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Diskussionen in sozialen Netzwerken Die Schlandkette bewegt Deutschland

Beim TV-Duell gab es bei den Kandidaten zwar keinen eindeutigen Sieger - im Netz hingegen schon. Die Kette von Angela Merkel war in sozialen Medien das meist diskutierte Thema.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel trägt eine schwarz-rot-goldene Halskette. Stoff für reichlich Diskussion im Netz. Quelle: dpa

„Hätte, hätte, Fahrradkette“ - dieser Satz ist zu einem Markenzeichen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geworden. Während des TV-Duells am Sonntagabend war es aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit einer schwarz-rot-goldenen Halskette Aufmerksamkeit auf sich zog. Innerhalb einer halben Stunde hatte der spontan eingerichtete Twitter-Account @schlandkette bereits mehr als 2000 Follower. Der Tweet „Hätte, hätte, Deutschlandkette“ gehörte zu den am meisten verbreiteten Kurznachrichten des Abends. Am Morgen folgten dem Account bereits mehr als 5000 Menschen. Auch auf Facebook gefällt mehr als 1500 Menschen die Seite Schlandkette.

Als das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück am Sonntag um 22.00 Uhr endete, ging der Kampf im Internet weiter. Anhänger und Gegner beider Kandidaten machten in sozialen Medien wie Facebook vor, während und nach der Fernsehsendung Stimmung für ihren jeweiligen Spitzenkandidaten. Besonders über den Kurznachrichtendienst Twitter - den es bei den ersten TV-Duellen 2002 und 2005 noch nicht gab - kämpften Parteien und Politiker für ihre Spitzenkandidaten.

Was Schwarz-Gelb nicht geschafft hat

"Peer Steinbrück macht schon in den ersten Minuten deutlich, was er als Bundeskanzler anders machen wird. Gut so!", twitterte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel, um schon wenig später nachzulegen. "Wie erwartet: Merkel schafft es nicht, auf klare Fragen klare Antworten zu geben." Für die CDU trommelte vor allem Bundesumweltminister Peter Altmaier, einer der aktivsten Politiker bei Twitter und mit mehr als 46.000 Followern auch einer der populärsten. "Schade, dass @peersteinbrueck unser Land schon am Anfang schlecht redet. Damit löst er kein Problem, die Realität ist ganz anders!"

Dass so hochrangige Politiker über die sozialen Netzwerke das laufende TV-Duell sofort ausgiebig kommentierten, hat einen Grund: Dort können sie Millionen vor allem jüngerer Wähler direkt erreichen. Mussten sie bei den früheren Zweikämpfen das Ende der Sendung abwarten, um dann in Kameras zu sprechen und Sieger und Verlierer auszurufen, begann der Kampf um die Deutungshoheit schon viel früher. Das mit Spannung erwartete einzige Duell lockte nicht nur Millionen vor die Fernseher, sondern war auch im Internet Gesprächsthema Nummer eins - jedenfalls in Deutschland. "Von wegen politikverdrossen - das TVduell ist heute Suchthema Nr. 1 bei Google", twitterte die Pressestelle des Suchmaschinen-Riesen. Und das Hashtag (Schlagwort) #TVDuell war schon lange vor Sendebeginn das populärste Thema beim Kurznachrichtendienst Twitter in Deutschland.
Kein Wunder, dass alle Parteien dort kräftig mitmischten. "Unsere Mutti ist die Beste!", schrieb etwa Dorothee Bär, stellvertretende CSU-Generalsekretärin und Bundestagsabgeordnete auf Twitter. Sogar Peer Steinbrück twitterte - allerdings nicht selbst, sondern sein Wahlkampfteam betreute während der Sendung seinen Account. Und das las sich dann beispielsweise so: "Das Betreuungsgeld ist bildungspolitisch und integrationspolitisch falsch."

"Anfang vom Ende"

