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Deutsche Internet-Nutzer Sorglos trotz Kenntnis der Gefahren

Cyber-Attacken bedrohen in wachsendem Maße auch jeden einzelnen Internet-Nutzer. Das Wissen darum wächst in Deutschland. Doch es hat nur wenig Folgen: Die Schere zwischen Wissen und Handeln geht weiter auseinander.

Sorglos im Netz Quelle: dpa

Über die Gefahren im Netz wissen die Menschen in Deutschland zwar stetig mehr als in den Jahren zuvor. Allerdings sinkt ihre Bereitschaft, entsprechende Schutzmaßnahmen anzuwenden. Das ist ein Ergebnis des neuen Sicherheits-Index, den der Verein Deutschland sicher im Netz (DsiN) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Dabei hat sich die Bedrohungslage deutlich verschärft.

Cyberattacken von Kriminellen hätten massiv zugenommen, sagte Thomas Kremer, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Dabei würden die Attacken selbst immer professioneller. Zudem schreite die Digitalisierung immer weiter voran. „Damit wird auch die Oberfläche für Angriffe größer.“

Die Förderung digitaler Kompetenz als übergreifende Schlüsselqualifikation entwickle sich zur Kernaufgabe digitaler Aufklärung, sagte Kremer. Die Aufklärung müsse aber professionell unternommen werden. „Und das kostet auch Geld.“ Der Index differenziert deshalb vier verschiedene Typen von Internet-Nutzern: die Außenstehenden, Fatalistischen, Gutgläubigen und die Souveränen. Die jeweiligen Nutzergruppen müssten gezielt angesprochen werden. „Aufklärung mit der Gießkanne kann nicht funktionieren.“

Die größten Mythen zur IT-Sicherheit
Mythos: Das Internet ist so unendlich groß. Niemand wird gerade mich angreifen. Quelle: dpa
Mythos: Ich besitze überhaupt keine wertvollen digitalen Informationen. Quelle: dpa
Mythos: Um die Sicherheit kümmere ich mich dann, wenn mich einer versucht anzugreifen. Quelle: dpa
Mythos: AV und Firewall genügen dann aber auch, um meinen Computer sicher zu machen. Quelle: dapd
Mythos: Ich habe die kritischen Daten auf meiner Festplatte gelöscht - nun sind sie weg. Quelle: dpa
Mythos: Gefährliche Websites lassen sich direkt erkennen. Quelle: Fraunhofer SIT
Mythos: Ich bekomme es mit, wenn mein Computer infiziert oder unterwandert wurde. Quelle: REUTERS

Mit der Digitalisierung und dem Trend zu vernetzten Geräten sei aber auch die Komplexität gestiegen, sagte Ulrich Kelber, Staatssekretär beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. „Die Verbraucher sind auch auf sichere und einfach zu bedienende Geräte angewiesen.“ In Sachen Sicherheit seien alle gefragt - vom Nutzer über den Anbieter bis hin zu den Behörden.

Einen besonderen Fokus setzte die Untersuchung in diesem Jahr neben Haus- und Heimvernetzung, Online-Shopping, -Banking und den vernetzten Verkehrsraum erstmals auch auf digitale Gesundheits- und Vital-Dienste. Die Bevölkerung werde immer älter, und im gleichen Zuge bekämen Gesundheitsaspekte eine größere Bedeutung, sagte Renate Radon, Vorstandsmitglied beim DsiN und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland.

Der DsiN kündigte zudem eine Aufklärungsinitiative für Schulen an. Speziell bei Schülern im Alter von 10 und 15 Jahren solle dabei die digitale Kompetenz in allen Unterrichtsfächern vermittelt werden. Zielgruppe seien Lehrer der Stufen fünf bis acht. Der Startschuss für die Initiative „DigiBitS“ werde im Schuljahr 2017/2018 zunächst in Schulen in Berlin und Brandenburg fallen.

Den aktuellen Ergebnissen zufolge sank der Wert im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Punkte auf 61,1 Indexpunkte. Das Schutzniveau der Verbraucher sei stabil geblieben. Die Anzahl der Sicherheitsvorfälle 2017 stieg von 301 auf 41,7 Indexpunkte, das Sicherheitsverhalten ging von 52,9 auf 51,4 Indexpunkte zurück. Dabei stieg das Wissen um mögliche Gefahren um 2,2 Punkte auf 86,4 Punkte.

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