteichefin Merkel das Amt. Nach der Bundestagswahl im Jahr 2009 zog sich Merz aus der Politik zurück. Er arbeitet heute als Anwalt. Quelle: dpa
Roland KochIm Mai 2010 kündigte Hessens Ministerpräsident überraschend seinen Rückzug von allen politischen Ämtern an. Koch war zeitweilig sogar als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt worden. Quelle: ASSOCIATED PRESS
Nach dem Ende seiner politischen Karriere zog es ihn in die Wirtschaft: Koch ist mittlerweile des Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger. Quelle: dapd
Jürgen RüttgersWie Bundesumweltminister Röttgen musste der frühere NRW-Ministerpräsident eine schwere Wahlniederlage einstecken. Als sich nach der Wahl 2010 in Düsseldorf eine rot-grüne Minderheitsregierung gebildet hatte, zog sich Rüttgers aus der ersten Reihe der Politik zurück. Quelle: dapd
Nachfolger als CDU-Landeschef wurde Röttgen, der dieses Amt nun auch wieder abgibt. Bei der Wahl 2012 kandidierte Rüttgers nicht mehr für den Düsseldorfer Landtag. Er arbeitet mittlerweile unter anderem für eine Anwaltskanzlei. Quelle: dpa
Ole von BeustIm Juli 2010 verkündete der damalige Hamburger Bürgermeister seinen Rückzug vom Regierungsamt - und leitete damit indirekt das Ende des schwarz-grünen Bündnisses in der Hansestadt ein. Quelle: ap
Drei Monate nach seinem Rückzug aus der Politik kündigten die Hamburger Grünen ihr Bündnis mit der CDU auf. Bei der Wahl im Februar 2011 holte die SPD die absolute Mehrheit. Quelle: Reuters
Peter MüllerDer langjährige Saar-Ministerpräsident wurde Ende 2011 zum Richter am Bundesverfassungsgericht gewählt. Müller war es nach herben Stimmenverlusten nach der saarländischen Landtagswahl im Jahr 2009 noch gelungen, eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen zu bilden. Quelle: dpa
Doch seine Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte das Bündnis Anfang des Jahres auf und steht nach vorgezogenen Neuwahlen nun an der Spitze einer großen Koalition aus CDU und SPD. Quelle: dpa
Christian WulffAufstieg und Fall lagen selten dichter beieinander als bei dem früheren Bundespräsidenten. Bis zu seiner Wahl zum Präsidenten im Juni 2010 galt Wulff als aussichtsreicher Kronprinz der Union. Quelle: dapd
Als langjähriger niedersächsischer Ministerpräsident wurde Wulff immer wieder für höhere Ämter gehandelt. Nur 20 Monate nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten folgte im Februar 2012 der tiefe Sturz, als Wulff nach wochenlangen Debatten um mögliche Vorteilsnahme zurücktrat. Hier beim Großen Zapfenstreich zum Abschied. Quelle: Reuters
Karl Theodor zu GuttenbergDer CSU-Politiker war Deutschlands beliebtester Politiker und wurde als größter Hoffnungsträger der Union gehandelt. Doch dann stürzte Guttenberg über die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit. Ende Februar 2011 erkannte die Universität Bayreuth Guttenberg den Doktortitel ab, kurz darauf trat der CSU-Politiker als Verteidigungsminister zurück. Quelle: APN
Trotz der Affäre wurde schon bald wieder über sein Comeback spekuliert. Anfang 2012 erklärte Guttenberg, er strebe keine Rückkehr zur Bundestagswahl 2013 an und ziehe sich längerfristig aus der Öffentlichkeit zurück.  Quelle: dpa
Norbert RöttgenDer CDU-Politiker aus dem Rheinland ist das vorerst letzte politische Talent der Union, das sich aus der ersten Reihe der Politik verbschieden musste. Röttgen galt als einer der Kronprinzen Merkels. Viele trauten ihm sogar das Amt des Bundeskanzlers zu - er selbst zweifellos auch. Quelle: Reuters
Doch Röttgen verzockte sich: Als Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wollte er sich nicht darauf festlegen, auch im Falle einer Niederlage von der Spree an den Rhein zu wechseln. Röttgen verlor die Wahl krachend - und musste noch am Wahlabend vom Landesvorsitz der CDU zurücktreten. Doch damit nicht genug: Fünf Tage nach der Wahl warf Kanzlerin Angela Merkel den Umweltminister aus dem Kabinett. Röttgen will als einfacher Abgeordneter weitermachen. Quelle: dpa

Deren Vorsitzender Philipp Mißfelder sagte: „Wir sollten mehr darüber nachdenken, wie wir im Hochstift Paderborn vielleicht von 50 auf 70 Prozent kommen, als dass wir darüber diskutieren, wie wir in Prenzlauer Berg am Rosenthaler Platz (Berlin) von 4,2 Prozent auf 5,2 Prozent kommen.“

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