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China bewundert die Bundesrepublik "Alles funktioniert in Deutschland"

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Deutsche Klischees bestätigt

Wie mag es sich anfühlen, vor all diesen Herausforderungen zu stehen, aber eine Gesellschaft von unten zu betreten? Wenn man nicht schnell einen 1000-Euro-Flug nach Hause buchen kann? Wenn man nicht qua Geburt einen Pass besitzt, mit dem man in die meisten Länder der Welt ohne Visum einreisen kann? Wenn man sein Land nicht freiwillig verlasen hat, sondern weil einen äußere Umstände dazu gezwungen haben? Wenn man nicht "ehrwürdiger Fremder" genannt, sondern als "Asylbetrüger" beschimpft wird? Wenn man "Thirdworldproblems" in der Ersten Welt hat?

Das soll kein Plädoyer für eine neue Einwanderungspolitik sein, aber vielleicht ein kleiner Hinweis zu mehr Empathie.

China

Am Ende der Reise fand die Unternehmer-Gruppe ihre Klischees bestätigt. "Alles funktioniert bei Euch", sagte einer. "Ihr seid so effizient", ein anderer. "Eure Maschinen sind die besten", ein Dritter. Aber noch etwas war hinzugekommen. Kaum einer hatte erwartet, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ein derart sauberes und schönes Land ist.

China gleicht einem Land, in dem man vor 30 Jahren einen Reset-Knopf gedrückt hat. Für den Instant-Aufstieg ihrer Wirtschaft musste irgendjemand bezahlen: Luft, Wasser und Erde sind verschmutzt, und die Städte haben ihren Charakter verloren. Das Alte ist zerstört, das Neue hässlich. Die Menschen suchen das Glück irgendwo zwischen dem neuesten iPhone und alten Religionen, nur da ist es nicht.

Dass es in der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt saubere Luft, biologisch angebautes Essen und autofreie Zonen gibt, und manche Menschen obendrein noch nackt baden, hinterließ viele der Teilnehmer verstört zurück. Geht das? Wenn es hier geht, warum geht es bei uns nicht?

Deutschland



Chinesen sind nicht frei von Rassismus, aber sie haben sich an Veränderungen gewöhnt. Das Fremde war stets das Neue, von dem man lernen wollte. Shanghai und Peking haben in den letzten 20 Jahren ihre Einwohnerzahl verdoppelt, Shenzhen, eine 13-Millionenstadt gab es quasi nicht. (Man stelle sich nur einmal vor, zwei Millionen Menschen zögen bis 2030 nach Hamburg.) Der Prozess verläuft nicht reibungslos, aber angesichts der Menschenmassen dann doch erstaunlich spannungsfrei. Bis 2030 sollen nochmals 300 Millionen Menschen in die Städte ziehen. Dass im reichen Deutschland wegen ein paar zehntausend Kriegsflüchtlingen Asylbewerberheime brennen, verstand keiner der Teilnehmer.

Am letzten Tag ging die Gruppe durch die Frankfurter Innenstadt. Der Werksleiter aus Anhui zeigte auf seinem Smartphone seinen Kollegen eine Nachricht einer chinesischen Staatszeitung: Es ging um Leipzig und Pegida-Demonstrationen. "Zum Glück fahren wir da nicht hin!", rief einer, und alle jubelten. 

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