DIRCM: Günstiger als gedacht: Das wird der neue Selbstschutz der Regierungsflieger
Den Regierungs-Airbus A340 plagten zuletzt technische Probleme.
Foto: dpaWenn sich heute Verteidigungsminister Boris Pistorius mit seinem israelischen Amtskollegen Yoav Gallant in Berlin trifft, dann liegen die Themen auf der Hand. Eine Absichtserklärung für den Kauf von „Arrow 3”-Abwehrraketen werden die Politiker unterschreiben, die Deutschland in Israel bestellen will. Der Stand bei der Ausbildung deutscher Soldaten an bewaffneten Heron-Drohnen wird ein Thema sein. Und noch einmal wird Raketenabwehr eine Rolle spielen. Denn Deutschland plant offenbar doch noch den Ankauf von modernen DIRCM-Raketenabwehrsystemen für seine Regierungsflieger.
Für den Schritt gibt es sogar (leicht vergiftetes) Lob aus der Opposition. Noch vor einigen Monaten habe Pistorius „die neuen Regierungsflieger komplett ohne Schutz“ in die Welt schicken wollen, sagt der CDU-Verteidigungspolitiker Ingo Gädechens. „Jetzt ist er zur Vernunft gekommen.“ Hintergrund der Aussage ist, dass der Selbstschutz der Regierungsflieger vor einigen Jahren eigentlich schon einmal angedacht war, dann aber wieder aus den Finanzplanungen verschwand.
Doch was macht das neue System eigentlich?
Für die Bundeswehr bereitgestellt wurde DIRCM bisher von einem Joint Venture der Unternehmen Diehl Defence aus Deutschland und Elbit Systems aus Haifa in Israel. Die Abkürzung steht für „Directed Infrared Countermeasure“ – zielgerichtete Infrarot-Gegenmaßnahme.
Dahinter stecken Sensoren, die Infrarotstrahlung potentieller Bedrohungen, etwa durch Lenkwaffen, erfassen und anschließend eine Antwort einleiten. DIRCM stört dann in Echtzeit die Infrarot-Suchköpfe der Angreifer mit Hilfe von Lasestrahlen. Raketen können den Regierungsflieger im besten Fall nicht mehr richtig anvisieren und verfehlen ihr Ziel. Diehl beschreibt in diesem Zusammenhang sogar selbstbewusst einen „360° Rundumschutz des Flugzeugs“. Die Kooperation mit Elbit Systems läuft schon seit 2014 und wurde zwischenzeitlich erneuert.
In Berlin ist nun zuhören, dass zumindest Elbit auch diesmal Partner sein soll, den Einbau übernimmt den Informationen nach die Lufthansa Technik. Eine Stellungnahme von Diehl ob einer Beteiligung steht noch aus.
Klarer als die beteiligten Unternehmen scheint der Preis. Im ursprünglichen Plan für das System waren 2019 rund 229 Millionen Euro veranschlagt. Eine neue Machbarkeitsstudie aus dem Ministerium hat jetzt offenbar sogar geringere Kosten für ergeben.
Das Verteidigungsministerium will drei Maschinen der Flugbereitschaft vom Typ Airbus A350 ab dem Jahr 2026 nacheinander umrüsten. Das geschehe im Rahmen der ohnehin anfallenden Instandhaltungen und bedeute keinen Extra-Aufwand.
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