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Denkfabrik

Die Diskriminierung der Aktie muss beendet werden

Die Zahl der börsennotierten Unternehmen in Deutschland geht kontinuierlich zurück. Das liegt auch an Auflagen für Unternehmen. Die Politik sollte mithelfen, dass wieder mehr Geld in Neuemissionen fließt.

Die größten Börsengänge in Deutschland
Platz 10: Norma Group AGDer Maschinen- und Werkzeugbauer hat sich rund um Rohr- und Leitungsverbindungen einen Namen gemacht. Obwohl das zunächst nach Nische klingt, waren Investoren beim Börsengang am 7. April 2011 bereit, 336 Millionen Euro für die neuen Aktien locker zu machen. An der Börse ist Norma mit rund einer Milliarde Euro bewertet. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: Presse
Platz 9: GSW Immobilien AGIn den Jahren seit 2009 wagten gleich mehrere große Wohnungsgesellschaften den Sprung an die Börse. Die GSW Immobilien AG überzeugte Anleger und bekam für ihre Aktien-Neuemission 467 Millionen Euro. An der Börse ist GSW zwei Milliarden Euro wert. Quelle: REUTERS
Platz 8: Kion Group AGDer Gabelstablerhersteller Kion ist eine Abspaltung der Linde-Gruppe und ging am 26. Juni 2013 an die Börse. Investoren gaben dem Unternehmen für die neuen Aktien 475 Millionen Euro. Die Börse bewertet Kion zur Zeit mit 2,9 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Platz 7: Talanx AGMit Talanx gelang am 1. Oktober 2012 einem der größten deutschen Versicherer der Börsengang in Frankfurt. Zu Talanx gehören unter anderem die Versicherer Ergo und Victoria. Zum Börsengang erhielt Talanx frisches Kapital in Höhe von 517 Millionen Euro. An der Börse ist der Konzern derzeit 6,6 Milliarden Euro wert. Quelle: dpa
Platz 6: Zalando SEEinen so großen Börsengang aus dem Internetbereich hat Deutschland seit Jahren nicht gesehen. Der Online-Modehändler nutzte die Gunst der Stunde nach dem Rekordbörsengang des chinesischen Internetgiganten Alibaba, um an der der Börse 526 Millionen Euro für seine neuen Aktien aus Kapitalerhöhung einzusammeln. Kommt es zur Ausübung der Mehrzuteilungsoption sind es sogar 605 Millionen Euro - was Zalando Platz 5 einbrächte. An der Börse wird das erst 2008 gegründete Unternehmen aus dem Stand mit 5,35 Milliarden Euro bewertet. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: REUTERS
Platz 5: Deutsche Annington ImmobilienWohnimmobilien sind in Deutschland gefragt wie seit Jahren nicht. Das gilt auch für Aktien von Wohnungsgesellschaften. Die Deutsche Annington Immobilien ging am 9. Juli 2013 vergleichsweise spät an die Börse und konnte dafür 575 Millionen Euro bei Investoren locker machen. An der Börse ist das Unternehmen mit 5,5 Milliarden Euro bewertet. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: dpa
Platz 4: Brenntag AGChemiehändler Brenntag wagte am 29. März 2010 den Sprung an die Börse und kassierte für seine Aktien 748 Millionen Euro. Heute ist das Unternehmen an der Börse gut sechs Milliarden Euro wert. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: Presse

Wo sind die deutschen Googles, Ebays, Facebooks und Alibabas? Seit dem Börsengang von SAP vor mehr als 25 Jahren sind erfolgreiche Börsenstorys in Deutschland rar geworden. Junge innovative Unternehmen finden leider nur noch selten den Weg an die Börse – 2014 waren es gerade einmal 14. Da gleichzeitig mehr Unternehmen die Börse verlassen, als neue dazukommen, sinkt die Zahl der börsennotierten Firmen kontinuierlich. Allein von der Frankfurter Wertpapierbörse hat sich von 2008 bis 2014 jedes fünfte Unternehmen verabschiedet.

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Muss uns diese Entwicklung zu denken geben? Ja, denn ein funktionierender Markt für Börsengänge leistet in einer Volkswirtschaft einen wesentlichen Beitrag für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. Dies lässt sich gut anhand von US-Zahlen belegen: Im Durchschnitt erfolgten 92 Prozent des Beschäftigungsaufbaus dort in den Unternehmen nach einem Börsengang. SAP etwa hatte beim Börsengang etwa 1000 Mitarbeiter, heute sind es mehr als 65 000.

Firmen fremdeln

Woran liegt es, dass Unternehmen in Deutschland mit der Wachstumsfinanzierung über die Börse fremdeln? Etablierte deutsche Mittelständler stehen dem Börsengang traditionell häufig skeptisch gegenüber. Viele junge Unternehmen hingegen, die mit Venture Capital bereits erfolgreich durchstarten konnten, sind einem Börsengang gegenüber durchaus aufgeschlossen. Doch hat die Finanzkrise zu einem allgemeinen Vertrauensverlust in die Kapitalmärkte und in der Folge zu einer globalen Regulierungswelle geführt. Die daraus resultierenden überbordenden Anforderungen in Bezug auf den Börsengang, aber auch die mit der Börsennotiz verbundenen Folgepflichten schrecken Unternehmen zunehmend ab. Ziel muss es deshalb sein, die Regulierung wieder in ein neues und angemessenes Gleichgewicht zwischen dem berechtigten Wunsch der Investoren nach Transparenz, dem Bedürfnis der Privatanleger nach Schutz und dem Interesse der Unternehmen an einem angemessenen Aufwand für den Zugang zum Kapitalmarkt zu bringen.

Erfreulich ist, dass die EU-Kommission das Projekt Kapitalmarktunion ins Auge gefasst hat. Die in diesem Zusammenhang gestartete Konsultation zum Prospektrecht lässt hoffen, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkannt hat und bereit ist, Überregulierung abzubauen.

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