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Christian Wulff Zweifel am Zauderlehrling

Seite 2/8

Wulff und die Bild-Zeitung

Kai Diekmann Chefredakteur der Bild Quelle: dapd

Ulrich Deppendorf: Jetzt kommen wir mal zu den Kritikpunkten, die Ihnen vorgeworfen werden. Sie sind in den letzten Tagen besonders in die Kritik geraten wegen der Anrufe bei dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, und bei dem Vorstandsvorsitzenden des Springer-Konzerns, Herrn Döpfner. Ihnen wird Verletzung des Grundrechts der Pressefreiheit vorgeworfen. Sie sollen auf dem Band beide Herren bedroht haben. Sie sprechen von Krieg führen, vom endgültigen Bruch. Ist so etwas nicht unwürdig für einen Präsidenten, der eine kritische Berichterstattung auf diese Art und Weise verhindern will?

Wulff: Der Anruf bei dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leidtut, für den ich mich entschuldige.

Eine nicht nur bei Politikern, sondern bei fast jedem eingeschliffene sprachliche Schlampigkeit. Ich kann mich nicht entschuldigen, in kann nur um Entschuldigung bitten. Entlastung müssen diejenigen erteilen, denen das Leid zugefügt wurde.

Ich habe das auch sogleich nach der Rückkehr aus dem Ausland persönlich getan, es ist auch akzeptiert worden. Ich habe mich in der Erklärung vor Weihnachten ausdrücklich zum Recht der Presse- und Meinungsfreiheit bekannt, und halte das für mein eigenes Amtsverständnis nicht vereinbar.

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    Warum hat er es dann gemacht? Die FAZ schrieb neulich hübsch satirisch: Auf seiner Kuwait-Reise hat Wulff erst die Pressefreiheit in der arabischen Welt angemahnt, dann rief er bei Bild-Chef Diekmann an.

    Denn ich will natürlich besonnen, objektiv neutral mit Distanz als Bundespräsident agieren. Und ich möchte vor allem Respekt vor den Grundrechten, auch dem der Presse- und Meinungsfreiheit haben,

    Aha. Der Bundespräsident möchte Respekt vor den Grundrechten haben. Das sollte man vom Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland sogar erwarten können. Aber: Denn mal zu!

    und habe mich offenkundig in dem Moment eher als Opfer gesehen, als denjenigen, der eine Bringschuld hat gegenüber der Öffentlichkeit, Transparenz herzustellen und auch berechtigte Fragen zu beantworten.

    Ein Opfer, weil er berechtigte Fragen beantworten sollte????

    Deppendorf: Aber besonnen - haben Sie gerade genannt - wollen Sie agieren. Das ist aber kein Zeichen von Besonnenheit, wenn dann ein Präsident zu einem Telefonhörer greift und einen Chefredakteur mehr oder weniger auf der Mailbox beschimpft.

    Wulff: Nein. Ich muss mein Verhältnis zu den Medien herstellen, neu ordnen, anders mit den Medien umgehen, sie als Mittler stärker einbinden und anerkennen.

    Sagt ein Politprofi, ein Mann mit über 20-jähriger Medienerfahrung.

    Sie haben eine wichtige Aufgabe in der Demokratie. Die Medien haben auch ihre Verantwortung, aber die müssen sie selber unter sich ausmachen. Vielleicht muss man die Situation auch menschlich verstehen. Wenn man im Ausland ist, in vier Ländern in fünf Tagen, zehn Termine am Tag hat und erfährt, dass Dinge während dieser Zeit in Deutschland veröffentlicht werden sollen, wo man mit Unwahrheit in Verbindung,

    Bis jetzt hat Christian Wulff keinen einzigen Punkt in der damals erschienenen Darstellung der Bild-Zeitung als falsch nachweisen können. Im Gegenteil: Wulff hat im Nachhinein seine eigenen Darstellungen revidieren oder präzisieren müssen.

    wo man also Vertrauensverlust erleidet, dann muss sich auch vor seine Familie stellen. Wenn das Innerste nach außen gekehrt wird, private Dinge, eine Familienhaus-Finanzierung, wenn Freunde den Kredit gegeben haben,

    Die dann auf Delegationsreisen des niedersächsischen Ministerpräsidenten mitfahren durften, was nach Auskunft der niedersächsischen Staatskanzlei vorher und beim Amtsnachfolger sonst nie der Fall war

    in die Öffentlichkeit gezogen werden, dann hat man (eine) Schutzfunktion und man fühlt sich hilflos. Und ich habe dann gebeten, um einen Tag die Veröffentlichung zu verschieben, damit man darüber reden kann, damit sie sachgemäß ausfallen kann. Und ich hatte vor meiner Auslandsreise,

    Also wusste er doch schon, dass recherchiert wurde? Konnte also in Kuwait gar nicht so plötzlich überrascht worden sein, dass eine Veröffentlichung ansteht.

    nachdem in meinem Umfeld, im Dorf, recherchiert worden war von den Redakteuren, es ging um Korruption, das hat das ganze Dorf aufgeschreckt, den Vertrag offen gelegt, die Bedingungen gezeigt und die private Kreditgeberin genannt, und war dann doch erstaunt, dass während meines Auslandsaufenthaltes diese Veröffentlichung erfolgen sollte. Trotzdem, das ist keine Entschuldigung, das ist auch keine ausreichende Erklärung, aber vielleicht der Impuls, der dazu geführt hat. Das wiederum ist menschlich,

    Stimmt!

    aber man muss eben als Bundespräsident die Dinge so im Griff haben, dass einem das eben nicht passiert.

    Stimmt auch!

    Und trotzdem ist man Mensch und man macht Fehler.

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