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Demografie Warum Däninnen fruchtbarer sind als Deutsche

Ein erneutes Armutszeugnis für Deutschlands Familienpolitik: Eine Studie zeigt, dass mehr Sicherheit die Geburtenrate positiv beeinflusst.

Eine kluge Sozialpolitik kann entscheidend zur Steigerung der Geburtenrate beitragen. Quelle: dpa

Die Familienpolitik in Deutschland ist so nachhaltig erfolglos, dass sich ihre Protagonisten nur dadurch zu rechtfertigen wissen, indem sie das Ziel der Steigerung der Geburtenzahlen einfach aufgeben. So als ob es darum ohnehin nicht gehe.

Im europäischen Ausland sieht das anders aus. Bekanntlich sank zwar fast überall in Europa im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts die Fruchtbarkeit unter das bestandswahrende Niveau von rund 2,1 Kindern pro Frau. Doch einige Länder schafften es, dieses Niveau, das eine halbwegs stabile demografische Entwicklung gewährleistet, zumindest annäherungsweise wieder zu erreichen. Zum Beispiel Dänemark.

Warum die Deutschen keine Kinder wollen
KostenVon der Spielpuppe bis zum Studium - Kinder kosten viel Geld. Diese finanzielle Belastung schreckt viele Deutsche vom Kinderkriegen ab. Das hat eine Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen ergeben. Demnach glauben 67 Prozent der Befragten, dass das Geld viele von der Familiengründung abhält. Der Wert habe sich besorgniserregend erhöht, 2011 seien es lediglich 58 Prozent gewesen, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Ulrich Reinhardt. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes geben Familien rund 550 Euro im Monat für ein Kind aus. Quelle: AP
Freiheit und Unabhängigkeit Am Wochenende feiern gehen, Freunde treffen, reisen: Die Deutschen wollen nach Ansicht von 60 Prozent der Befragten ihre Freiheit und Unabhängigkeit nicht für ein Kind aufgeben. Da scheinen auch finanzielle Anreize durch den Staat kein Argument zu sein. Eine Frau in Deutschland bekommt im Schnitt 1,36 Kinder, im EU-Durchschnitt sind es 1,57. Für die Untersuchung wurden 2.000 Personen ab 14 Jahren gefragt, warum so viele Deutsche keine Familie gründen. 
KarriereEin Karriereknick ist für 57 Prozent das Totschlagargument gegen Kinder. Auch wenn die Politik um flexible Arbeitsmodelle, einen leichteren Wiedereinstieg in den Job und Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen kämpft, so wollen die Deutschen ihren Job nicht für Nachwuchs in der Familie gefährden.
Auch die Meinung, Karriere lasse sich nur schlecht mit Familie vereinbaren, wurde öfter angegeben als noch vor zwei Jahren (54 statt 48 Prozent). Gefordert sind, so heißt es im Fazit der Studie, sowohl die Politiker, die Rahmenbedingungen zu stellen, als auch die Unternehmen, endlich flächendeckend mit der Möglichkeit einer Karriere mit Kind ernst zu machen.  „Die Unsicherheit, ja fast schon Angst vor der Familiengründung hält bei vielen Bundesbürgern an“, resümiert Stiftungsleiter Reinhardt. Quelle: dpa
Staatliche Unterstützung Auch wenn es ab dem 1. August einen Rechtsanspruch für unter Dreijährige auf einen Kita-Platz gibt - den Deutschen reicht dies längst nicht aus. 45 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass der Staat immer noch zu wenig tut, um die Geburtenrate in Deutschland zu steigern. Das Argument sei im Westen deutlich öfter zu hören gewesen als im Osten, teilte die Stiftung mit. Der Wert blieb in den vergangenen zwei Jahren unverändert.   Quelle: dpa
Unsichere ZukunftWirtschaftskrise, Klimawandel, Demografie: 39 Prozent der Befragten denken, dass eine unsichere Zukunft der Grund ist, warum sich viele Deutsche gegen ein Kind entscheiden. Der Stiftung zufolge hat das Argument jedoch deutlich an Bedeutung verloren (−7 Prozentpunkte).   Quelle: dpa
Der richtige PartnerManchmal ist es auch ganz simpel, warum kein Nachwuchs geplant ist - es fehlt einfach der richtige Partner. Für 39 Prozent der Befragten sei dies der Grund, warum die Deutschen so wenig Kinder kriegen. Seit zwanzig Jahren nimmt die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland zu, besonders Singles im Alter zwischen 30 und 59 Jahren leben immer öfter allein. Fast ein Drittel der deutschen Singles ist mit dem Alleinsein unzufrieden und wünscht sich einen Partner. Quelle: dpa

Warum das so ist, hat Michaela Kreyenfeld vom Max-Planck-Institut für Demografieforschung in Rostock anhand deutscher und dänischer Registerdaten zur Berufstätigkeit und zum Geburtenverhalten von Frauen untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine kluge Sozialpolitik eben doch entscheidend zur Steigerung der Geburtenrate beitragen kann.

Noch Anfang der Achtziger Jahre hatten Dänemark und (West-)Deutschland die gleiche niedrige Geburtenrate von rund 1,5 Kindern pro Frau. Dann entschieden sich beide Länder für ganz unterschiedliche Ausrichtungen in der Familienpolitik. Deutschland förderte de facto weiterhin vor allem die Alleinverdiener-Ehe. Dänemark baute die staatliche Kinderbetreuung aus, förderte flexible Arbeitszeitmodelle und führte deutlich früher als Deutschland eine Art Elterngeld ein, das das fehlende Einkommen während der Auszeit ausgleicht.

Seither stieg in Dänemark die Geburtenrate wieder  – zwar nicht auf über zwei Kinder wie vor dem Pillenknick der 60er Jahre, aber immerhin auf Werte um 1,8 Kinder pro Dänin. In Deutschland dagegen stagniert die Rate – die DDR einmal ausgeklammert – seit Mitte der 70er Jahre bei unter 1,5 Kindern.

Um zu verstehen, warum sich Däninnen öfter für Kinder entscheiden als Deutsche haben Kreyenfeld und ihre Mitautoren Gunnar Andersson von der Universität Stockholm und Tatjana Mika vom Forschungsdatenzentrum der deutschen Rentenversicherung die berufliche Situation ausgewählter Frauen untersucht. Nach dieser „Event-History-Methode“ betrachteten sie Daten zum Einkommen ein und derselben Frau vor und nach der Geburt des ersten, zweiten und dritten Kindes.

In Deutschland, so stellen sie fest, neigen Frauen mit relativ hohen Einkommen weniger oft dazu, ein Kind in die Welt zu setzen, als wenig verdienende oder arbeitslose Frauen. Auch zweite und dritte Kinder bekommen arbeitslose deutsche Frauen eher als arbeitende.

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