WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Deutsche Einheit "Die Einheit war ein Glücksfall für Deutschland"

Seite 2/3

Cleverles Trabbi Quelle: Bert Bostelmann

Wieso hat das in Jena – der High-Tech-Region im Osten –besser geklappt als anderswo?

Unser Vorteil war der große, belastungsfreie Grundstücksbestand in der Innenstadt. In den Gebäuden, die wir aus Denkmalschutzgründen erhalten mussten, haben wir die Universität untergebracht. Eigentlich hatte man gesagt, Zeiss im schwäbischen Oberkochen übernimmt das noch vorhandene Kerngeschäft, und der Späth soll mit der Jenoptik den Rest geräuschlos erledigen. Die Leute waren total deprimiert, ich musste 17 000 Leute entlassen. Natürlich haben sie Fahnen rumgetragen, „Wer zu Späth kommt, den bestraft das Leben!“.

Wieso funktioniert es mit der Mikroelektronik in Dresden nicht so gut?

Dresden hat die Produktion dorthin nur wegen der hohen Subventionen gekriegt. Heute wissen wir, dass die großen Fabriken, in denen die Flat Panels und die Halbleiter gebaut werden, künftig alle in Asien stehen werden. Unser Vorteil in Jena dagegen war: Wir hatten unglaublich qualifizierte Menschen, die sich damals selbstständig gemacht haben. Das Sanieren und Umstrukturieren war falsch, weil man im Grunde immer nur fokussiert war auf das, was die Firma schon gemacht hat.

Ostdeutschlands Aufschwung kommt aus dem Mittelstand?

Am erfolgreichsten sind jene, die klein angefangen haben – mit Spezialwissen. Die sind jetzt herangewachsen zu mittelständischen Unternehmen mit 100, 200, oft noch 250 Mitarbeitern.

War die Strategie, die industriellen Kerne zu retten, ein Fehler?

Bei den großen Chemieunternehmen wie im Raum Bitterfeld konnte man industrielle Kerne schaffen, um die sich Zulieferer entwickeln konnten. Man wollte große Investoren anlocken. Das war hilfreich. Unser entscheidendes Problem war, dass wir keine Betriebssitze hatten.

Wird es noch Großinvestitionen geben?

Nein, der Zug ist abgefahren.

Ist das eine Hypothek für die Zukunft?

Die vielen Kleinen, gerade in Sachsen und Thüringen, bringen am Ende mehr. Vor allem Arbeitsplätze. Auch im Westen dauert der Aufbau eines mittelständischen Unternehmens 10 bis 20 Jahre. Das trägt jetzt Früchte: In ein paar Jahren wird es etliche Regionen in Ostdeutschland geben, die stärker sein werden als die Industrieregionen im Westen, gerade die mittelständisch geprägten. Vom Einkommen der Bürger her liegt Jena heute schon über einem Teil von vergleichbaren Städten in Westdeutschland. Ich sehe heute kaum noch Unterschiede zwischen Ost und West.

Brauchen wir eine spezielle Förderung des Mittelstands im Osten?

Es hat keinen Sinn, mit der Gieskanne übers Land zu fahren. Allenfalls müssen wir in Bildung und Forschung investieren, aber das gilt in West und Ost gleichermaßen. Der einzige Unterschied: Wir müssen im Osten stärker für das Unternehmertum werben.

Was wird aus den neuen Ländern, wenn die Hilfen aus dem Solidarpakt enden?

Da wird sich nicht viel ändern. Wenn 2019 der Fonds abgewickelt ist, ist auch Gleichheit erreicht. Den Rest muss dann der Länderfinanzausgleich leisten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%