Digitale Agenda Der steinige Weg in die Gigabit-Gesellschaft

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Schnellere Entwicklung nötig als bislang

Zwei Fliegen mit einer Klappe wollen die Grünen erledigen. Sie bekräftigten ihre Forderung, dass der Bund sich endlich von seinen Telekom-Anteilen trennen sollte. „Die Erlöse von etwa zehn Milliarden Euro sollten in eine Breitbandbundesgesellschaft fließen, die den Glasfaserausbau in strukturschwachen Gebieten fördert“, sagte Tabea Rößner von den Grünen. 2025 sollten mindestens 75 Prozent der Haushalte über einen Anschluss mit Glasfasertechnik verfügen. Ein Verkauf der Telekom-Aktien hätte auch ordnungspolitische Vorteile: Der Staat würde bei Wettbewerbsentscheidungen nicht mehr in Versuchung kommen können, das eigene Unternehmen besser zu stellen.

Dass sich eine Gigabitgesellschaft schneller entwickeln muss als bislang, daran haben alle Parteien keinen Zweifel. „Die Gigabitgesellschaft muss in Deutschland bis zum Jahr 2025 Realität werden“, sagte dazu auch eco-Verbands-Experte Klaus Landefeld. Mit Blick auf die nächste Legislaturperiode sagte er: „Aufgrund von Aufbauzeiten von mindestens sieben, eher zehn Jahren und mehr“ müsse es „einen konkreten Plan zum Aufbau von Faser Infrastrukturen als einzige wirklich zukunftssichere Technologie“ geben. Dies müsse von „von Anfang an Bestandteil eines Regierungsprogramm sein“.

Was Künstliche Intelligenz für die Zukunft des Menschen bedeutet
Wird künstliche Intelligenz langfristig unser gesamtes Wirtschaftsmodell auf den Kopf stellen? Wird ein Robot bald ein Cobot sein? Wie sieht die Welt in Zeiten intelligenter Suchmaschinen, optischer Zeichenerkennung und maschineller Übersetzung aus? Diesen Fragen widmete sich das Innovationsforum 2017 von WirtschaftsWoche, Accenture, EnBW und Evonik am 31. März 2017 in München. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Gastgeber Frank Riemensperger. Er leitet seit 2009 als Vorsitzender der Geschäftsführung die Accenture-Ländergruppe Deutschland, Österreich, Schweiz. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Die Keynote "Künstliche Intelligenz - was ist Wissenschaft, was ist Fiktion?" hielt Wolfgang Wahlster. Als Vorsitzender der Geschäftsführung leitet Wahlster mit dem 1988 gegründeten Deutschen Forschungs­zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) die weltweit größte Forschungseinrichtung zur KI mit über 800 Wissenschaftlern. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Moderatorin Andrea Thilo diskutiert mit IPSoft Managing Director Olav Strand und Evoniks Foresight Manager Björn Theis über Künstliche Intelligenz. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Volker Tresp sprach über KI und Digitalisierung in Unternehmen. Tresp führt seit 1989 verschiedene Machine Learning-Teams im Forschungs- und Technologiebereich bei Siemens. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Sigrid Stinnes hat als Innovation Lead für Deutschland, Österreich und die Schweiz einen guten Überblick über alle strategischen Initiativen und leitet unsere Design Thinking Practice. In ihrer Keynote ging es um das Thema: "Künstliche Intelligenz braucht neue IT und neue Arbeitswege". Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Neben vielen spannenden Vorträgen... Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
... gab es auch innovative Technologien zum Anfassen. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
An einem Stand wurde demonstriert, was ein Roboterarm schon leisten kann. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Die Teilnehmer tauchten in virtuelle Welten ein. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Am Mittag wurden mehrere Workshops rund ums Thema Künstliche Intelligenz angeboten. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Heike Häfele beim Nachmittags-Panel "Neue Unternehmensprozesse und -modelle". Häfele ist COO bei AX Semantics, einem der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der natürlich-sprachlichen Textgenerierung (NLG). Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche
Ein Blick in den Saal: Das Forum war gut besucht. Quelle: Hasan Baran Özkan für WirtschaftsWoche

Es geht dabei zum einen um die reine Downloadgeschwindigkeit. Wer sich bei einem 50-Megabit-Anschluss einen Film in HD-Auflösung mit einer Größe von 25 Gigabyte runter laden will, braucht dafür mehr als eine Stunde. Bei einem Gigabit-Anschluss ginge das in etwas mehr als drei Minuten. In Zukunft werden außerdem auch Latenzzeiten und Paketverluste eine immer größere Rolle spielen, also wie schnell Geräte miteinander kommunizieren können. An Glasfaserkabel, so viel ist klar, geht kein Weg dran vorbei.

