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CDU-Regionalkonferenzen Merz gegen Spahn gegen AKK: die Finalbilanz

CDU-Chefposten: Merz gehen Spahn gegen AKK – die Finalbilanz Quelle: dpa

In Berlin sind die drei Bewerber für den CDU-Vorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz, ein letztes Mal aufeinander getroffen. Wer hat die besten Chancen auf die Merkel-Nachfolge? Der Test.

Es war die letzte Runde der CDU-Regionalkonferenzen, zu der die Partei in Berlin am Freitagabend einlud. Zeit für eine Bilanz für Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn – in fünf Punkten:

1. Die Klatschometer-Prüfung

Jens Spahn, der am Freitagabend als erster von den dreien spricht, setzt geschickt einige Themen, für die er viel Applaus bekommt. Er spricht über modernen Patriotismus, den Soli, die Chancen der Telemedizin, es sind ja auch Brandenburger zum Event nach Neukölln gekommen. Zum Schluss fällt der Applaus für ihn recht kraftvoll aus. Auf ähnliche Zustimmung bringt es Annegret Kramp-Karrenbauer, obwohl sie ziemlich nüchtern vom Blatt abliest. Den Sieg trägt allerdings Friedrich Merz davon: Seine Rede, die passagenweise wie die des aus langem Urlaub zurückgekehrten Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschland-AG wirkt, endet mit ziemlich kräftigem Applaus und rhythmischem Klatschen.

2. Der Wirkungstreffer des Abends...

... liegt bei Friedrich Merz als er nicht etwa bei Wirtschaft oder Steuern, sondern überraschend beim Thema Bildung punktet: mit Plädoyers für leistungsfähigere Schulen, besser bezahlte Lehrer und mehr Respekt. Da hat er die CDU-Mitglieder geradezu begeistert auf seiner Seite. Und man fragt sich: Welche Partei stellt nochmal die Bildungsministerin? Könnte offensichtlich ein Gewinnerthema sein.

Auch Spahn sammelt einmal geradezu Begeisterung ein als er Teilnehmer einer Großdemonstration dafür kritisiert, keine Deutschlandfahnen in ihren Reihen akzeptiert zu haben.

3. Wer trifft den Nerv der Wirtschaft?

Eindeutig Merz. Und dass obwohl seine Positionen hier ja sattsam bekannt sind. Der Soli muss weg, der inhabergeführte Mittelstand ist der ökonomische deutsche Schatz, berufliche Bildung braucht mehr Wertschätzung: „Der Mensch fängt nicht beim Abitur an.“ Hier liefert Merz. Und es gefällt dem Saal sehr.

Und Kramp-Karrenbauer? Sagt auch viel Richtiges. Aber es zündet nicht so recht. Die erfahrene, allseits geschätzte AKK klingt plötzlich allzu sehr nur noch wie ein konservativer Akkaratschik.

4. Die größte Überraschung...

... folgt, als Kramp-Karrenbauer den Oskar Lafontaine macht. „Nur wenn wir von uns begeistert sind, können Andere von uns begeistert sein“, ruft sie in den Saal. Das ist quasi wörtlich vom SPD-Parteitag in Mannheim 1995. Einige klatschen, manche aber raunen. Klar, AKK ist auch Saarländerin, aber Anleihen beim späteren Mitbegründer der Linken? Das kommt nicht so gut an.

5. Und was bedeutet das jetzt für den Parteitag kommende Woche?

Jens Spahn wird wohl keine Chance unter den Delegierten haben, aber seine Rolle als Pacemaker spielte er beim Schaulaufen virtuos. Er hielt das Tempo hoch und verlangte bei Profilierung und Programm den anderen beiden alles ab. Aber eben eine Spur zu perfekt, zu karrieristisch und auf verdächtig makellos getrimmt.

Deshalb dürfte sich das Rennen nur zwischen Merz und AKK entscheiden: Die CDU hat also die Wahl zwischen Herz und Kopf; hier die Aura des unabhängigen, scharf sezierenden Außenborders, dort die christsozial-liberal-konservative Vernunftlösung.

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