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Deutsche Islamkonferenz "Der Terror hat keine Religion"

Die lange geplante Islamkonferenz in Berlin steht plötzlich im Schatten des Terrors. Aber die Botschaft, die von der Veranstaltung ausgeht, trifft den richtigen Ton.

Manuela Schwesig (l), Thomas de Maizière (m), Erol Pürlü (r) Quelle: dpa

Normalerweise wäre die Deutsche Islamkonferenz ein Termin unter vielen gewesen an diesem Dienstag in Berlin. Eine Routineveranstaltung der Hauptstadt, bei der es vor allem um Kinder- und Jugendhilfe für  Muslime in Deutschland gehen sollte. Aber was ist schon normal, nicht einmal eine Woche nach dem islamistischen Terroranschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“?

Nur wenige Tage, nachdem allein in Paris mehrere Millionen Menschen für Freiheit und Toleranz auf die Straße gingen? Dem Ort, an dem Frankreichs Präsident Francois Hollande mit der untergehakten Angela Merkel ein neues Bild deutsch-französischer Einheit schuf, das es vielleicht einst mit der ikonografischen Kraft Kohls und Mitterands Hand in Hand in Verdun wird aufnehmen können?

Nichts ist Routine, wie es könnte es auch. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte mit den muslimischen Verbänden in Deutschland erst im vergangenen Jahr einen Neustart der ursprünglich seit 2006 stattfindenden Islamkonferenz vereinbart. Das zweite Treffen fand also gleich im politischen Ausnahmezustand statt.

Vor diesen Problemen stehen die Zuwanderer
Teilnehmer eines Kurses "Deutsch als Fremdsprache" Quelle: dpa
Eine Asylbewerberin wartet in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Berlin Quelle: dpa
Eine Frau sitzt in einem Flüchtlingsheim in einem Zimmer Quelle: dpa
Ein Flüchtling sitzt vor einer Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber Quelle: dpa
Verschiedene Lebensmittel liegen in der Asylunterkunft in Böbrach (Bayern) in Körben Quelle: dpa

Der Ton wirkte ermutigend

Aber den Ton, den die anwesenden Politiker und Islamvertreter anschlugen, wirkte ermutigend. Gut gewogen. Die Wortmeldungen hatten Schärfe, wo Schärfe angebracht war und forderten Toleranz und Verständigung, wo diese geboten waren. Das ist bemerkenswert, weil eben nicht selbstverständlich.

Islam-konforme Finanzinstrumente

Der Terror von Paris sei ein "menschenverachtender Angriff" gewesen, sagt Erol Pürlü, der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime. Eine "abscheuliche Tat", ein "Anschlag auf unsere muslimischen Werte", fuhr Pürlü fort, der Tod von 17 Menschen die "Untat" von Verbrechern. Und: "Terror hat keine Religion."

An Deutlichkeit war seine Erklärung nicht zu überbieten, gleichzeitig mischte er sie mit Zeichen der Mäßigung. "In diesen schwierigen Zeiten müssen wir zusammenstehen", sagte er und adressierte damit natürlich auch die Vertreter der Bundesregierung, die neben ihm auf dem Podium sitzen, Innenminister de Maizière und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD).

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Vorbild an Räson und Zurückhaltung

Auch de Maizière fand die richtige Balance aus Härte und Verständigung, ohnehin ist der für Sicherheit und Terrorabwehr zuständige Ressortchef in den vergangenen Tagen ein Vorbild an Räson und Zurückhaltung gewesen. Kein Scharfmacher, sondern eine Wohltat in Pegida-aufgewühlten Zeiten.

Die Regierung gehe allerdings "mit aller Härte gegen Terror vor", versprach de Maizière. Hass-Predigten in deutschen Moscheen seien nicht zu akzeptieren. Dann aber sprach der integrative Minister: "Hass und Gewalt sind niemals im Namen des Islams", pflichtete er Pürlü bei und plädierte für ein "friedliches Zusammenleben", das bewahrt werden müsse. Die Konferenz hatte ihren richtigen Ton gefunden.

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