Deutschland Verfassungsschutz rechnet mit 7000 Salafisten

Mehr als 6300 vorwiegend junge Menschen haben sich bereits der Salafistenszene angeschlossen. Und es werden immer mehr, sagt Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen.

Die Front gegen den IS
USADie mächtigste Militärmacht der Welt organisiert die internationalen Luftangriffe. Ab August wurden zunächst IS-Stellungen im Irak bombardiert. Dabei kann sich Washington auf einen Hilferuf Bagdads berufen. Seit September kamen völkerrechtlich umstrittene Angriffe in Syrien hinzu. Sie galten neben dem IS auch der Al-Kaida-nahen Chorasan-Gruppe. Dabei werden auch Ölförderanlagen und Raffinerien gezielt zerstört. Nach US-Angaben sollten damit die Finanzquellen des IS ausgetrocknet werden. Seit dem 26. September bombardieren die USA auch IS-Stellungen bei der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien (im Bild). Die USA bilden zudem syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS und die Regierung in Damaskus aus und liefern Waffen. Quelle: AP
Arabische StaatenSaudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei Luftangriffen in Syrien. Die Golfmonarchien sind vom IS bedroht, dessen „Kalifat“ einen Anspruch auf Herrschaft über alle Muslime erhebt. Zugleich drängen sie die USA auch zum Sturz der syrischen Regierung, die ihrerseits gegen die Islamisten einen Kampf um Leben und Tod führt. Im Bild: Der Außenminister von Saudi Arabien, Saud al-Faisal. Quelle: dpa
TürkeiDie türkische Regierung leistet weiterhin nur humanitäre Hilfe und hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Flüchtlinge aus der umkämpften Region Kobane aufgenommen. Im Bild ist ein türkische Helfer zu sehen, der Nahrung an die Flüchtlinge verteilt, Die Regierung in Ankara hat ein Mandat des Parlaments, militärisch in Syrien und dem Irak gegen Terrororganisationen vorzugehen. Sie fordert für ein Eingreifen aber eine umfassende internationale Strategie, die den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad einschließt. Die Forderung nach einem Korridor für kurdische Volksschutzeinheiten durch die Türkei hat sie abgelehnt. Der Nato-Staat hat auch dem Anti-IS-Bündnis nicht die Nutzung türkischer Stützpunkte erlaubt. Quelle: REUTERS
FrankreichAls erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert und auch Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen. Dazu kommt Waffen- und Ausbildungshilfe für die irakischen Kurden. Quelle: REUTERS
GroßbritannienWashingtons engster Verbündeter fliegt ebenfalls Luftangriffe im Irak. Das Mandat des Parlaments schließt den Einsatz von Bodentruppen aus und beschränkt sich auf Einsätze im Irak. London liefert zudem Waffen an die irakischen IS-Gegner und leistet humanitäre Hilfe. Im Bild: Ein Jet der britischen Royal Air Force kehrt von einem Einsatz im Irak zurück. Quelle: AP
DänemarkAls einziges skandinavisches Land beteiligt sich Dänemark mit F16-Kampfflugzeugen am Kampf gegen den IS. Außerdem will Kopenhagen Militärausbilder entsenden. Im Bild: Premierministerin Helle Thorning-Schmidt. Quelle: AP
BelgienFür Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak stellt Belgien sechs Jagdbomber vom Typ F-16 (im Bild) zur Verfügung. Zusammen mit den Kampfjets wurden rund 120 belgische Soldaten nach Jordanien verlegt. Quelle: REUTERS
NiederlandeDen Haag beteiligt sich mit sechs F-16 an dem Kampf. Zudem wurden rund 250 Soldaten nach Jordanien entsandt. Zusätzlich sollen 130 Militärausbilder irakische und kurdische Truppen ausbilden. Quelle: dpa
Australien Australiens Luftwaffe beteiligt sich im Irak am Kampf gegen den IS. Dafür werden 600 Soldaten abgestellt. Die Basis ist Dubai. Quelle: AP
KanadaKanada will sich an Luftangriffen gegen den IS im Irak beteiligen. Das Parlament erteilte der Regierung dafür ein Mandat. Quelle: AP
DeutschlandDie Regierung schließt eine direkte Kriegsbeteiligung aus und beschränkt sich auf die Unterstützung der irakischen IS-Gegner. Dazu werden Infanteriewaffen wie Gewehre, panzerbrechende Waffen und andere Ausrüstungsgüter geliefert. Zudem werden irakisch-kurdische Kämpfer im Umgang mit Waffen und mit Minenräumgerät ausgebildet. Quelle: REUTERS
Teile von Ost- und SüdeuropaLänder wie Italien, Spanien, Griechenland, Bulgarien, Tschechien, die Slowakei, Portugal, Polen, oder Norwegen liefern Waffen, bilden Kämpfer gegen den IS aus oder leisten humanitäre Hilfe. Zypern stellt eine Basis für Luftangriffe zur Verfügung. Quelle: dpa
IsraelOb sich der jüdische Staat am Kampf gegen den IS beteiligt, ist unklar. Ein hochrangiges Mitglied der Armee sagte, der jüdische Staat leite Geheimdiensterkenntnisse über den IS an die USA weiter. Quelle: AP
IranDer Iran ist zwar nicht Teil der Anti-IS-Koalition, aber eines der ersten Länder, die den Irak und die Kurden mit Waffen beliefert haben. Laut Teheran wäre ohne diese frühe Hilfe schon der ganze Irak von der IS erobert worden. Anders als die Türkei und Saudi Arabien steht der Iran aber hinter Syriens Präsidenten Baschar al-Assad. Quelle: AP

