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Denkfabrik

Unflexible Azubis

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Leichter Einstieg, frühes Ausscheiden

Arbeitslose vor dem Arbeitsamt Quelle: ZB

Die Studie liefert deutliche Belege für beide Seiten der Medaille: Im Vergleich zu einer allgemeinen Bildung erleichtert die berufsspezifische Ausbildung den Einstieg in den Arbeitsmarkt – führt aber später zu einem verfrühten Ausscheiden. Dieses Muster findet sich bei Betrachtung aller 18 Länder. Besonders ausgeprägt ist es aber in den drei untersuchten Ländern mit strukturierten Lehrlingsausbildungssystemen – in Deutschland, Dänemark und der Schweiz.

In Deutschland sinkt die Beschäftigungsquote der Männer mit Berufsausbildung in der Gruppe der über 55-Jährigen auf unter ein Drittel, wohingegen sie bei Personen mit allgemeiner Bildung bei drei Vierteln bleibt. Dasselbe divergierende Altersmuster lässt sich für die Arbeitslosigkeit nachweisen.

Einen groben Anhaltspunkt, in welchem Verhältnis der (frühe) Nutzen einer höheren Jobaktivität zu den (späteren) Kosten einer geringeren Beschäftigung steht, liefert die Berechnung des Lebenseinkommens. In der Schweiz fällt dieser Kosten-Nutzen-Vergleich für die berufsspezifische Ausbildung besser aus als für die allgemeine Bildung, in Deutschland und Dänemark ist es umgekehrt.

Es passt zu den deutlich höheren Wachstumsraten der deutschen und dänischen Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten, wenn das höhere Wachstum mit einer schnelleren Veränderung einhergeht und es Personen mit allgemeiner Bildung leichter fällt, sich an veränderte wirtschaftliche Anforderungen anzupassen.

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    "Die Anzahl der Ausbildungsberufe sollte sinken"

    Derartige Berechnungen bilden zwar weder aus Sicht des Staates noch des Individuums das volle Kosten-Nutzen-Bild ab, da sie die Renten- und Sozialversicherungsströme nicht berücksichtigen. Aber sie warnen vor einer Politik, die sich lediglich auf die derzeitigen Beschäftigungsmuster konzentriert und die zukünftige Dynamik einer wachsenden Wirtschaft ignoriert.

    Sicherlich besteht in Deutschland kein Grund, das System der dualen Berufsausbildung über Bord zu werfen. Es hat viele überaus positive Aspekte. Aber wir sollten es zukunftsfähig halten, indem wir die frühe Spezialisierung der Auszubildenden ein Stück weit verringern.

    Für eine solche breitere Ausrichtung müsste unter anderem die Anzahl der spezifischen Ausbildungsberufe – die hierzulande weit höher ist als etwa in Österreich und der Schweiz – sinken und der allgemeinbildende Anteil an den Ausbildungsinhalten deutlich gestärkt werden. Das Interesse der Auszubildenden an einer langfristigen Teilhabe am Erwerbsleben ist hier über das Interesse einzelner Betriebe an kurzfristiger Verwendbarkeit zu stellen.

    Ich bin sicher: Solche Reformen würden die duale Berufsausbildung, die wesentliche Beiträge zur deutschen Humankapitalbildung leistet, fit machen für die Zukunft.

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