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Die Verkehrslage zum Wochenende Dobrindt liebäugelt mit autonomer Szene

Verkehrsminister Dobrindt will eine Teststrecke für selbstfahrende Autos, die Bahn wettert gegen Abzocke durch die Lufthansa - der Rück- und Ausblick auf die Mobilitätsbranche.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Quelle: dpa

Verkehrsminister Alexander Dobrindt will auf der Autobahn A9 in Bayern eine Teststrecke für autonomes Fahren aufbauen. Die Länder Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg melden nun ebenfalls ihre Ansprüche auf ein "Digitales Testfeld Autobahn" an. Derweilen fahren Google-Autos ohne Fahrer auf den Straßen von Kalifornien, Nevada und Florida schon seit langem rum. Die Amerikaner bauen die schlechteren Autos, aber sie testen sie mal wieder besser.

Die Bahn wird teurer - für die Lufthansa 

Die Deutsche Bahn verbreitet in der Luftverkehrsbranche Angst und Schrecken. Der Konzern will bei internationalen Frachtfluggesellschaften Geld eintreiben – allen voran bei der Lufthansa. 1,76 Milliarden Euro Schadensersatz fordert die Bahn, weil Cargo-Airlines jahrelang Preise für Treibstoff- und Sicherheitszuschläge abgesprochen hatten. Und die Bahn macht mobil: Denn andere Unternehmen finden die Idee so gut, dass sie sich der Klage mit ihrer Forderung nach 800 Millionen Euro plus Zinsen angeschlossen haben - darunter Kühne+Nagel, Panalpina und Robert Bosch. Die Bahn hat dafür eine eigene Tochter gegründet: Die DB Barnsdale AG. Die Firma lässt sich die Ansprüche der anderen abtreten, sammelt die Entschädigungsleistungen ein und zahlt sie nach Abzug einer Provision an die Mitstreiter aus. Dieses lukrative Geschäftsmodell funktioniert auch, wenn Lokführer streiken, und ist absolut wetterfest

Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

Dobrindt plant für Zeit nach Dobrindt 

Verkehrsprojekte so finanzieren, dass sie erst der nachfolgenden Generation auf die Füße fallen - das ist auch eine Form der Zukunftspolitik. Privatinvestoren sollen ihre Schatulle öffnen, damit mehr Schnellstraßen gebaut werden. 15 Milliarden Euro will Autobahnminister Alexander Dobrindt einsammeln - die eine Hälfte für Neubau, die andere für Erhalt und Pflege. Die Investoren kassieren also irgendwann in ferner Zukunft ab. Für den Steuerzahler wird es also später teuer. Doch dann ist Dobrindt nicht mehr Minister.

Berliner Senat mag Berliner nicht

Berlin setzt Maßstäbe in Deutschland. Bis 2020 sollen in der Hauptstadt bis zu 1600 Ladepunkte für Elektroautos entstehen – mehr als drei Mal so viel wie heute. Doch beim Betrieb der E-Tankstellen setzt der Senat mit Alliander auf Expertise aus Holland. Die Berliner Startups Ubitricity und Ebee, die das geniale Stromtanken an Straßenlaternen erfunden haben, gehen leer aus. Sie dürfen zu Testzwecken und auf eigene Kosten „bis zu 100 Ladepunkte an Straßenleuchten einrichten“, heißt es im Senat. Wie gönnerhaft. Die Gründer suchen schon im Ausland ihre Chance. Droht bald das nächste MP3-Debakel - erfunden in Deutschland, zu Gold gemacht im Ausland? 

