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Denkfabrik DIW-Chef Zimmermann macht sich für Frauen stark

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Nur 2,5 Prozent der Führungskräfte sind weiblich

Um dies zu erreichen, sind auch die Unternehmen gefordert. Erst 3,5 Prozent der Firmen bieten bisher Betriebskindergärten an. Auch ist es notwendig, Frauen stärker in Berufsfeldern zu fördern, die traditionell nicht zu ihren Domänen gehören. So ist zwar mehr als die Hälfte aller Studierenden weiblich; aber bei den Ingenieuren, einem der Mangelberufe, liegt der Anteil der Absolventinnen eher bei 10 als bei 20 Prozent. Auch bei den weiblichen Selbstständigen gibt es noch Nachholbedarf. Frauen gründen anders, weil sie eher geisteswissenschaftliche Fächer studieren oder noch immer Büro-, Verkaufs- und soziale Tätigkeiten favorisieren, in denen Existenzgründungen eher selten sind. Teils fehlt es allerdings auch an der Risikobereitschaft.

Ebenso sind Frauen im Top-Management und auf der mittleren Führungsebene noch stark unterrepräsentiert. Lediglich 2,5 Prozent der Vorstandsmitglieder der 200 größten deutschen Unternehmen sind Frauen, obwohl sie 45 Prozent der BWL-Studierenden stellen. Diese Diskrepanz ist ökonomisch fatal, sind doch Unternehmen mit hohem Frauenanteil im Top-Management bei Produktivität und Motivation erfolgreicher, wie Studien zeigen. Laut McKinsey haben Betriebe mit vielen weiblichen Führungskräften die Krise signifikant besser bewältigt.

Jede Frau, die beruflich nicht in die Position kommt, für die sie qualifiziert ist, kostet uns Wachstum. Unternehmen, Politik und Gesellschaft entwickeln allmählich ein neues Bewusstsein, allerdings geschieht dies noch zu langsam. Das Thema „Frauen – Familie – Beruf“ ist die volkswirtschaftliche Kardinalfrage. Die öffentliche und akademische Debatte darüber kann zu einer Blaupause beitragen, die wir jetzt brauchen: einen nationalen Fahrplan zur Erhöhung des weiblichen Beschäftigungspotenzials.

Allerdings drängt die Zeit. Nur wenn wir dem Thema höchste Priorität einräumen, bekommen wir noch die Kurve, bevor die Demografie endgültig die Gestaltungshoheit übernimmt.

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