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Denkfabrik

Ifo-Chef Sinn: Mitarbeiterbeteiligung nutzt auch den Unternehmen

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So ist es verständlich, dass die Gewerkschaften nun das Versäumte nachholen und ihre Klientel zu Kleinkapitalisten machen wollen, um sie im Nachhinein doch noch auf die Gewinnerseite des historischen Prozesses zu bringen. Nur: Das ist einfacher gesagt als getan, denn eine Lohnerhöhung, die mit Aktien und ähnlichen Anteilsrechten bezahlt wird, stellt für Unternehmen genauso Kosten dar wie eine Barlohnerhöhung.

Allerdings bringt eine Lohnerhöhung über Aktien statt Bargeld den Unternehmen einen Liquiditätsgewinn, der ihnen in Zeiten der Kreditklemme etwas wert sein sollte. Statt den Banken hohe Zinsen für Kredite zu zahlen, könnten manche Unternehmen geneigt sein, sich die Umwandlung von Bar- in Sparlohnsteigerungen etwas kosten zu lassen. Hier liegt die Rationalität der jüngsten Gewerkschaftsvorstöße.

Noch attraktiver für die Belegschaften wäre es, wenn die Gewerkschaften bereit wären, Insider und Outsider unterschiedlich zu behandeln, indem sie mithilfe von Belegschaftsaktien eine faktische Lohndifferenzierung zwischen vorhandenen und neu hinzutretenden Mitarbeitern schaffen. Beispielsweise könnten sie einem Barlohnstopp für fünf Jahre zustimmen und für die bereits vorhandenen Mitarbeiter als Ausgleich Aktienzuteilungen aushandeln. Dies wäre eine Win-Win-Situation, wie man auf Neudeutsch sagt (in der Sprache der Ökonomen: eine „Paretoverbesserung“), die allen Beteiligten einen Vorteil gegenüber einer traditionellen Barlohnstrategie verschafft – auch den neuen Mitarbeitern, die dadurch höhere Beschäftigungschancen erhalten.

Gewerkschaften werden auf Granit beißen

Doch die Gewerkschaften sollten sich auch an die Widerstände aus den Sechzigerjahren erinnern. Wenn sie mit Aktien oder Anteilsrechten auch Stimmrechte für die Mitarbeiter erwerben wollen, die die Position der Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsgremien verstärken, dann werden sie bei den Unternehmen auf Granit beißen. Um nichts in der Welt werden die Eigentümer bereit sein, zusätzlich zur Mitbestimmung über die Arbeitnehmersitze auch noch die Mitbestimmung über Anteilsbesitz der Arbeitnehmer zu akzeptieren.

Deswegen kann man den Gewerkschaften nur raten, klug zu sein und sich mit stimmrechtslosen Vorzugsaktien, Genussrechten und Darlehensansprüchen zu begnügen. Wenn sie mit diesen Instrumenten eine kluge Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand betreiben, könnten sie ihre Klientel ein Stück weit aus der Zwickmühle befreien, die die Globalisierung ihnen gebracht hat. Die historische Verantwortung liegt bei ihnen selbst.

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