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Denkfabrik RWI-Studie: Wehrpflicht und Zivildienst schaden der Volkswirtschaft

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Anhand einer einfachen Rechnung lässt sich die Höhe der impliziten Steuer grob abschätzen. Unterstellt man die aktuelle Besoldung und berücksichtigt das Verpflegungsgeld, die Entschädigung für Abnutzung und Reinigung eigener Kleidung, den maximalen monatlichen Mobilitätszuschlag sowie das Entlassungs- und Weihnachtsgeld, so erhalten Wehr- und Zivildienstleistende für neun Monate Dienstzeit rund 6040 Euro. Nach der Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamts erzielten Vollzeitbeschäftigte unter 25 Jahre durchschnittlich einen Bruttoverdienst von 17.100 Euro in neun Monaten. Daraus ergibt sich im Schnitt für Wehr- und Zivildienstleistende ein Malus von 11.060 Euro.

Allein die rund 50.000 Zivis im Kranken- und Pflegebereich subventionieren durch erzwungenen Gehaltsverzicht den Kranken- und Pflegesektor mit jährlich 737 Millionen Euro. Den Kosten des Zivildienstes steht aber keine Wertschöpfung in entsprechender Höhe gegenüber. Vielmehr entsteht netto ein volkswirtschaftlicher Verlust, da die Zivis meist nicht entsprechend ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. 20- bis 24-jährige vollzeitbeschäftigte Helfer in der Krankenpflege erzielten 2006 ein durchschnittliches Bruttomonatsgehalt von rund 1070 Euro.

Wenn dieser Verdienst der Wertschöpfung der Zivis entspricht und der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von unter 25-Jährigen in Höhe von 1900 Euro die Wertschöpfung in einer alternativen Tätigkeit widerspiegelt, ergibt sich für die Dienstzeit jedes Zivildienstleistenden im Durchschnitt ein volkswirtschaftlicher Verlust von fast 7500 Euro.

Nach dem Grundsatz der Arbeitsmarktneutralität dürfen Zivildienstleistende nur ergänzende Tätigkeiten ausüben. Jüngste Äußerungen der Wohlfahrtsverbände legen aber die Vermutung nahe, dass sie gegen diese Vorgabe verstoßen. In dem Ausmaß, in dem Zivildienstleistende mit regulär Beschäftigten konkurrieren, ergeben sich für Letztere negative Lohneffekte: Ein Krankenwagenfahrer oder Pfleger könnte mehr Lohn erzielen, wenn es den Zivildienst nicht gäbe.

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    Mehr Effizienz nötig

    Müssen wir also bei einer kürzeren Dienstzeit, bei Aussetzung oder Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes mit steigenden Preisen für Kranken- und Pflegedienste rechnen? Eher nicht. Zwar würden die Lohnkosten steigen. Da die regulären Arbeitskräfte jedoch länger blieben, entfiele die Einarbeitung häufig wechselnder Kräfte. Hinzu kommen Effizienzeffekte: Müssen Wohlfahrtsverbände und Krankenhäuser für die heute von billigen Zivis ausgeübten Tätigkeiten den Marktlohn zahlen, entsteht ein Anreiz, in neue Technologien und effizientere Organisationsabläufe zu investieren.

    Ähnliches gilt für die Bundeswehr. Studien zeigen, dass die mit einem Wechsel von der Wehrpflicht- zur Berufsarmee verbundenen Effizienzgewinne zu Personaleinsparungen von 20 bis 50 Prozent führen könnten.

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