WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Deutschland Flüchtlinge kommen überwiegend aus Syrien

Vielen Menschen fliehen vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland - unter den Asylbewerbern bleiben sie die größte Gruppe. Nun soll Kriegsopfern mit einem einfacheren Aufnahmeverfahren geholfen werden.

Vor diesen Problemen stehen die Zuwanderer
Teilnehmer eines Kurses "Deutsch als Fremdsprache" Quelle: dpa
Eine Asylbewerberin wartet in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Berlin Quelle: dpa
Eine Frau sitzt in einem Flüchtlingsheim in einem Zimmer Quelle: dpa
Ein Flüchtling sitzt vor einer Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber Quelle: dpa
Verschiedene Lebensmittel liegen in der Asylunterkunft in Böbrach (Bayern) in Körben Quelle: dpa

Der starke Zustrom von Asylsuchenden nach Deutschland hält an. Insgesamt 37 820 Menschen stellten in den ersten drei Monaten dieses Jahres nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg einen Asylantrag. Das waren 75,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, allerdings rund 2600 weniger als im letzten Quartal 2013. Die meisten Flüchtlinge - rund 5500 - kamen aus Syrien. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), und die Grünen forderten unbürokratischere Aufnahmeverfahren für Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland.

Die wichtigsten weiteren Herkunftsländer von Asylbewerbern im ersten Quartal 2014 waren nach Angaben des Bundesamtes Serbien, Afghanistan, Mazedonien, Albanien und Bosnien-Herzegowina. Insgesamt gab es in diesem Zeitraum knapp 33.600 Entscheidungen über Asylanträge. 5668 Menschen wurden als Flüchtlinge anerkannt - darunter 1,4 Prozent wegen politischer Verfolgung. Abgelehnt wurde knapp ein Drittel der Anträge. Etwa durch die Rücknahme des Antrags erledigten sich 45 Prozent der Fälle. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Asylanträge mit rund 127.000 auf den höchsten Wert seit 14 Jahren gestiegen.

Diese Nationen wollen nach Deutschland
Die Krise in Südeuropa und die EU-Osterweiterung haben Deutschland die stärkste Zuwanderung seit 1995 gebracht. Rund 1,08 Millionen Menschen zogen im vergangenen Jahr zu und damit so viele wie zuletzt vor 17 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Plus noch einmal 13 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Etwa 966.000 Zuwanderer waren den vorläufigen Ergebnissen zufolge Ausländer (plus 15 Prozent). Die Zahl der Zuzüge von Spätaussiedlern und deutschen Rückkehrern aus dem Ausland blieb mit rund 115.000 nahezu konstant. Quelle: dpa
Einen großen Zuwachs verbuchten die deutschen Einwohnermeldeämter aus Italien: 2012 kehrten 40 Prozent mehr Italiener ihrer Heimat den Rücken um nach Deutschland zu kommen, als noch 2011. Die Zuwanderungszahlen sagen allerdings nichts darüber aus, wie lange die Menschen bleiben. So kehrten im vergangenen Jahr auch rund 712.000 Menschen Deutschland den Rücken, das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahr. 579.000 von ihnen hatten keinen deutschen Pass. Aus den Zu- und Fortzügen ergibt sich für das Jahr 2012 ein Einwohnergewinn von 369.000 Menschen, dies ist der höchste Wert seit 1995. Quelle: dpa
Auch aus den krisengebeutelten Ländern Portugal und Griechenland kommen immer mehr Menschen ins vergleichsweise wohlsituierte Deutschland. Aus beiden Ländern sind die Einwandererzahlen im vergangenen Jahr um 43 Prozent gestiegen. Quelle: dpa
Auch die Zahl der Spanier, die nach Deutschland auswanderten, ist 2012 um 45 Prozent angestiegen. Somit gab es im vergangenen Jahr besonders starke Zuwächse aus den südeuropäischen EU-Krisenstaaten. Drei Viertel der Ausländer, die nach Deutschland kamen, zog es in fünf Bundesländer: Das Gros ging nach Bayern (192.000), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (186.000), Baden-Württemberg (171.000), Hessen (90.000) und Niedersachsen (89.000). Quelle: dpa
Aus den osteuropäischen Ländern, die erst seit 2004 oder 2007 zur EU gehören, kamen ebenfalls mehr Menschen nach Deutschland als im Vorjahr. Besonders stark war der prozentuale Zuwachs aus Slowenien (62 Prozent). Quelle: dapd
Allerdings kamen die meisten Zuwanderer weder aus Slowenien noch aus Südeuropa. Mit 59.000 Einwanderern stellte Bulgarien die drittgrößte Gruppe. Quelle: dpa
Seit dem 1. Januar 2007 ist Rumänien ein Mitglied der EU. Die Einwohner des Landes nutzen die europaweite Freizügigkeit: 2012 kamen 116.000 Rumänen nach Deutschland. Damit machen sie die zweitgrößte Einwanderungsgruppe aus. Quelle: dpa


Der Menschenrechtsbeauftragte Strässer sagte dem ZDF-Nachrichtenportal heute.de, natürlich müssten auch syrische Flüchtlinge gewisse Kriterien erfüllen. „Aber wenn man den Menschen wirklich helfen will, dann muss es schnell und unbürokratisch gehen. Da können wir viel besser werden.“ Er forderte zudem, dass weitere Flüchtlinge einreisen dürfen und bei eventuellen neuen Aufnahmeprogrammen die Obergrenzen fallen.

Deutschland nimmt seit März 2013 über zwei Programme des Bundes 10.000 Flüchtlinge aus Syrien auf. Dem Bericht zufolge sind laut Bundesinnenministerium 4 600 Menschen eingereist. Die Länder erteilten zusätzlich bis Ende März rund 3 500 Einreisevisa. Seit Beginn des Bürgerkriegs kommen zudem außerhalb der Programme tausende Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland und beantragen hier Asyl.

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Deutschland muss dringend ein weitaus größeres Kontingent zur Aufnahme von syrischen Flüchtlingen genehmigen.“ Es könne nicht sein, „dass Europa auf die Flüchtlingstragödien an seinen Außengrenzen mit Abschottung und Ausweisung reagiert und den Tod von Tausenden Menschen billigend in Kauf nimmt“. Roth forderte auch einen leichteren Familiennachzug für in Deutschland lebende Syrer.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Nach dem Willen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) soll das Kabinett Ende April über einen Gesetzentwurf entscheiden, mit dem der Zuzug von Asylbewerbern aus den Balkanstaaten begrenzt werden soll. Ein Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Die Staaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro und Serbien sollen künftig als „sichere Herkunftsstaaten“ eingestuft werden. Dies würde ein verkürztes Asylverfahren und schnellere Abschiebungen ermöglichen. Die nächste Sitzung des Kabinetts ist am 30. April. Die meisten Asylbewerber kommen neben Syrien und Afghanistan aus den Balkanstaaten. Von fast 22.000 Antragstellern aus Bosnien, Mazedonien und Serbien waren 2013 laut „Spiegel“ nur 60 erfolgreich.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%