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Coronakrise DIW empfiehlt weiteres milliardenschweres Konjunkturprogramm

Das Wirtschaftsforschungsinstitut empfiehlt einen Topf für Investitionen in die Zukunft. Das nun beschlossene Paket helfe vor allem kurzfristig.

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) empfiehlt ein zweites Konjunkturprogramm. Quelle: dpa

Angesichts des Rekord-Rezession durch die Coronakrise schlägt das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung (DIW) ein weiteres milliardenschweres Konjunkturprogramm vor. Es sollte einen Investitionsfonds für Unternehmen, eine Entschuldung der Kommunen, Impulse für die Digitalisierung, Forschung und Entwicklung beinhalten sowie Bildung und das Gründungsgeschehen in den Blick nehmen.

Bei einem Volumen von rund 192 Milliarden Euro würde das jährliche Wachstum in den kommenden zehn Jahren um durchschnittlich 0,5 Prozent jährlich erhöht, wie das DIW am Donnerstag betonte. Zugleich werde die Beschäftigung um mehr als 800.000 Arbeitsplätze aufgebaut. Ein solches Programm finanziere sich dadurch fast zur Hälfte selbst.

„Wir reden schon seit geraumer Zeit über Dekarbonisierung, Digitalisierung, Infrastruktur oder bessere Bildung“, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Hier hat Deutschland viel nachzuholen.“

Das von der Bundesregierung bereits beschlossene Konjunkturprogramm von 130 Milliarden Euro gehe zwar in die richtige Richtung, stabilisiere aber vor allem kurzfristig. „Zusätzliche Investitionen zahlen sich hingegen langfristig aus und steigern die Einkommen dauerhaft“, sagte Michelsen. „Damit hinterlassen wir zukünftigen Generationen nicht nur eine wettbewerbsfähigere und nachhaltigere Wirtschaftsstruktur, wir erleichtern mit höherem Wachstum auch den Schuldenabbau.“

Das DIW hält für das laufende Jahr einen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes von 9,4 Prozent für das wahrscheinlichste Szenario. Die Wirtschaft könne ab dem Sommerquartal wieder wachsen, aber nur „schleppend“, sagte Michelsen. Die Zahl der Arbeitslosen steige im Jahresschnitt um eine halbe Million.

Exportstärke sorgt für Probleme

„Dass viele Unternehmen vom Exportgeschäft abhängig sind, macht die deutsche Wirtschaft in Krisenzeiten wie diesen sehr verletzlich“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Die Verluste dürften 2021 bei weitem noch nicht wettgemacht. Dann werde die deutsche Wirtschaft aus heutiger Sicht um 3,0 Prozent wachsen. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung stütze die Konjunktur spürbar. Wird es so umgesetzt, dürfte der wirtschaftliche Einbruch mit 8,1 Prozent in diesem Jahr geringer und die Erholung im 2021 mit 4,3 Prozent kräftiger ausfallen.

Fratzscher lobte das Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie habe aus früheren Krisen gelernt und früh und massiv eingegriffen. „Das hat die Finanzmärkte stabilisiert“, sagte Fratzscher.

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