Deutsche Exportstärke EU-Kommission sieht Handlungsbedarf

Deutschland ist stolz auf seine Exporte - erntet damit aber auch Kritik. Denn es gibt eine Kehrseite. Die Inlandsnachfrage ist gering, bemängelt die EU-Kommission. Sie verlangt von Berlin, etwas dagegen zu unternehmen.

Deutschlands wichtigste Handelspartner
Russische Föderation Quelle: dpa-tmn
Belgien Quelle: REUTERS
Die Schweizer Landesfahne weht am Großen Aletschgletscher Quelle: ZB
Die Österreichische Flagge Quelle: dpa
assanten und Fahrzeuge passieren in Rom das Kolosseum Quelle: dapd
Lichtereines vorbei fahrenden Busses strahlen vor dem Big Ben in London Quelle: Reuters
Eine US-Flagge weht vor der Freiheitsstatue Quelle: REUTERS
Platz 3: ChinaDie Nummer drei der wichtigsten Handelspartner der Bundesrepublik geht an China. Die Volksrepublik importierte 2012 Waren im Wert von 66,6 Milliarden Euro. Andersherum importierten die Deutschen chinesische Waren im Wert von 77,3 Milliarden Euro. Insgesamt kommt das Handelsaufkommen zwischen der Bundesrepublik und China somit auf einen Wert von 143,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr übrigens ein Rückgang von 0,3 Prozent. 2011 waren es noch 144,4 Milliarden Euro gewesen. Quelle: REUTERS
Niederlande Quelle: dpa
Frankreich Quelle: dpa

Der anhaltend hohe Exportüberschuss Deutschlands stellt nach Ansicht der EU-Kommission ein Risiko für die europäische Wirtschaft dar. Deutschland müsse handeln, um die Gefahr von Nachteilen für die heimische Wirtschaft und die der Währungsunion zu verringern, forderte die EU-Behörde am Mittwoch in Brüssel nach einer monatelangen Analyse. „Der Handlungsbedarf (...) ist erheblich angesichts der Größe der deutschen Wirtschaft.“ Die EU-Kommission empfiehlt Berlin, die Inlandsnachfrage und das Wachstumspotenzial zu stärken.

Sanktionen drohen Berlin aber nicht, da bisher kein Verfahren eröffnet wurde. Überschussländer müssen laut EU-Diplomaten zudem sowieso keine Strafen befürchten.

In dem jahrelangen Streit erkennt das Bundeswirtschaftsministerium die hohen deutschen Exportüberschüsse nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) erstmals als Problem an. Damit rücke die Bundesregierung von ihrem Konfrontationskurs ab, berichtet das Blatt unter Berufung auf ein internes Papier aus dem Ministerium. In dem Dokument werde erstmals ohne jede Einschränkung eingeräumt, dass „exzessive und dauerhafte Ungleichwichte“ in den Handelsbilanzen einzelner europäischer Staaten „schädlich für die Stabilität der Euro-Zone“ seien.

Ein Überschuss bedeutet, dass mehr produziert als verbraucht wird. Es heißt aber auch, dass im Inland mehr gespart als investiert wird. Je höher die Überschüsse in einem Land wie Deutschland ausfallen, desto höher sind zwangsläufig die Defizite bei Handelspartnern - was in Zeiten der Euro-Schuldenkrise für viele Debatten sorgt.

Brüssels erklärtes Ziel ist es, zu verhindern, dass die Volkswirtschaften im gemeinsamen Währungsgebiet weiter auseinanderdriften. Vor allem der Süden Europas ist zuletzt zurückgefallen - auch weil Euroländer wie etwa Italien nicht mehr wie früher ihre nationale Währung abwerten können, um ihre Waren im Ausland billiger anzubieten.

Insgesamt konstatiert die EU-Kommission in ihrem Bericht bei 16 Staaten wirtschaftliche Ungleichgewichte. Auch andere Schwergewichte des Euroraums stehen in der Kritik. So fordert Brüssel von der zweitgrößten Volkswirtschaft Frankreich ebenso wie von Italien Strukturreformen und eine Konsolidierung des Haushalts. „Italien muss sein sehr hohes Niveau bei der öffentlichen Verschuldung angehen“, schrieb die Behörde. Spanien müsse Reformen umsetzen und soziale Themen angehen. „Wir hoffen auf eine entschiedene Antwort der Mitgliedsstaaten“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Im Juni will Brüssel über weitere Schritte - etwa Sanktionen - entscheiden.

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