WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

DFB-Museum in Dortmund Die dunkle Seite des Museums-Märchens

Seite 2/3

Das Verhältnis von Dortmund und dem DFB

Doch das Märchen kennt auch einen Bösen, in diesem Fall ist es DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. An der Seite von Sierau schreitet er stoisch, die Hände hinter dem Rücken, durch das Museum. Die Aufdeckungen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ über schwarze Kassen, mit denen die Fußball-WM 2006 gekauft sein könnte, hätten für ihn unpassender nicht kommen können.

Gleich bei seinem Eingangsstatement bezeichnet Niersbach den „Spiegel“ als Märchenblatt und weist alle Vorwürfe zurück. Danach moderiert ein Funktionär alle Fragen nach dem Skandal rasch ab. Die Kameraobjektive bleiben freilich am angespannten Gesicht von Niersbach hängen. Das Fußballmuseum, es wirkte an diesem Tag wie eine Folterkammer für den Schöpfer des einstigen Sommermärchens.

Die umsatzstärksten Fußballclubs

Noch während der Museumsführung entschuldigt sich Niersbach. Die Termine, er müsse jetzt leider gehen. Die Journalisten gucken verdutzt. Sierau klopft Niersbach bei dessen Abgang tröstend auf die Schulter. Während der DFB-Präsident mit eingezogenem Kopf durch das Dickicht der Kameras entflieht, sonnt Sierau sich in deren Scheinwerfern.

Doch das Bild trügt. Denn das Verhältnis zwischen Dortmund und dem DFB ist eigentlich genau umgekehrt. Das zeigt zumindest der Gesellschaftervertrag, den die Parteien zum Bau des Fußballmuseums 2009 aufgesetzt haben. Während der DFB sein Kostenrisiko bei möglichen Verlusten des Museums auf 250.000 Euro pro Jahr deckelt, haftet die Stadt Dortmund unbeschränkt.

Schwierige Sponsorensuche

Doch auch die Suche nach Sponsoren für das Museum, zu der Dortmund sich vertraglich verpflichtete, könnte sich für die Ruhrstadt noch als Bumerang erweisen. Sponsorengelder in der Höhe von 350.000 Euro muss Dortmund jährlich einwerben, heißt es im Vertrag von 2009. Dieses Jahr ist es noch die Hälfte des Betrags. Wie viel Geld sie schon eingesammelt hat, darüber schweigt die Stadt seit Monaten eisern. Dass mögliche Financiers eher eng gesät sind, spürte zumindest das Dortmunder Konzerthaus: Deren bisheriger Sponsor, die stadteigenen Dortmunder Stadtwerke, leiteten das Gros ihrer Förderung kurzerhand vom Konzerthaus zum Kicker-Museum um. Das Konzerthaus muss deshalb ab 2016 auf 75.000 Euro an Sponsoring-Geldern pro Jahr verzichten.

Zum Sponsoring äußert die Stadt sich auf Nachfrage der Wirtschaftswoche nur schmallippig: Das Sponsoring entspreche den „vertraglichen Erfordernissen“ heißt es schriftlich. Ganz glücklich scheint jedoch auch der Oberbürgermeister mit dem Status quo nicht zu sein. Noch im Fußballmuseum verkündete Sierau, dass der Gesellschaftervertrag und speziell diese zwei Punkte mit dem DFB noch nachverhandelt würden.

Doch das „Museums-Märchen“, wie Sierau das Fußballmuseum in seinen einleitenden Worten nannte, hat auch eine andere, eine dunklere Seite. Keine zweihundert Meter liegt sie vom Museum entfernt. Es reicht schon, am Bahnhof nicht den Ausgang Richtung Innenstadt zu wählen, vor dessen Tür der neue Prestigebau Dortmunds liegt, sondern den anderen, den Richtung Nordstadt. Weil der Busbahnhof dem Museumsbau weichen musste, liegt er nun hier in der Nordstadt, dem ewigen Problemviertel Dortmunds. Mehr als eine Million Euro hat die Verlagerung des Bahnhofs der Stadt gekostet.

Bastian Pütter, Chefredakteur des Dortmunder Obdachlosenmagazins und Sozialvereins Bodo, steht am Bordstein des Busbahnhofs und sagt: „Alles Dreckige, was man nicht so gerne sieht, wird eben in die Nordstadt verlagert.“ Mit seinem Verein bietet er Stadttouren zu den sozialen Problemvierteln Dortmunds an, um das Bewusstsein der Dortmunder zu schärfen. Alle paar Meter grüßt Pütter einen der Bulgaren oder Rumänen am Straßenrand per Vornamen.

Nach einem kurzen Spaziergang in der Nordstadt zeigt Pütter in eine Straße: „Hier ist der Arbeiterstrich.“ Pütter zeigt in die nächste Straße: „Hier ist der Straßenstich, auch wenn der wegen dem Verbot jetzt verdeckter ist.“ Pütter zeigt auf den Park, wo drei bärtige Männer schon am frühen Vormittag Flaschenbier trinken: „Und dort hinten sitzen meist die Drogenabhängigen. Hier finden Sie auf 800 Metern alle Übel der westlichen Welt.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%