Deutschland Was der Milliarden-Zuschuss über unsere Rente aussagt

Die Ausgaben des Bundes für die Rente werden im Jahr 2021 erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro übersteigen. Das sollte uns drei Lehren der deutschen Altersvorsorge bewusst machen.

Die 10 schlimmsten Fehler bei der Vorsorge
Schlecht informiertDie Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden. Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB Quelle: Fotolia
Lückenhafte VorsorgeOft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören: 1) individuelle Vorsorgevollmacht 2) Patientenverfügung 3) Klärung der Finanzen im Pflegefall 4) Testament Quelle: Fotolia
Die falschen Berater„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren. Quelle: Fotolia
Vorsorge ist nicht gleich VorsorgeJeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge
Schwarze Schafe Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.
Informiert ins GesprächWer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen. Quelle: Fotolia
Vorsorge-FlickenteppichBeraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist. Quelle: Fotolia

Die Zahl aus dem jüngsten Finanzbericht des Bundesfinanzministeriums sieht auf den ersten Blick monströs aus, für Fachleute ist sie allerdings alles andere als neu. Schon in den vergangenen Jahren prognostizierten die Finanzbeamten das Erreichen der 100-Millarden-Grenze meist für Anfang der Zwanzigerjahre. Nun also: 2021.

Einhundert Milliarden Euro aus Steuermitteln, die in die Rentenversicherung gepumpt werden, Jahr für Jahr. Zunächst ist das nur eine logische Konsequenz unseres Alterssicherungssystems - einerseits. Andererseits: Das baldige Überschreiten der symbolischen Marke ist ein guter Moment, um innezuhalten und sich drei Lehren vor Augen zu führen.

1. Die gesetzliche Rente ist keine echte Versicherung

Versicherung, das klingt nach individuellem Anspruch, als solcher wird die Rente eigentumsrechtlich tatsächlich auch begriffen.

Altersvorsorge: So viel Rente darf der Standardrentner erwarten

Und dennoch: Letztlich handelt es sich bei der gesetzlichen Altersvorsorge um eine Wette auf die gesellschaftliche Produktivität von morgen. Die Rentenkasse ist nicht der Sparstrumpf der Nation, für den ihn viele halten; nicht das Säckel, in dem die Milliarden für den Lebensabend brav gehortet werden.

Deutschland verfügt über keinen Staatsfonds. Bei uns finanziert die arbeitende Generation die, die bereits im Ruhestand ist. In der Hoffnung, dass deren Kinder (oder Einwanderer...) es einst genauso schaffen werden. Andersgesagt: Die Rente lebt von der Hand in den Mund.

Die Umlage alleine, also das Geld der heutigen Beitragszahler, könnte die Renten, die heute fällig sind, schon lange nicht mehr alleine finanzieren. Rund 290 Milliarden Euro an Ausgaben hat die Rentenversicherung derzeit. Fast ein gutes Drittel der Einnahmen (rund 91 Milliarden) kommt bereits aus dem Steuertopf. Ohne diese Mittel wäre der Generationenvertag längst nicht mehr einzuhalten. Das sollte man wissen.

Allein aus diesem Grund ist der immer noch bestehende Mangel an betrieblicher und sonstiger privater Vorsorge besorgniserregend.

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