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Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller "Niemand wird über Nacht skrupellos"

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Wie sehr hat sich das Verhältnis von Politikern und Managern denn verschlechtert?

Das kommt darauf an. Auf der einen Seite waren viele Wirtschaftsvertreter von der Politik positiv überrascht. Im Oktober haben Bundestag und Bundesrat in der unglaublich kurzen Zeit von nur einer Woche ein Finanzmarktstabilisierungsgesetz von beachtlicher Qualität durchgesetzt. Das ist eine parlamentarische Glanzleistung, die viele der Politik nicht zugetraut hätten. Die Verantwortlichen in der Politik bemühen sich ernsthaft, die Wirtschaft in Gang zu bringen. Teilweise werden aber auch Vorbehalte gegen Manager geschürt, die ich missbillige.

Welche Vorbehalte meinen Sie?

Wir haben etwa 1500 Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft. Davon hat sich eine Handvoll falsch verhalten. Nun aber wird so getan, als seien diese Ausnahmen symptomatisch für die Gilde der Manager.

Wie angegriffen fühlt sich diese Gilde?

Wir sind ganz normale Menschen. Wir sind Mütter und Väter, wir haben ein Familienleben, wir pflegen Freundschaften, viele sind religiös und fühlen sich ethischen Werten verpflichtet. Niemand ist über Nacht vom ethisch-honorigen Menschen zum skrupellosen Kapitalisten geworden. Die Finanzkrise ist von einigen so emotionalisiert worden, dass es der Sache nicht dienlich ist. Viele längst überwunden geglaubte Vorurteile sind wieder hochgekommen.

Haben Sie auch Verständnis dafür, dass viele Politiker im Wahlkampf Manager kritisieren?

Auf die Politik kommt gerade einiges zu: Eine Rezession mitten im Wahljahr, enttäuschte Anleger und besorgte Arbeitnehmer bedrängen die Abgeordneten, etwas gegen die Krise zu unternehmen. Da ist mancher froh, den Banken alle Vorwürfe auf die Ladefläche kippen zu können. Dass bei solchen Diskussion die Sachlichkeit schon mal vergessen wird, ist nicht verwunderlich. Dass man aber in einem Land, das sich zur sozialen Marktwirtschaft bekennt, eine grundsätzliche Kapitalismusdiskussion beginnt, finde ich bedenklich.

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