Die Islamistenszene in Deutschland wächst nach Erkenntnissen des Bundesverfassungsschutzes rasant. Inzwischen zählten 6300 Menschen zu den radikalislamischen Salafisten, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, am Samstag dem RBB. Bis zum Jahresende könnten es schon 7000 sein. "Das ist besorgniserregend", warnte Maaßen. Vor wenigen Jahren habe es lediglich 2300 Salafisten in Deutschland gegeben. Aus der Szene heraus seien inzwischen mehr als 450 Islamisten in den Krieg nach Syrien gezogen. Sieben bis zehn von ihnen hätten dort Selbstmordanschläge verübt. Viele der Islamisten schließen sich der Miliz Islamischer Staat (IS) an, der radikalsten Organisation in der Region.

Fakten zum Terror im Irak


Der Salafismus ist seit Jahren die am stärksten wachsende islamistische Bewegung in Deutschland. Er ist eine fundamentalistische Strömung des Islam und für junge Muslime häufig eine Zwischenstation auf dem Weg in den Dschihad. Ziel der Salafisten ist die Abschaffung der Demokratie und die Errichtung eines Gottesstaats. Bei der Missionierung bedienen sie sich stark des Internets, setzen aber auch auf öffentliche Hasspredigten und Aktionen zur Koranverteilung.

Vor allem Jugendliche fühlten sich vom Salafismus angezogen, weil er offenbar für Menschen in einer Umbruchsituation attraktiv sei, sagte Maaßen. Der Salafismus gebe eine klare Vorgabe, wie man zu leben habe. "Salafisten sagen, was weiß und was schwarz ist", erklärte der Geheimdienstchef. Anhänger der Gruppierung seien häufig Jugendliche mit den vier "M" in ihrer Biographie: "Männlich, muslimisch, Migrationshintergrund, Misserfolge in der Pubertät, der Schule oder in der sozialen Gruppe", sagte Maaßen. Die Salafisten vermittelten solchen Jugendlichen das Gefühl, zu einer Avantgarde zu gehören.

Der deutsche Inlandsgeheimdienst verzeichne 150 Rückkehrer aus dem Krieg in Syrien. Welche Bedrohung von ihnen ausgehe, lasse sich aber nicht in jedem Fall einschätzen, weil häufig unklar sei, was sie in Syrien getan hätten. Von 25 Islamisten sei bekannt, dass sie gekämpft hätten. Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Salafismus in Deutschland plädierte Maaßen vor allem für eine bessere Prävention und nicht in erster Linie für Gesetzesverschärfungen. Es müsse dafür gesorgt werden, "dass diese Menschenfänger, die auf Marktplätzen auftreten, vor Schulen stehen und Korane verteilen, dass diese Leute keine Zugänge mehr haben zu jungen Menschen", forderte er. Dies lasse sich aber nur schwer durch neue Gesetze bewerkstelligen. Zugleich müsse dafür gesorgt werden, dass junge Häftlinge in Gefängnissen nicht salafistischen Mitgefangenen ausgesetzt und durch sie radikalisiert würden.

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Bei einer Razzia vor einer Woche in Deutschland enttarnte die Bundesanwaltschaft einem Medienbericht zufolge ein hoch professionell operierendes logistisches Netzwerk für den IS. In abgehörten Telefonaten habe dessen mutmaßlicher Anführer, der Tunesier Kamel Ben S., erklärt: "Wir haben Zweigstellen in Deutschland, die dem Islamischen Staat im Irak und Syrien untergeordnet sind. Wir kümmern uns um viele - Tausende Familien", berichtete das Magazin "Focus" unter Berufung auf Ermittlungspapiere. Der Inhaftierte habe laut Bundesanwaltschaft etliche deutsche IS-Kämpfer mit Geld und Kleidung unterstützt und über Mittelsmänner neue Rekruten in die Ausbildungslager in Syrien geschleust.

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