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Deutschland Whistleblower-Report: Missstände in fast jedem zweiten Unternehmen

Der neueste Whistleblower-Report offenbart, dass illegales und unethisches Handeln in Deutschlands Wirtschaft weit verbreitet ist. Quelle: dpa

Laut Whistleblower-Report ist illegales und unethisches Handeln in Deutschlands Wirtschaft weit verbreitet. Trotzdem tut sich ein großer Teil der Unternehmen schwer, eine Anlaufstelle für Whistleblower einzurichten.

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Rund 43 Prozent der deutschen Unternehmen waren 2018 von illegalem oder unethischem Verhalten wie Steuerbetrug, Geldwäsche oder sexueller Belästigung betroffen. Das geht aus dem Whistleblower-Report 2019 hervor, für den die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur sowie der Softwareanbieter EQS rund 1400 europäische Unternehmen befragt haben, 350 davon in Deutschland. Die Bundesrepublik ist den Zahlen zufolge deutlich stärker betroffen als Großbritannien (40 Prozent), Frankreich (38 Prozent) und die Schweiz (35 Prozent). In knapp der Hälfte der deutschen Fälle war der finanzielle Schaden größer als 10.000 Euro, in etwa 18 Prozent der Fälle sogar größer als 100.000 Euro.

Dennoch verfügen in der Bundesrepublik der Studie zufolge nur 56 Prozent der Unternehmen über eine interne Meldestelle, an die sich Whistleblower wenden können, wenn sie von einem Missstand erfahren. Zum Vergleich: In Großbritannien und der Schweiz sind es immerhin 65 Prozent der Unternehmen. Auf weniger als in Deutschland bringt es nur Frankreich, wo lediglich 53 Prozent der Unternehmen eine solche Stelle besitzen.

Von jenen Unternehmen, die hierzulande auf eine Meldestelle verzichten, glauben immerhin 83 Prozent, dass sie eine „starke integre Kultur bereits“ besitzen, und eine solche Stelle deshalb nicht benötigen. Immerhin 77 Prozent seien nicht davon überzeugt, dass eine Meldestelle funktioniert. In 65 Prozent der Unternehmen ohne Meldestelle sei eine Einführung deshalb absolut kein Thema.

In Unternehmen, in denen es dagegen eine Meldestelle gibt, können Hinweisgeber diese in den meisten Fällen per E-Mail, per persönlichem Besuch bei einem Ombudsmann oder per Telefon kontaktieren. Eher selten sind der Umfrage zufolge hierzulande webbasierte Meldesysteme.

Immerhin 63 Prozent der deutschen Unternehmen mit einem Meldesystem geben ihren Whistleblowern zudem die Möglichkeit, anonym zu bleiben. Auch wenn das in der Praxis nur selten wirklich garantiert werden kann, ist es ein vergleichsweise guter Wert. In Frankreich sind es nur 43 Prozent, in Großbritannien lediglich 56 Prozent der betreffenden Unternehmen.

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