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Denkfabrik Die Kaufkraft des Geldes wahren

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Zu viel Geld im Umlauf

Denn nicht immer spiegeln veränderte Preise – ob nun bei Konsum- oder Vermögensgütern – die Umverteilungseffekte wider, die mit einer übermäßigen Expansion der Geldmenge verbunden sind. Steigt beispielsweise die Geldmenge in einer Phase, in der Vollbeschäftigung herrscht und die Kapazitäten der Unternehmen voll ausgelastet sind, so werden früher oder später die Preise steigen. Die Geldmengenzunahme und der Preisauftrieb gehen hier also gewissermaßen Hand in Hand, und der Preisanstieg macht die Umverteilung sichtbar: Die Sparer verlieren, die Kreditnehmer gewinnen.

Geld knapp halten

Steigt die Geldmenge hingegen in einer Phase schrumpfender Wirtschaftsaktivität, etwa weil die Zentralbank die Konjunktur ankurbeln will, so verhindert dies, dass die Preise auf das Niveau sinken, das ohne die starke Geldmengenausweitung erreicht worden wäre. Dies ist ebenfalls mit einer Umverteilung verbunden. Es profitieren diesmal die Produzenten, weil die Güterpreise hoch bleiben. Dagegen stehen die Sparer auf der Verliererseite, weil die Geldmengenexpansion verhindert, dass Güter günstiger zu haben sind und die Kaufkraft des Geldes steigt.

Um die Kaufkraft zu wahren und gleichzeitig eine marktgerechte Einkommensverteilung zu gewährleisten, sollten sich die Zentralbanken bei ihrer Zinspolitik folglich nicht von der Preisentwicklung leiten lassen. Stattdessen sollten sie sich darauf beschränken, das Wachstum der Geldmenge möglichst knapp zu halten, etwa indem sie die Geldmenge mit einer Rate von ein oder zwei Prozent pro Jahr steigen lassen. Das würde auch die Schwankungsanfälligkeit der Wirtschaft mindern. Denn nicht zuletzt sind es zu starke Geldmengenexpansionen, die immer wieder zu Scheinaufschwüngen und Preisblasen auf den Finanzmärkten führen – die dann in einem kostenträchtigen Niedergang der Wirtschaft enden. 

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