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DIHK-Umfrage Mindestlohn und andere Nöte

Die Neujahrsumfrage der Industrie- und Handelskammern unterstützt die Kritiker des Mindestlohns: Die 8,50 Euro drücken gehörig auf die Stimmung. Doch ein genauerer Blick in die Befunde offenbart noch anderes.

Der Mindestlohn schlägt zu – aber nicht überall
8,50 Euro stehen als große Aufsteller vor dem Bundeskanzleramt Quelle: dpa
Jemand trägt einen Tannenbaum Quelle: dpa
Ein Mann steht auf einer Leiter, die an einen Stapel aus Baumstämmen angelehnt ist Quelle: AP
Eine Frau trägt ein Tablett mit verschiedenen Biersorten Quelle: dpa
Ein großes Glas Bier im Vordergrund im Hintergrund der Berliner Fernsehturm "Alex" Quelle: dpa
Lastwagen eines Umzugsunternehmens vor der neuen Zentrale der EZB Quelle: dpa
Eine Friseurin frisiert eine Kundin Quelle: dpa

Man kann vom gesetzlichen Zwang, seit dem 1. Januar Angestellten mindestens 8,50 Euro bezahlen zu müssen, erst einmal halten was man möchte. Man kann das als nötige gesetzliche Peitsche für Lohndrücker betrachten oder als Armutszeugnis einer Marktwirtschaft, man kann das ökonomische Signal katastrophal finden oder gerade richtig. Es finden sich in Deutschland Vertreter aller Denk- Schulen, sie finden auch alle Gehör für ihre Thesen. Mal mehr, mal weniger.

Aber wie das so ist mit öffentlich geführten Debatten: Wahrheit und Wirklichkeit liegen dazwischen – und schimmern weder schwarz noch weiß, sondern ziemlich grau.

Den jüngsten Beitrag zur Debatte liefert nun der Deutsche Industrie- und Handelskammertag mit seiner Konjunkturumfrage. Auf den ersten Blick ist die Sache ziemlich schwarz und eindeutig: Der Mindestlohn drückt auf die Stimmung der Unternehmer, vor allem im Osten und gerade in Branchen mit ohnehin eher niedrigerem Lohnniveau. Ein bescheidener Aufschwung? Gedrosselt.

Fakten zum Mindestlohn

Seit Anfang 2013, also in den vergangenen zwei Jahren, sind die Sorgen über  steigende Arbeitskosten in den Betrieben in der Tat kontinuierlich gestiegen. Statt 35 Prozent sehen nun 42 Prozent der Befragten darin ein Problem. So sehr, dass Löhne und Gehälter langsam die Relevanz der üblicherweise wichtigsten Geschäftstreiber erreichen: die Infrage im In- und Ausland.

Die Umfrage belegt, was maßvolle Kritiker des Mindestlohnes schon lange vor dessen Einführung angemerkt hatten: Eine bundesweite Lohnuntergrenze von 8,50 Euro ist – die ordnungs- und tarifpolitischen Bedenken ausgeklammert – für Westdeutschland eher unbedeutend, für Ostdeutschland aber ziemlich schmerzhaft und risikoreich. Weniger wäre bei diesem Experiment mehr gewesen.

Die Umfrage zeigt bei näherem Hinsehen allerdings auch, dass man es mit der Gleichung „Mindestlohn gleich Jobkiller“ etwas zu einfach machen würde. Denn erstens ist Frage der  Arbeitskosten alles in allem weiterhin eher zweitrangig, und zweitens wächst eine weitere Sorge der Unternehmen nahezu gleich stark – die, künftig nicht genügend qualifizierte, neuen Mitarbeiter mehr zu finden (2013: 32 Prozent; 2015: 38 Prozent –laut DIHK).

In Arbeit
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Und prompt gerät die hitzige Lohndiskussion schon etwas komplizierter und differenzierter. Denn viele Branchenvertreter, etwa im Friseurhandwerk, können sehr eindrucksvoll den Anpassungsdruck schildern, der durch steigende Löhne entstanden ist. Gleichzeitig jedoch hoffen einige von ihnen, durch ein höheres Lohnniveau als Ausbildungsbetriebe überhaupt wieder attraktiv zu werden. Der offenbar spürbare Fachkräftemangel wird nach Lage der Dinge ohnehin dazu führen, in Zukunft bessere Gehälter bezahlen zu müssen.

Bei aller Mäkelei über den Mindestlohn findet sich in der DIHK-Studie dann übrigens auch folgender Satz: „Unter dem Strich ist 2015 mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau zu rechnen.“ Alarmismus klingt wahrlich anders.

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