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Deutschlandfonds Wie sich PwC und KPMG die Bälle zuspielen

Wenn es Halbgötter in Nadelstreifen gibt, dann arbeiten sie derzeit bei Pricewaterhouse-Coopers (PwC) oder KPMG.

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Das Gebäude der Quelle: AP

Die beiden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften begutachten im Auftrag der Bundesregierung einen Großteil der Unternehmen, die staatliche Hilfen aus dem 480 Milliarden Euro schweren Bankenrettungsfonds oder aus dem mit 115 Milliarden Euro dotierten Wirtschaftsfonds Deutschland ergattern möchten.

Arcandor, der angeschlagene Karstadt-Konzern, will 650 Millionen Euro Bürgschaften und 200 Millionen Kredit vom Staat; PwC-Prüfer haben die Anträge bereits begutachtet und empfehlen deren Ablehnung. Oder die BayernLB: Die marode Landesbank sprach beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) vor; das Gesuch wurde in diesem Fall von KPMG geprüft – am Ende bekam das Geldhaus 15 Milliarden Euro Garantien und zehn Milliarden zur Rekapitalisierung.

Es ist ein sonderbares Duopol, das in der Wirtschafts- und Finanzkrise über das Wohl und Wehe von Tausenden Unternehmen und Millionen Arbeitsplätzen mitentscheidet. Ausgerechnet die beiden größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deutschlands haben im Vorfeld dieser Krise eine unrühmliche Rolle gespielt, ähnlich wie die Ratingagenturen Moody’s oder Standard & Poor’s, die dafür heftig unter politischen Beschuss gerieten. Während Letztere die riskanten Finanzprodukte und die damit spielenden Institutionen mit A-Ratings veredelten, setzten Erstere ihre Siegel unter die Abschlüsse vieler dieser Unternehmen. Eine kleine Auswahl:

HRE Zahlungsfähigkeit ausgestellt

Die Hypo Real Estate (HRE) wurde jahrelang von KPMG testiert. Noch am 12. August 2008, als die Subprime-Krise schon fast ein Jahr lang wütete, schreiben die KMPG-Prüfer in einem Zwischenbericht: „Selbst bei einem Worst-Case-Szenario ist sichergestellt, dass die HRE-Gruppe und ihre Tochterunternehmen jederzeit uneingeschränkt zahlungsfähig sind.“ Sechs Wochen später steht die HRE vor dem Zusammenbruch und muss in einer dramatischen Aktion vom Bund und anderen Banken gestützt werden. Seither hat allein der Staat rund 90 Milliarden Euro Bürgschaften und Kapital gewährt. Als Gutachter für die Risiken bestellte der Soffin ausgerechnet PwC; dessen Irland-Tochter war Abschlussprüfer bei der Depfa, also der HRE-Tochter, die mit ihren riskanten Finanzgeschäften letztlich Schuld an der Riesenpleite ist.

Bei der IKB war KPMG ebenfalls Prüfer. Den IKB-Abschluss zum 31. März 2007 testierten sie am 4. Juni 2007 uneingeschränkt ohne Hinweis auf eine besondere Risikolage, wenige Wochen vor dem offenen Ausbruch der Subprime-Krise. Auch am 15. Februar 2008 – nachdem es längst gekracht hatte –, setzte KPMG (Mittelständler-Spott über die Uni-frischen Fachleute: „KPMG – Kinder prüfen mein Geschäft“) seinen Stempel unter den Prüfbericht, ohne die ins Ausland verschobenen Risiken zu berücksichtigen. Die Rhineland-Gesellschaften, wohin die IKB-Jongleure die toxischen Papiere verschoben hatten, wurden derweil vom PwC-Ableger auf der Kanalinsel Jersey geprüft.

Die PwC schaut nun der IKB in Quelle: AP

Von der Tochter IKB hat sich die Mutter KfW inzwischen unter hohen Verlusten verabschiedet. Die KfW-Staatsbank trennte sich auch von ihrem Abschlussprüfer. Der hieß vier Jahrzehnte lang PwC. Es mag ein Trost sein für PwC, dafür nun der IKB in die Bücher zu gucken. Hier ist KPMG raus, die aber jetzt die KfW kontrolliert. Ein bizarres Hütchen-Spiel.

Die Bestellung von KPMG zum KfW-Prüfer hat noch ein anderes Geschmäckle. Denn über den Wirtschaftsprüferwechsel ließ der Vorstand der Staatsbank den beaufsichtigenden Verwaltungsrat im hemdsärmeligen Umlaufverfahren abstimmen. Kritische Nachfragen sind da naturgemäß schwieriger. Zwar meint die KfW, die Zeit habe gedrängt. Allerdings tritt der Verwaltungsrat am 18. Juni wieder zusammen und hätte dann gemeinsam über dieses wichtige Mandat beraten können.

Für Anschlussaufträge gesorgt

Warum aber beauftragen der Staat und seine Institutionen so oft PwC und KPMG, die dafür weit über 100 Millionen Euro kassieren? Was ist mit anderen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Deloitte oder Ernst & Young? Auch die gehören zu den „Big Four“, wie sie sich selbst gern selbstbewusst nennen, und wären durchweg in der Lage, auch große Konzerne zu testieren. KPMG und PwC kommen in Deutschland auf einen Umsatz von schätzungsweise je 1,3 Milliarden Euro. Bei Ernst & Young sind es eine Milliarde und bei Deloitte 800 Millionen. Letztere sind im erlauchten Big-Four-Club aber nur Mitglieder zweiter Klasse, und das hängt wie in vielen Vereinen mit Traditionen zusammen. So reicht der Stammbaum von KPMG in Deutschland zurück zur Deutschen Treuhand-Gesellschaft, eine frühe Ausgründung aus der Deutschen Bank. Und PwC lässt sich hierzulande bis zur Treuarbeit AG zurückverfolgen, die stark mit der öffentlichen Hand liiert war. Aus diesen Wurzeln saugt das Duopol bis heute seine Stärke. KPMG prüft zwei Drittel der 30 führenden Dax-Werte. PwC testierte bei Banktiteln zuletzt unter anderem Commerzbank, Sachsen LB, LBBW, BayernLB, Helaba, LB Berlin und Nord/LB.

Selbst die schwerste Wirtschaftskrise kann dem Duopol nichts anhaben. Böse Zungen lästern, dass PwC und KPMG mit (zumindest aus heutiger Sicht) zweifelhaften Testaten gleich für ihre Anschlussaufträge gesorgt haben: als Gutachter für die inzwischen angelaufenen Rettungsaktionen.

Bislang ist die Verantwortung der Wirtschaftsprüfer an der Finanzkrise kein Thema. Doch wie lange geht der Kelch noch an ihnen vorüber? In den USA hat der Konkursverwalter von New Century Financial, einem zusammengebrochenen Immobilienfinanzierer, kürzlich eine Milliarden Dollar teure Klage gegen den Abschlussprüfer erhoben. Der Name: KPMG.

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