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Deutsche Olympia-Kandidatur 2024 Hamburg will die Spiele mehr als Berlin

Kein Endergebnis, aber doch eine Vorentscheidung: Die Begeisterung für Olympia ist in der Hansestadt höher als in Berlin. Das könnte den Ausschlag geben für eine Kür der Hamburger Bewerbung für die Spiele 2024.

Laut einer repräsentativen Umfrage liegt Hamburg derzeit vorn. Der Abstand ist aber nicht so groß, dass Berlin bereits vor der Entscheidung kommende Woche einen Rückzieher machen müsste. Quelle: dpa

Boston. Rom. Vielleicht Paris. Istanbul. Doha. Oder auch Baku. Das dürfte die Riege der Städte sein, gegen die sich der deutsche Bewerber um die Sommerspiele 2024 durchsetzen muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass Hamburg die Ehre haben wird, Deutschland in dem globalen Wettbewerb zu vertreten, ist am Dienstag deutlich gestiegen.

64 Prozent der Hamburger wollen Spiele in der Hansestadt, die Zustimmung in Berlin erreicht 55 Prozent – so lautet das Ergebnis der repräsentativen Umfrage, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wenige Tage vor seiner endgültigen Entscheidung am 21. März veröffentlicht hat. Für erlösenden Jubel in Hamburg ist es damit noch zu früh, aber eine Vorentscheidung ist es in der Tat. Für die Hauptstadt dürfte es jetzt schwer werden, sehr schwer.

Auch Litauens Präsidentin verzichtet auf Sotschi
Dalia GrybauskaitLitauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite verzichtet genau wie Barack Obama auf eine Reise zu den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi. Angesichts der Menschenrechtslage in Russland sowie des jüngsten politischen und wirtschaftlichen Drucks Moskaus auf die Ukraine, Georgien, Moldawien und auch Litauen sehe sie „keine politische Möglichkeit“ für einen Olympia-Besuch, sagte Grybauskaite kurz vor Beginn des EU-Gipfels am Donnerstag in Brüssel. Sie kritisierte zudem die zunehmende Militarisierung der im Westen an Litauen angrenzenden russischen Exklave Kaliningrad um das frühere Königsberg. Quelle: dpa
Barack ObamaDie USA senden keine hochrangigen Staatsvertreter zu den Olympischen Winterspielen ins russische Sotschi. Erstmals seit 2000 werde kein Präsident, Ex-Präsident oder First Lady zu den Spielen geschickt, hieß es am 17. Dezember. Das Weiße Haus teilte lediglich mit, der Terminplan von Präsident Barack Obama lasse seine Teilnahme nicht zu. Russland steht wegen seines umstrittenen Gesetzes gegen „homosexuelle Propaganda“ international massiv in der Kritik. Es sieht hohe Strafen für jene vor, die Minderjährige über homosexuelle Lebensformen informieren oder Schwulen- und Lesbenparaden abhält. Zwar ging das Weiße Haus in seiner Ankündigung nicht direkt auf das Gesetz ein. Doch Sprecher Shin Inouye sagte, die Delegation spiegele die Vielfalt der USA wider. Amerika setzt stattdessen prominente Sportler auf die Liste amerikanischer Vertreter, unter ihnen homosexuelle Athleten wie die frühere Top-Tennisspielerin und Schwulenrechtlerin Billie Jean King oder die Medaillengewinnerin im Eishockey, Caitlin Cahow. Quelle: REUTERS
François HollandeAuch Frankreichs Präsident François Hollande und Außenminister Laurent Fabius verzichten auf eine Reise zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi. Es sei nicht vorgesehen, dass sich hohe Vertreter des Staates dazu nach Russland begäben, sagte Fabius am 15. Dezember in einem Interview. Weder Hollande noch er selbst wollten im Februar nach Sotschi reisen. Fabius nannte allerdings keine Gründe für die Entscheidung. „Ich wünsche den Spielen viel Erfolg“, ergänzte er lediglich. Frankreich entsendet Sportministerin Valérie Fourneyron zur Eröffnungsfeier. Quelle: REUTERS
Viviane RedingAuch EU-Kommissarin Viviane Reding fährt nicht nach Sotschi. Via Twitter nannte sie deutlich die Menschenrechtslage in Russland als Grund für ihre Entscheidung. „Ich werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden“, schrieb die Luxemburgerin. Reding ist Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Justiz-Kommissarin. Quelle: dpa
Joachim GauckDie Olympischen Sommerspiele und die Paralympics in London 2012 hatte Bundespräsident Joachim Gauck besucht. Auf die Reise nach Sotschi aber verzichtet er. Er wolle seine Absage allerdings nicht als Boykott verstanden wissen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ plant Gauck seit Monaten einen Staatsbesuch in Russland. „Gauck möchte bei seinem ersten Besuch in Russland respektvoll einiges ansprechen“, sagte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich. „Das ist in dieser Form in Sotschi nicht möglich.“ Die deutsche Bundesregierung wird bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit Innenminister Thomas de Maizière vertreten sein. Der CDU-Politiker wolle sich Wettbewerbe anschauen und die deutschen Athleten unterstützen. Der vom Verteidigungs- ins Innenministerium zurückgekehrte de Maizière ist in seinem Amt auch für den Sport zuständig. Die Details der Reise sollen erst im Januar festgelegt werden. Quelle: dpa
Angela Merkel Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ verärgert über die Entscheidung des Bundespräsidenten, nicht zu den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi zu fahren. Von der Entscheidung Joachim Gaucks habe die Leitungsebene des Kanzleramts aus den Medien erfahren, heißt es den Angaben zufolge in der Umgebung Merkels. Nach Angaben des Präsidialamts soll dagegen das Kanzleramt informiert worden sein, bevor die Absage öffentlich wurde. Auch die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet über Kritik im Kanzleramt am Vorgehen Gaucks. Das Bundespräsidialamt habe das Kanzleramt nicht informiert, andernfalls hätte man dem Bundespräsidenten von diesem Schritt abgeraten. Gauck - so die Einschätzung - fördere eine Polarisierung in den deutsch-russischen Beziehungen. Ob und wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Sportereignis besuchen wird, blieb zunächst offen. Es gebe derzeit noch keine Planungen zu einer möglichen Reise der Kanzlerin, sagte eine Regierungssprecherin. Diese Frage komme erst zu einem späteren Zeitpunkt auf die Tagesordnung. Quelle: dpa

