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Christian Wulff Zweifel am Zauderlehrling

Seite 8/8

Schaden für das Amt

Bundespraesident Wulff auf dem Weg zu seinem Fernsehinterview Quelle: dapd

Schausten: Demütiger?

Wulff: Und man wird auch ein bisschen demütiger.

Hier fehlt die Höflichkeitsformel: „Danke für das Stichwort.“

Man wird lebensklüger. Und man muss aus eigenen Fehlern lernen. Und gerade die Glaubwürdigkeit, die man als Bundespräsident braucht, die wird man nur zurückerlangen, wenn man auch im Umgang mit seinen eigenen Fehlern Lernfortschritte unter Beweis stellt.

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    Das Schloss Bellevue als sozialpädagogisches Trainingscamp???

    Darauf wird es jetzt ankommen, gerade auch bei Diskussionen mit jungen Leuten. Wir machen in diesem Jahr einen Jugendtag zur Stärkung der Demokratie. Oder bei anderen Aktivitäten. Dass man auch selber berichtet, wie schnell man sozusagen in der Frage sein kann, privat, beruflich, politisch Verantwortung anscheinend hat. Dass man hier einfach sich selbst, vor sich selbst immer wieder Rechenschaft ablegen muss."

    Deppendorf: Haben Sie, zusammengefasst noch mal gefragt, nicht durch Ihr Verhalten in den letzten Wochen das Amt des Bundespräsidenten schwer beschädigt?

    Wulff: Das Amt des Bundespräsidenten ist aus vielerlei Gründen in Deutschland schwieriger geworden.

    Wieso? Weil man hier sauber Auskunft geben muss?

    Und durch diese Art von Umgang mit den Dingen hat man dem Amt sicher nicht gedient.

    Nicht „man“ hat dem Amt nicht gedient, sondern Christian Wulff. Hier hätte der Satz hingehört: „Ja, ich habe dem Ansehen des Amts geschadet, aber ....“

    Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich durch eine ganze Reihe von Aktivitäten in der Amtszeit das Amt des Bundespräsidenten wieder gestärkt habe.

    Was hier gemeint sein kann, weiß ich leider nicht.

    Dass es eine hohe Anerkennung genießt. Ich bin geradezu überrascht, wie stark die Bürgerinnen und Bürger es von mir selbst auch erklärt, erläutert bekommen wollen und letztlich darauf setzen, dass ich Bundespräsident bleibe. Denn ich nehme meine Verantwortung wahr. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und ich habe ein nachhaltiges Interesse an unserem Land, es voran zu bringen. Und wir brauchen auch jetzt die Kraft, uns wieder um Politik zu kümmern in diesem Jahr,

    Also Schluss jetzt, immer bei mir zu graben.

    wenn dieses Jahr jetzt beginnt. Denn es kommen schwierige Aufgaben auf uns zu. Und da braucht es eben auch einen Bundespräsidenten, der sich diesen Aufgaben zuwenden kann.

    Schausten: Dann sind wir gespannt, was wir da hören. Können Sie Können Sie denn garantieren, dass nicht noch etwas anderes nachkommt in der Affäre, über die wir jetzt sprechen?

    Wulff: Also bei 400 Fragen - und wenn gefragt wird, was es zu essen gab bei Ihrer ersten Hochzeit und wer Ihre zweite bezahlt hat und ob Sie den Unterhalt für Ihre Mutter gezahlt haben - und ich könnte jetzt 1000 Sachen mehr nennen - und wer die Kleider für Ihre Frau bezahlt hat, welche geliehen waren, welche sozusagen als geldwerter Vorteil versteuert werden - dann kann ich nur sagen: Ich geb Ihnen gern auf die 400 Fragen 400 Antworten. Da ist jetzt etwas, was einen dann innerlich auch nach solchen drei Wochen irgendwo frei macht, dass man sagt: Also jetzt ist wirklich alles von innen nach oben und umgekehrt gewendet. Und man muss sich dann auch fragen, ob nicht dann auch es irgendwann akzeptiert wird, dass auch ein Bundespräsident ein privates Leben haben darf.

    130 Worte statt eines einfachen: Ja???

    Schausten: Heißt, dass Herr Christian Wulff ein Bundespräsident auf Bewährung vorerst bleibt?

    Wulff: Die Begrifflichkeit finde ich völlig daneben. Weil wir diesen Begriff kennen, wenn gegen Gesetze verstoßen wurde. Ich habe weder jetzt im Amt als Bundespräsident gegen irgendein Gesetz verstoßen noch vorher.

    Bis auf das Ministergesetz in Niedersachsen, bei der Annahme eines Vorteils.

    Es geht nicht um Rechtsverstöße, sondern es geht um die Frage von Transparenz, von Darlegung, von Erklärung. Dazu nutze ich auch diese Gelegenheit, um zu erklären, was ist und was war. Aber wie gesagt: Den Begriff der Bewährung halte ich für abwegig. Sondern ich bin jetzt schweren Herausforderungen ausgesetzt. Aber man muss eben auch wissen, dass man nicht gleich bei der ersten Herausforderung wegläuft, sondern dass man sich der Aufgabe stellt. Und auch ich weiß, wem es in der Küche zu heiß ist, der darf nicht Koch werden wollen. Wie es Harry S. Truman gesagt hat. Und deswegen muss man offenkundig auch durch solche Bewährungsproben hindurch.

    Also nicht auf Bewährung, aber in einer Bewährungsprobe.

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