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Digital-Freiheitsindex 2014 Der Bürger will keine Freiheit, sondern mehr Staat

Um die deutsche Freiheit ist es nicht gut bestellt – zu diesem Ergebnis kommt der Freiheitsindex des John Stuart Mill Instituts. Besonders der Digital-Schwerpunkt birgt interessante Erkenntnisse.

Das Logo von Facebook: „Ein Nutzer hat schlichtweg kaum sinnvolle Möglichkeiten sich vor Überwachung zu schützen, die den heutigen Ansprüchen und Gewohnheiten entsprechen“, sagt Linus Neumann, IT-Sicherheitsexperte des Chaos-Computer-Clubs. Quelle: dpa

Seit der NSA-Affäre dürfte den meisten klar sein: Internetkommunikation ist längst nicht mehr sicher. Wer bei Facebook private Nachrichten verschickt, Mails versendet, etwas bei Amazon bestellt oder telefoniert, sollte sich bewusst sein – die Kommunikation ist einsehbar.

Das verändert den Blick der Bürger auf den Datenschutz. Mittlerweile findet es nur jeder zehnte Bundesbürger in Ordnung, wenn Telefon- und Internetverbindungen über Monate gespeichert werden. Viel tiefere Eingriffe in die Freiheit, wie flächendeckende Gentests an allen Bürgern oder Terrorverdächtige ohne Beweise zu inhaftieren, erscheint mehr als doppelt so vielen angemessen.

Das geht aus dem „Freiheitsindex Deutschland 2014“ (.pdf) hervor. Den erstellt das John Stuart Mill Institut seit 2011 gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach und dem Institut für Publizistik der Universität Mainz.

Grundlage des Index

Die Ergebnisse zeigen, dass die Enthüllungen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden das deutsche Freiheitsempfinden zwar beeinflusst, aber nicht unbedingt zwingend verändert haben.

Die Studie wollte der Frage nachgehen, welchen Wert Freiheit im Verhältnis zu Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichheit besitzt - und zwar auf einer Skala von minus 50 bis plus 50. Heißt konkret: Je höher der Wert, desto wichtiger ist Freiheit gegenüber den anderen Werten. Das diesjährige Ergebnis lautet minus 7 - das ist der mit Abstand schlechteste Wert seit Beginn der Messung 2011.

Die Ergebnisse im Überblick

Die gefühlte Totalüberwachung durch amerikanische Geheimdienste und die Sammelwut von Facebook, Google oder Amazon hinterlässt ihre Spuren im Freiheitsverständnis der Bürger. Zwei Drittel der Befragten schätzen die Überwachung durch ausländische Geheimdienste als größte Gefahr für ihre Freiheit ein.

Darauf folgen das Sammeln von Nutzerdaten durch Unternehmen und die Weitergabe an andere Unternehmen oder Staaten - beides fürchten über 60 Prozent der Befragten - mehr noch als den internationalen Terrorismus, der an vierter Stelle folgt. Eingriffe des Sozialstaats, Videoüberwachung oder Einschränkungen der Meinungsfreiheit seien dagegen kleinere Übel für die Freiheit.

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