Debatte unter Ökonomen Können wir uns den Mindestlohn für Flüchtlinge leisten?

Zigtausende Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren wird nicht einfach. US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz setzt auf faire Löhne. Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt warnt, der Mindestlohn könnte zu hoch sein.

Jospeh Stiglitz Quelle: REUTERS

Joseph Stiglitz ist bislang selten als Freund deutscher Politiker aufgefallen. „Ein Ökonom würde verstehen, dass eine Austeritätspolitik tödlich endet“, sagte der Wirtschaftsnobelpreisträger kürzlich dem "Handelsblatt". Damit bezog er sich auf Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), bekanntermaßen Jurist und – anders als Stiglitz – Verfechter der Sparpolitik.

Am Mittwoch war alles anders. Stiglitz lobte Deutschland. In der Flüchtlingskrise spiele die Bundesregierung eine wichtige Rolle, eine positive noch dazu. Der Ökonom hält sich in diesen Tagen in Berlin auf, um sich mit Kollegen über das Konzept „Integratives Wachstum“ (Inclusive Growth) auszutauschen, einem neuen Wachstumsbegriff, der neben dem Bruttoinlandsprodukt auch Faktoren wie Umwelt, Arbeitslosigkeit, Gesundheit und soziale Ungleichheit berücksichtigt.

Was Flüchtlinge dürfen

Bei einem Streitgespräch der Bertelsmann Stiftung, an dem auch Christoph M. Schmidt, Vorsitzender der fünf Wirtschaftsweisen und Gregor Peter Schmitz, Chef des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche teilnahmen, waren die ökonomischen Auswirkungen der Flüchtlingskrise das Top-Thema.

Stiglitz glaubt, dass sich die Millionen Flüchtlinge, die Deutschland in diesem und in den kommenden Jahren aufnehmen wird, buchstäblich auszahlen könnten. „Wenn es Deutschland gelingt, die Menschen zu integrieren und sie in Arbeit zu bringen, wird das der Wirtschaft einen enormen Schub geben“, sagte der einflussreiche Wirtschaftsprofessor.

Sein deutscher Kollege Schmidt geht sogar noch einen Schritt weiter. „In Zeiten des demografischen Wandels brauchen wir junge Talente“, sagte der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Gleichwohl plädiert er dafür, zwischen der Flüchtlingskrise, bei der Hunderttausende aus humanitären Gründen zu uns kommen, und Arbeitsmigration zu differenzieren. Schmidt weiß, dass nicht nur hochqualifizierte syrische Ärzte in diesen Tagen Deutschland erreichen. Die Integration vieler gering qualifizierter Asylbewerber dürfte eine schwierige Aufgabe werden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%