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Chinesischer Botschafter „Europa sollte gemeinsam mit China Förderer einer multipolaren Weltordnung sein“

Wu Ken ist Chinas Botschafter in Berlin Quelle: imago images

Wu Ken ist Chinas Botschafter in Berlin und einer der besten Deutschland-Kenner der Pekinger Regierung. Im Interview spricht Wu über neuen Zugang zu verschlossenen Märkten, über Huawei, Menschenrechte und den Vorwurf der Staatssubventionierung chinesischer Unternehmen.

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WirtschaftsWoche: Herr Botschafter, ganz Europa und vor allem Deutschland jubelt, dass Joe Biden jetzt Donald Trump im Weißen Haus abgelöst hat. Jubeln Sie auch?
Wu Ken: Sie wissen, dass die Beziehungen zwischen China und den USA in den vergangenen Jahren unter der Regierung von Herrn Trump recht schwierig waren. Einige seiner Regierungsmitglieder haben die Denkmuster des Kalten Krieges benutzt und versucht, China einzudämmen. Dennoch gab es immer auch Bemühungen um gute Beziehungen. Wir hatten 2020 vier neue Städtepartnerschaften in den USA und nach einer Umfrage der US-Handelskammer in China sagten 87 Prozent der US-Unternehmen, dass sie keine Pläne haben, ihre Produktion aus China zu verlagern.

Die Frage lautete, ob Sie sich über den Sieg von Joe Biden freuen?
Die Amtseinführung der Biden-Administration ist ein Schlüsselmoment für die Beziehungen zwischen China und den USA. Vor uns liegen große Chancen und Herausforderungen, aber noch wissen wir nicht, in welche Richtung sich das entwickelt. Das ist eine wichtige Aufgabe für beide Länder.

Zumindest das transatlantische Verhältnis wird sich mit Joe Biden rasch wieder verbessern. Das dürfte nicht in Ihrem Sinn sein…
Unser Ziel ist es, die Beziehungen insgesamt auf einen vorhersehbaren und konstruktiven Entwicklungspfad zu bringen. Wir wollen friedliche Koexistenz und Win-Win-Situationen zwischen China und den USA – und das dürfte auch den Erwartungen der EU entsprechen.

Allerdings gibt es in der EU und auch in Deutschland viele, die hoffen, zusammen mit den USA eine Art „Handels-Nato“ als Gegengewicht zu China bilden zu können.
Ich denke, dass eine bipolare Welt weder im chinesischen noch im europäischen Interesse liegt. Gerade Europa sollte gemeinsam mit China Förderer einer multipolaren Weltordnung sein. Das betrifft auch die Frage, inwieweit die EU eigenständig handeln will. Ich glaube, dafür gilt auch der Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir Europäer müssen unser Schicksal in unsere eigene Hand nehmen“.

Die Entwicklung geht aber gerade in eine andere Richtung. Joe Biden will mit Europa zusammen eine westliche Einheits-Front gegen China bilden, das hat er jetzt mehrfach gesagt. Und Ihr Präsident spricht ja auch schon vom „neuen kalten Krieg“.
Staatspräsident Xi Jinping hat jüngst in Davos davor gewarnt und gesagt, dass eine gespaltene Welt die großen Herausforderungen unserer Zeit nicht bewältigen kann. Ein Konfrontationskurs würde uns nur in eine Sackgasse führen. Ich habe auch den Eindruck, dass diese Meinung in Europa und insbesondere in Deutschland geteilt wird, denn gerade hier hat man doch die schmerzlichsten Erfahrungen mit dem Kalten Krieg gemacht. Wir lehnen ihn ebenso ab wie eine Entkoppelung der Wirtschaft und wir hoffen, dass die USA auch zu dieser Einsicht gelangen. Die Denkmuster des Kalten Krieges sind nicht mehr zeitgemäß. China will eine multipolare Welt, nur so lassen sich große Probleme wie Klimawandel und Corona-Pandemie lösen.

Das sehen die USA offenbar anders. Bidens Leute suchen in Europa gerade Unterstützung für einen Boykott der Olympischen Spiele 2022 in Peking.
Sprachliche Härte ist keine gute Diplomatie. Probleme lassen sich nur im Dialog lösen, nicht in der Konfrontation. Staatspräsident Xi  hat in seinem Gratulationsschreiben an Präsident Biden den Wunsch geäußert, wieder besser zusammen zu arbeiten und die Beziehungen auf einen konstruktiven Kurs zu führen, ohne Konflikt und Konfrontation und mit gegenseitigem Respekt.

Dazu passt aber nicht der Boykott der olympischen Spiele….
Die Frage der Winterolympiade 2022 in Peking sollte nicht politisiert werden. Die Athleten aus allen Ländern freuen sich auf die Spiele und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. 

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