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Demografischer Wandel "Wir haben ein Luxusproblem"

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Staffellauf der Generationen Quelle: Daniel Stolle für WirtschaftsWoche

Herr Gründinger, wie finden Sie das?

Gründinger: Das finde ich toll. Ganz klar. Es gibt Heerscharen von Rentnern, und ich kenne keinen, der sagt, ich bin im Ruhestand, alle reden nur vom Unruhestand.

Zeh: Ich finde das auch toll, ich gehe auch mit der Prämisse mit, dass die Menschen nach dem Berufsleben weiter arbeiten wollen. Aber ich frage mich: Warum flexibilisiert man nicht erst mal das Ende der Lebensarbeitszeit? Niemand, der körperlich ausgelaugt ist, muss mit 70 noch einen Amboss schleppen. Die Behauptung, die würden den Jungen die Jobs wegnehmen, kann ja nicht ganz stimmen, wenn wir gleichzeitig Fachkräftemangel haben.Herr Gründinger, Sie haben eine andere Idee, die der Bürgerversicherung. Wie sieht die aus?

Gründinger: Der Fehler der derzeitigen sozialen Versicherungssysteme ist ja, dass nicht alle in einen Topf einzahlen, und am Ende wird alles wieder ausgeschüttet, sondern es gibt Ausnahmen. Die Beamten sind ausgenommen, die Freiberufler – die zahlen alle in andere Töpfe ein. Wir leben doch aber in keinem Ständestaat mehr, sondern in einem demokratischen Gemeinwesen. Und es gibt keinen Grund, dass nicht jeder dort mit einzahlen sollte.

Frau Zeh, es gibt einen weiteren Stellhebel: Das Anheben des Anteils weiblicher Beschäftigten. Bei gleichen Löhnen würden die Rentenkassen auch profitieren.

Zeh: Wenn wir die Gleichstellungsdebatte auch noch klären wollen, dann würde ich sie lieber auf die Frage der Kinderbetreuung lenken. Wir haben unser demografisches Problem ja nicht nur, weil die Menschen älter werden, sondern weil unten auch keine nachkommen. Und viele Menschen kriegen aus einem einfachen Grund keine Kinder. Weil es sich mit ihrem Leben nicht vereinbaren lässt. Es gibt Menschen, die ziehen von Leipzig aufs Land, weil sie in der Stadt keinen Kindergartenplatz bekommen. Mit dem Thema würde ich mal anfangen. Das würde uns allen guttun. Im Hinblick auf die Renten, aber auch auf das persönliche Wohlbefinden der Menschen.

Das Gespräch ist eine gekürzte Abschrift einer Podiumsdiskussion aus der Reihe „Literatur und Wirtschaft“ der Unternehmensberatung Roland Berger. Die Fragen stellte Hans-Michael Besig.

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