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Christian Wulff Zweifel am Zauderlehrling

Seite 4/8

Geerkens Privatkredit

Egon Geerkens und seine Frau Edith Quelle: dpa

Deppendorf: Ihre Glaubwürdigkeit hat ja vor allem deswegen Schaden genommen, dass Sie zwar vollständige Aufklärung in ihren Fällen versprochen haben, die Fakten aber immer nur scheibchenweise herausgekommen sind, die Sie nur scheibchenweise auf den Tisch gelegt haben. Warum diese Salami-Taktik? Das war doch eigentlich auch unwürdig.

Wulff: Wenn sie 400 Fragen bekommen, wir haben inzwischen 400 Fragen durch die von mir beauftragten Anwälte, ich habe ja Anwälte gebeten, weil das ganze nicht in meiner Amtszeit spielt, es ist alles vorher, geht zum Teil in die 70er Jahre zurück, die Fragen, die da kommen. Und deswegen sind die Anwälte beauftragt, nicht das Bundespräsidialamt damit beschäftigt. Die haben jetzt rund 400 Fragen beantwortet, alle sachgemäß nach bestem Wissen und Gewissen.

Allerdings dürften die meisten davon recht ähnlich sein – zu den Urlauben und zu den Krediten.

Und wenn sie 400 scheibchenweise Fragen bekommen, wo sie sich manchmal wirklich fragen müssen, was sich dahinter verbirgt, dann können sie auch nur scheibchenweise antworten. Die Grunddaten der Finanzierung unseres Einfamilienhauses habe ich von Anfang an genannt. Mit der privaten Finanzierung, mit der Geldmarktfinanzierung, mit der Umwandlung in langfristige Hypothekenfinanzierung. Alles ist erwähnt in der ersten Erklärung nach Rückkehr aus dem Ausland.

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    Schausten: Aber am Anfang stand eine Auskunft an den niedersächsischen Landtag, die sagen wir mal, die mindestens unvollständig war. Sie haben das eingeräumt. Haben sich dafür auch entschuldigt, aber warum haben Sie nicht von Anfang an klipp und klar gesagt, dass Herr Egon Geerkens auch in dieses Kreditgeschäft, an diesem Kreditgeschäft beteiligt war?

    Wulff: Ja, das ist ja nun langsam, finde ich jedenfalls, sehr, sehr klar, Frau Geerkens hat mir das angeboten,

    Der Unternehmer Geerkens hat dem Spiegel mitgeteilt, dass er den Kredit seiner Frau eingefädelt hat – schon um zu verdecken, dass von ihm Geld an Wulff fließe.

    hat mir die 500.000 Euro zur Verfügung gestellt von ihrem Konto. Ich habe auf ihr Konto die Zinsen gezahlt und auf ihr Konto ist der Betrag von der Bank dann abgelöst worden.

    Schausten: Aber warum diese spitzfindige...

    Wulff: Ich habe bereits am 15. Dezember gesagt, dass Herr Geerkens, der langjährige Freund seit Schulzeiten, väterlicher Freund, den ich seit 35 Jahren als Begleiter habe, und der auch die Verbindung zur Bank hergestellt hat, was dann auch als Neuigkeit verkündet wurde. Im Landtag hätte ich sagen sollen, es ist zwar nicht nach Frau Geerkens gefragt, sondern nach Herrn Geerkens, seinen Firmen, seinen Unternehmungen. Da habe ich keine Beziehung. Aber ich räume hier ein, dass ich Beziehungen zu Frau Geerkens habe. Das hätte ich sagen sollen. Wenn ich es heute noch mal entscheiden könnte von vornherein, dann würde ich heute in dem Moment, wo ich dieses Haus kaufe, ein Interview geben und sagen, ich habe dieses Haus gekauft mit Hilfe von Freunden, die mir für die Anfangszeit und Sanierung Geld zur Verfügung gestellt haben, ordentlich verzinst.

    Schausten: Warum haben Sie es nicht gesagt, weil es Ihnen unangenehm war, weil es Ihnen, weil Sie das Gefühl hatten, das ist nicht in Ordnung?

    Wulff: In einer parlamentarischen Auseinandersetzung, wenn sozusagen die aufgebrachte Stimmung ist über ein Upgrade beim Urlaubsflug mit ihrer Familie und sie dort die Dinge einräumen, Dinge einräumen, die sie nicht einräumen müssten,

    Oh doch: Es handelte sich, wie Wulff in der Sitzung des Landtags selbst zugab, um einen Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz.

    wo sie Urlaub gemacht haben z. B. und dann diese weitergehenden Fragen kommen, dann stehen sie immer unter der Abwägung was ist privat, was ist öffentlich, was muss hier genannt werden, und was geht nicht alle etwas an. Ich glaube, diese Erfahrung, dass man die Transparenz weiter treiben muss, die setzt auch neue Maßstäbe.

    Danke, Herr Bundespräsident, wie Sie mühsam neue Maßstäbe für Transparenz durchgesetzt haben! Hier werden Ursache und Folgen verwechselt. Die ständig neuen Nachfragen der Journalisten rühren daher, dass die ersten Antworten eben in vielen Fällen nicht den Tatsachen entsprechen. Das weckt zusätzliche Neugier.

    Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Details zu den Abläufen sehen und bewertet sie auch rechtlich. Und ich glaube nicht, dass es das oft in der Vergangenheit gegeben hat und wenn es das in Zukunft immer gibt, wird es auch unsere Republik offenkundig auch zu mehr Transparenz positiv verändern.

    Es ist genau umgekehrt: Niemand verlangt, dass jeder Politiker, Unternehmer, Bürger seine privaten Details offen legt. Aber Personen des öffentlichen Lebens schulden öffentliche Antwort, wenn Zweifel auftauchen. Insbesondere Zweifel an der persönlichen Unabhängigkeit.

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