Deutschland Live Merkels Plädoyer für Globalisierung

Dialog mit der Kanzlerin: Im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart sprach Angela Merkel über die Wahl von US-Präsident Trump, die Bedrohung durch Nordkorea – und ihre Erwartungen an eine europäische Außenpolitik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, im Gespräch bei der Veranstaltung

Die Wahl von US-Präsident Donald Trump stellt für die Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Zäsur dar. „Ein Amerika, das sich um nichts in der Welt kümmert, sondern nur um sich selbst, wird kein großes und kein großartiges Amerika sein“, ist Merkel überzeugt. Sie wolle daher weiter für ein Verständnis von Globalisierung werben, wonach alle und nicht nur einzelne Länder von den Möglichkeiten profitieren könnten, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in Berlin.

Merkel mahnte vor rund 450 Wirtschaftsclub-Mitgliedern im historischen Teil des Berliner Westhafens eine besser abgestimmte europäische Außenpolitik an. So sollten etwa im Verhältnis zu China bestimmte gemeinsame Grundsätze eingehalten werden. Auf die Frage, ob Deutschland im Kriegsfall um Nordkorea automatisch an der Seite der USA stehe, sagte Merkel: „Nein, nicht automatisch. Ich sehe für Nordkorea keine militärische Lösung. Ich halte das für falsch.“

Die diplomatischen Mittel seien bei weitem nicht ausgeschöpft. Auch die USA würden derzeit neben den militärischen Drohungen „eine Vielzahl diplomatischer Aktivitäten“ entfalten. Generell gelte, dass die Europäer ihre Zusammenarbeit mit den USA nicht in Zweifel ziehen sollten.

Angela Merkel bei Deutschland Live

Merkel mahnte, dass man Ursache und Wirkung im Nordkorea-Konflikt nicht vergessen dürfe. Die Gefahr gehe vom nordkoreanischen Atomprogramm aus. Länder wie China, Japan oder Südkorea hätten ein hohes Interesse daran, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un in die Schranken zu weisen.

Europa habe bei Nordkorea keine direkten Interessen, aber vielfältige Beziehungen zu Russland, den USA oder den asiatischen Staaten, allen voran zu China. „Wir können und sollten uns noch mehr einbringen“, sagte Merkel mit Blick auf die EU. Eine besondere Rolle Deutschlands sehe sie weniger.

Gleichzeitig bekräftigte Merkel das vor Trumps Amtsantritt in der Nato vereinbarte Ziel höherer nationaler Verteidigungsausgaben. Dafür werde man „überhaupt gar keine sozialen Ausgaben streichen“, widersprach die CDU-Chefin erneut Vorwürfen etwa der SPD. Bereits in den vergangenen Jahren sei es geschafft worden, Ausgaben für Forschung und auch für die Bundeswehr zu verstärken.

Sehen Sie die Veranstaltung "Deutschland Live" hier im Video:


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