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Denkfabrik Deutsche befürworten das Leistungsprinzip

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Aber dies ist nicht der einzige Grund. Soziale Gerechtigkeit ist ein facettenreicher, schillernder Begriff. Die Gerechtigkeitsvorstellungen der Bürger erschöpfen sich nicht in der Bewertung von Einkommens- und Vermögenskategorien und orientieren sich auch nicht eindimensional an Gleichheitskonzepten. Die Gerechtigkeitsvorstellungen stellen vielmehr in hohem Maße auf Leistungsgerechtigkeit ab und damit auch auf Unterschiede bei den Einkommen. 77 Prozent der Bürger halten es für gerecht, dass die, die viel leisten, auch viel verdienen. Nur zwölf Prozent empfinden es als gerechter, die Einkommensunterschiede so gering wie möglich zu halten. 68 Prozent halten es für richtig, wenn Arbeitslose deutlich weniger erhalten als Erwerbstätige. Und auch bei den Renten entspricht eine ausgeprägte Differenzierung nach geleisteten Beiträgen den Gerechtigkeitsvorstellungen der meisten Bürger: 57 Prozent sind dafür, dass die Alterseinkünfte stark von den eingezahlten Beiträgen abhängen sollten.

Leistungsgerechtigkeit wichtiger als Gleichheitsideale

Auch die Definition gesellschaftlich besonders wichtiger Ziele zeigt, dass die Bundesbürger Chancen- und Leistungsgerechtigkeit höher bewerten als Gleichheitsideale. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung zählen Chancengerechtigkeit zu den besonders wichtigen gesellschaftlichen Zielen, knapp die Hälfte eine Begrenzung der sozialen Unterschiede. 55 Prozent halten es gleichzeitig für besonders wichtig, dass in der Gesellschaft Anreize für Leistung geschaffen werden und durch die Lohngestaltung und Steuerpolitik dafür gesorgt wird, dass Leistung sich lohnt.

Die große Mehrheit ist überzeugt, dass es ein Land voranbringt, wenn Leistung anerkannt und besonderer Einsatz mit höheren Einkommen belohnt wird. Gleichzeitig geht die Mehrheit jedoch auch davon aus, dass große soziale Unterschiede ein Land belasten. Das Unbehagen macht sich in erster Linie nicht an der Einkommens- und Vermögensentwicklung der oberen Sozialschichten fest, sondern an der zunehmenden Sorge, dass ein Teil der Bevölkerung wirtschaftlich zurückbleibt. Zwei Drittel halten es für die Entwicklung des Landes für entscheidend, dass genau dies vermieden wird. In dieser Hinsicht ist die deutsche Gesellschaft weniger als viele andere Nationen bereit, sich mit sozialen Unterschieden abzufinden: Sie will keine abgehängte Unterschicht.

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