Doch damit wäre allenfalls die physische Hardwareproblem gelöst. Doch wie sieht es aus bei anderen wichtigen Themen der Digitalisierung? Etwa den freien WLAN-Hot Spots?

Zehn Fakten zur Digitalisierung

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr eigentlich ein gutes Gesetz vorgelegt, sagt eco. Die Störerhaftung, nach der bisher ein Café-Besitzer für die Downloads ihrer Kunden zur Haftung gezogen werden konnte, wurde aufgehoben. Nutzer eines offenen WLAN-Netzes müssen jetzt nicht einmal mehr ein Häkchen setzen, wenn sie sich in ein offenes Netz einloggen. Doch nun soll das Gesetz wieder überarbeitet werden – mit neuen Regeln zu Netzsperren gegenüber Anbietern. Eco-Experte Landefeld warnt: Der überwiegende Teil der WLANs werde nicht durch große Konzerne realisiert, sondern durch branchenfremde Unternehmen. „Die Betreiber haben keinerlei Erfahrung mit derartigen Themen.“ Der derzeit aktive Aufbau offener WLANs „wird hierdurch erneut gefährdet“. Dabei sei WLAN im internationalen Vergleich die mobile  Zugangstechnologie schlechthin.

Fatal fällt das Urteil der Digital-Politiker beim Thema der digitalen Verwaltung aus. „Deutschland ist abgehängt“, sagte Grünen-Expertin Rößner. Es gebe viele  Vorbehalte der Bürger gegen neue Services. Auch CDU-Experte Nick sagt: „Jeder baut Insellösungen.“  Kommunen und Länder hätten unterschiedliche Strategien. Hier zeigten sich die Nachteile des Föderalismus. Linken-Politiker Behrens forderte deshalb auch einen „top-down-Ansatz“. Der Staat müsse Prozesse und Produkte „standardisieren“, damit sich digitale Verwaltungslösungen durchsetzen.

Natürlich fehlte bei der Diskussion des eco-Verbandes auch das Paradebeispiel für eine funktionierende Verwaltung nicht: Estland. CDU-Abgeordneter Nick sagte mit Blick auf das baltische Land, das wie kein anderes Land in Europa sämtliche Verwaltungsschritte wie Steuererklärung, Gesundheitskarte und Unternehmensgründung digitalisiert hat: „Wir dürfen nicht immer über Probleme, sondern müssen über die Chancen reden.“

Auch SPD-Kollege Zimmermann verwies auf Estland. Er habe das Land vor kurzem besucht. Dort habe man ihm gesagt: „Der elektronische Ausweis hat die Digitalisierung dort erst so richtig in Gang gebracht.“ Dies sei eine sichere und komfortable Lösung. Der elektronische Ausweis müsse auch in Deutschland stärker in den politischen Fokus rücken.

Für eco-Experte Landefeld ist klar, dass Deutschland bei der Digitalisierung der Verwaltungen noch die meisten Hausaufgaben zu erledigen hat. Die vollständige Digitalisierung von Behörden und staatlichen Einrichtungen müsse „schnellstmöglich umgesetzt werden“. Die Transformation von staatlichen Einrichtungen in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts „steckt noch in den Kinderschuhen.“ Um einen funktionierenden Austausch mit den Bürgern und der Wirtschaft zu gewährleisten, müsse der Reformstau aufgelöst werden. „Hierzu brauchen wir eine zentral koordinierte Strategie, die zudem auch sicherstellt, dass die behördlichen Systeme interoperabel sind.“

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