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China bewundert die Bundesrepublik "Alles funktioniert in Deutschland"

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"Laowais" genießen Sonderrechte

Dass es Europa nicht gelingt, das Problem mit Griechenland zu lösen, stößt in China auf Unverständnis. Der Streit um Reformen, Sparpolitik und Schuldenerlass wirkt für viele Chinesen drollig - ein Luxusproblemchen, wie es sich nur stinkreiche Länder leisten können. Warum hält sich eine globale Wohlstandsoase solange damit auf, ihren Außenposten mit Regeln zu drangsalieren? Warum verhält sich dieser Staat, der gerade einmal halb so viele Einwohner wie Shanghai hat, so bockig? Dem guten Image Deutschlands aber schadet die Griechenland-Debatte in China nicht.

Das Bild vom hässlichen Deutschen kennen die Chinesen nicht. Woher auch? Sex-Touristen fliegen nach Südostasien, für die ist China ohnehin zu teuer. Wer an einem Strand besoffen rumproleten will, scheitert schon an der ersten Voraussetzung dafür: Es gibt kaum einen schönen Strand in China.

Die nächsten 15 Giganten aus China

Die meisten deutschen Expatriates haben ein gewisses Maß an Bildung und Weltoffenheit, ohne dem sie wahrscheinlich nie dem Vorschlag ihres Chefs zugestimmt hätten, für zwei, drei oder fünf Jahre in China zu leben.

Ihr Alltag ist auch mit einem weich gepolsterten Expat-Paket in Form von Mietzuschuss, Fahrer und kostenlosen Heimflügen nicht immer leicht. Wer kommt, muss von vorne anfangen: Eine Sprache lernen, die manche für die schwierigste der Welt halten. Freunde finden. Herausbekommen, wo man Nutella kaufen kann. Lernen, warum man zum Frühlingsfest innerhalb Chinas besser nicht verreist (weil 1,3 Milliarden Menschen dieselbe Idee haben). Unendlich dankbar sein, weil es in Shanghai gleich drei Ikea-Filialen gibt. "Firstworldproblems" in einem Schwellenland sind trotzdem Probleme.

Sie verleiten dazu, zu vergessen, dass man die chinesische Gesellschaft von oben, als verehrter Gast, betritt. Letztlich hat man als "Laowai", was "ehrwürdiger Fremder" bedeutet, in China Sonderrechte. Laowais können sich Dinge erlauben, die Chinesen anderen Chinesen nicht durchgehen lassen würden. Die Autos halten an, wenn man eine Straße überqueren will. Für Chinesen tun sie das nicht. Kellner schämen sich, wenn sie die falsche Bestellung bringen. Sie sehen es als ihre Schuld an, nicht gut Englisch sprechen zu können, und nicht als die des ausländischen Gastes, der kein Chinesisch kann. Steuervergünstigungen erhält man auch.

Peking verschwindet unter Smogglocke
Millionen von Pekingern der Mittelschicht erfüllen sich den Traum vom eigenen Auto. Doch jetzt folgt das böse Erwachen: Die dichte Smogwolke über Peking hat in den Krankenhäusern der chinesischen Hauptstadt zu einem Anstieg von Atemwegserkrankungen geführt. Flaggenzeremonien und Sportstunden an Schulen wurden am Montag wegen der anhaltend hohen Feinstaubwerte nach innen verlegt Quelle: dpa
Nachdem die Werte am Wochenende mit 700 Mikrogramm pro Kubikmeter die Messskala gesprengt hatten, sanken sie am Montag wieder auf 245 Mikrogramm. Auch dieser Wert lag aber noch deutlich über den 25 Mikrogramm pro Kubikmeter, ab der laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Gesundheitsgefährdung besteht. Quelle: dpa
Die Behörden verordneten eine Senkung der Emissionen in Fabriken, Baustellen wurden mit Wasser besprüht, um zu verhindern, dass Staub von dort den schädlichen Dunst, der seit Ende vergangener Woche über Peking hängt, noch weiter verschlimmert. Quelle: dpa
Angesichts des gesundheitsgefährdenden Smogs wächst in China die Wut auf die Behörden. Im Internet kritisierten viele Nutzer am Montag den ungebremsten Wachstumskurs der Regierung, bei dem auf Umweltaspekte zu wenig Rücksicht genommen werde. Quelle: dpa
Am Dienstag soll sich die Lage nach Angaben der Wetterbeobachtungsstelle von Peking wieder verbessern. Wissenschaftler machten die extreme Windstille für den dichten Smog verantwortlich, durch den die Sonne schon kaum mehr durchdringt. Quelle: dpa
Selbst die staatliche Zeitung „China Daily“, die als Sprachrohr der Kommunistischen Partei gilt, schrieb auf Seite eins: "Ein besseres China zu schaffen beginnt damit, dass man gesund atmen kann.“ Es müsse vermieden werden, dass es wegen des Urbanisierungsprozesses "der Umwelt immer schlechter und schlechter geht". Quelle: dpa
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua erreichte die Luftverschmutzung in Peking und anderen Städten am Wochenende Werte fast 40 Mal über dem von der Weltgesundheitsorganisation definierten Idealwert. Quelle: dpa

Im Übrigen tun die Deutschen im Ausland genau das, worüber sich die Integrationsdebatte in Deutschland dreht: Sie klüngeln.

Mit Deutschen zusammen zu sein, schafft ein Heimatgefühl, das Gehirn entspannt, weil man sich endlich wieder mühelos ausdrücken kann. Eine Butterbreze wird zelebriert. Mein Freundeskreis besteht zu 70 Prozent aus Deutschen. Die wenigstens sprechen Chinesisch - obwohl manche seit über zehn Jahren hier leben.

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