Wo Autofahrer bezahlen müssen
Österreich: Mautpflicht auf allen AutobahnenIn Österreich besteht für die Benutzung des gesamten Autobahnnetzes Vignettenpflicht. Die Vignette wird entweder für zehn Tage, zwei Monate oder das ganze Jahr verkauft. Die Preise liegen hierbei zwischen 8,50 Euro für die 10-Tages-Vignette, 24,80 Euro für die Zwei-Monats-Vignette und 82,70 für die Jahres-Vignette. Übergangsregelungen, wie bei der Benutzung des Pfändertunnels der die Reise nach Italien oder in die Schweiz verkürzt, gibt es nicht mehr. Quelle: dpa
Schweiz: Mautpflicht auf allen AutobahnenAuch für die Benutzung der Autobahnen in der Schweiz besteht Vignettenpflicht. Anders als in Österreich gibt es hier nur eine Vignette zu kaufen. Die Jahres-Vignette kostet 33 Euro, bei der Benutzung einzelner Tunnels fallen Extragebühren an. Wer ohne gültige oder mit manipulierter Vignette unterwegs ist, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. Quelle: AP
Italien: Zwei verschiedene MautsystemeIn Italien wird die Autobahngebühr auf zwei verschiedene Arten berechnet. Für einen Großteil der Autobahnen  gilt das „geschlossene“ System, in dem die Gebührenhöhe nach Streckenlänge berechnet wird, hier werden etwa 5 Euro pro 100 Kilometer fällig. Im „offenen“ System wird an einer Mautstation ein Pauschalbetrag gezahlt.  Dieses System kommt jedoch nur auf einzelnen Strecken in Italien zur Anwendung, beispielsweise von Como am Comer See nach Mailand. Quelle: AP
Frankreich: Mautpflicht auf dem Großteil der Autobahnen Der Großteil der Autobahnstrecken in Frankreich ist mautpflichtig. Auch hier lassen sich etwa 5 Euro pro 100 Kilometer berechnen. Wie in Österreich oder der Schweiz kostet die Benutzung einzelner Tunnels extra. So werden beispielsweise für den Mont-Blanc-Tunnel  einfach 32,30 Euro fällig, für die Hin- und Rückfahrt werden 40,30 Euro berechnet. Einige wenige Autobahnen bzw. Autobahnabschnitte sind gebührenfrei, hierzu gehören die Stadtumgehungsautobahnen von Paris, Lyon, Marseille und Bordeaux sowie der grenznahe Autobahnabschnitt Saarbrücken bis St.Avod. Quelle: AP
Spanien: Überwiegend gebührenpflichtige Autobahnstrecken Auf allen Autobahnstrecken die mit „AP“ und „R“ ausgewiesen sind sowie verschiedene Tunnels und Brücken sind gebührenpflichtig. Die Gebühren in Spanien gehören zu den höchsten in Europa, hier kosten 100 Kilometer im Schnitt 8 Euro. In Madrid, Valencia oder Barcelona fallen auf Stadtumgehungsautobahnen keine Gebühren an. Sämtliche Autobahnstrecken auf den kanarischen und balearischen Inseln sind gebührenfrei. Bild: Matthias Schrader Quelle: dpa Picture-Alliance
Dänemark: Kostenpflichtige BrückenBei unseren dänischen Nachbarn sind einzelne Strecken, wie die Länderübergreifende Brücke zwischen Kopenhagen (Dänemark) und Malmö (Schweden), gebührenpflichtig. Der Preis liegt zwischen 29 und 34 Euro. Quelle: REUTERS
Griechenland: Wenige und günstige Autobahnabschnitte mit MautgebührAuf etwa zehn Autobahnabschnitten fallen Mautgebühren an, darunter die Strecke zwischen Thessaloniki und Athen. Für Autofahrer betragen die Preise zwischen 1 und 3,50 Euro, sie gehören zu den niedrigsten Gebühren europaweit. Quelle: dapd

Überholt die EU-Maut noch die deutsche?

Die transkontinentale Ausländer-Maut - wenn es nach EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc geht, könnte sie es bald geben. Bulc plant eine Pkw-Maut für ganz Europa. Damit wäre der deutsche Maut-Murks womöglich schon erledigt, bevor er richtig nerven könnte. Unterdessen droht dem deutschen Verkehrsminister die nächste Maut-Blamage: Die Kollegen von der „Zeit“ haben gerichtlich durchgesetzt, dass Alexander Dobrindt die Berechnung der Maut-Einnahmen von 500 Millionen Euro offen legen muss. Allein, dass dafür der Rechtsweg notwendig war, dürfte den mündigen Autofahrer skeptisch machen. 

Deutsche Radfahrer dürfen weiter saufen 

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Menschen, die gerne sturzbetrunken am Straßenverkehr teilnehmen, dürfen sich freuen. Alexander Dobrindt hat sie lieb! Die derzeitige Grenze für Radfahrer von 1,6 Promille bleibt so hoch wie sie ist. Der frühere Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig sagte einmal: „Mit 1,6 Promille im Blut dürften viele Fahrradfahrer schon Probleme damit haben, ihr Fahrradschloss überhaupt zu öffnen“. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte diese Woche deshalb eine Senkung der Promillegrenze ins Spiel gebracht. 1,6 Promille: Für einen Ein-Meter-Achtzig-Mann sind dafür etwa fünf halbe Liter Weißbier nötig. Dobrindt sieht aber "keinen Handlungsbedarf". Der Weg vom bayerischen Stammtisch ins Bett in Sonstwomaning kann nun mal lang sein. Dobrindt weiß, was er tut.

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