Immerhin: Der Abstand ist nicht so groß, dass Berlin bereits vor der Entscheidung kommende Woche einen offiziellen Rückzieher machen müsste. Ein Unterschied von neun Prozentpunkten liegt gerade noch am Rande statistischer Unwägbarkeiten. Aber der gefühlte Vorsprung Hamburgs, was Rückhalt und Vorfreude in der Bevölkerung angeht, hat sich nun endgültig materialisiert. Hinzu kommt: Bei einer ersten Umfrage vor einem knappen halben Jahr lag Berlin bei 48 Prozent, Hamburg bei 53. Beide PR-Kampagnen haben also ihre Wirkung entfaltet, aber Berlin hat nicht wie erhofft aufgeholt, sondern ist zurückgefallen.

„Wir wollen die Spiele“ lautet der Slogan Berlins, „Feuer und Flamme für Hamburg“ das Pendant. Nun ist klar: Die entflammten Hamburger wollen die Spiele noch mehr als die Hauptstädter. Und dies dürfte bei zwei sehr unterschiedlichen, aber jeweils guten Konzepten ohne gravierende Schwächen den Ausschlag zugunsten Hamburgs geben.

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Im DOSB will niemand mehr ein Debakel erleben, wie bei der Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2022. Die Peinlichkeit, erst einen Kandidaten auf den Schild zu heben, den die Bürger in einem Volksentscheid dann wieder trotzig hinunterfegen, soll sich nicht wiederholen – deshalb die höchst intensive Fühlung der Stimmung vor Ort. Zumal sich beide Aspiranten für 2024 im Herbst einem verbindlichen Bürgerentscheid stellen würden, bevor die Bewerbungsunterlagen beim Internationalen Olympischen Komitee eingereicht werden.

Am kommenden Montag wird das Präsidium des DOSB nun seine Empfehlung für die Vollversammlung abgeben, die den Kandidaten am 21. März endgültig wählen wird. Olympia, das hat DOSB-Präsident Alfons Hörmann stets betont, könne nicht gegen die Bürger durchgesetzt werden, sondern nur mit ihnen. Man darf das Fingerzeig für die Empfehlung werten.

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