So teuer werden die Wahlversprechen der Parteien
Die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln rechnen mit den Parteiprogrammen der Parteien ab. Sie haben sich die steuerlichen Auswirkungen der Wahlversprechen angesehen. Ein Überblick: CDU/CSUBesonders teuer kommt die Wähler die Sozialpolitik zu stehen: Hier fallen fiskalische Mehrbelastungen von 21,2 Milliarden Euro an, wovon 9,4 Milliarden Euro durch die Steuerpolitik wieder reingeholt werden. Bei Umsetzung des Programms sind also unterm Strich noch 12 Milliarden Euro über zusätzliche Abgaben einzutreiben. Deshalb wird das BIP nach fünf Jahren einen Rückstand von 0,1 Prozent aufweisen, schätzt das IW. Der Beschäftigungsstand läge knapp 100.000 Personen hinter dem Status-quo-Szenario. Quelle: dpa
SPDDie Sozialpolitik fällt bei der SPD sogar weniger ins Gewicht, als bei der Union: Hier wären es 18,2 Milliarden Euro. Zusammen mit der Steuerpolitik (40,9 Mrd.) fallen allerdings insgesamt 59,1 Milliarden Euro an, die durch zusätzliche Abgaben wieder hereingeholt werden müssen. Das BIP würde daher nach fünf Jahren um 0,7 Prozent geschrumpft sein, und der Beschäftigungsstand läge um 300.000 Menschen niedriger. Quelle: dpa
FDPEinzig das Programm der Liberalen würde sich laut IW nicht messbar auf Wachstumsprozess und Beschäftigungsstand auswirken und im Vergleich zu den anderen Parteien die geringsten Risiken bergen. Allerdings bliebe die FDP manche Konkretisierung schuldig, so die Forscher. Die Mehrausgaben in der Sozialpolitik sind mit 4 Milliarden Euro gering; durch Minderausgaben in der Steuerpolitik von 5,5 Milliarden bliebe unterm Strich eine Minderbelastung von 1,5 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Bündnis 90/Die GrünenDie Pläne von Bündnis 90/Die Grünen verursachen Mehrbelastungen von 59,7 Milliarden Euro, zusammengesetzt aus 14,2 Milliarden für Sozial- und 45,5 Milliarden Euro für Steuerpolitik. Dadurch wären wie bei der SPD 300.000 Jobs gefährdet und das BIP würde um 0,7 Prozent zurückgehen. Dabei seien die zu erwartenden negativen Investitionsanreize infolge einer Vermögensteuer und deren beschäftigungsfeindliche Wirkung noch gar nicht eingerechnet, so das IW. Quelle: dpa
Die LinkeDie höchste Mehrbelastung für die Bürger und den Staatshaushalt ergibt sich laut IW aus den Plänen der Linken mit sage und schreibe 160,8 Milliarden Euro pro Jahr. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die Steuerpläne sowie die Rücknahme aller bisherigen Rentenreformen: denn die Einsparungen in der Sozialpolitik (-10,2 Mrd.) werden durch 171 Milliarden Euro Mehrausgaben bei der Steuerpolitik mehr als aufgefressen. Der Beschäftigtenstand würde gegenüber dem Status Quo um 800.000 sinken, das BIP würde um 1,9 Prozent einbrechen. Quelle: dpa

Auch die kleineren Bundestagsparteien mischten im Netz kräftig mit. "Warum muss Steinbrück eigentlich immer das Land schlecht machen, wenn er für seine Politik wirbt?", fragte der stellvertretende FDP-Fraktionschef Volker Wissing. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin arbeitete sich an der Bundeskanzlerin ab: "Merkel: 'Wir können 2015 beginnen Schulden abzubauen'. Und warum haben Sie in Ihrer Amtszeit 500 Mrd. Schulden aufgetürmt?"


Auch die außerparlamentarische Opposition meldet sich zu Wort - darunter die besonders netzaffine Piratenpartei. "Es ist heute der Anfang des Endes der Ära Merkel. Sie wirkt nicht überzeugend genug für 4 weitere Jahre.", schrieb deren Bundesvorsitzender Bernd Schlömer.

Schon vor der 90-minütigen Debatte versuchten prominente Politiker, im Netz Stimmung für ihren jeweiligen Kandidaten zu machen. "Bin gespannt, ob Frau Merkel mal mit eigener Meinung aufwartet, oder wieder mit Guttenberg-Methode SPD Plagiate anbietet", twitterte SPD-Parteivorstand Ralf Stegner. "Heute kann Merkel nicht mehr vor Wahlkampf kneifen. Unser Land muss gerechter werden: Mindestlohn, Mietpreisbremse, anständige Renten". Bundesumweltminister Altmaier gab sich erwartungsfroh: "Wir freuen uns auf einen sachlichen & fairen Austausch von Argumenten, mit dem wir Wähler überzeugen!" Auch die anderen Parteien mischten in den sozialen Medien kräftig mit. "Merkel sollte im Fernsehduell mit Steinbrück der Bevölkerung endlich die Wahrheit sagen: Der Schuldenschnitt für Griechenland wird kommen", twitterte etwa der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi.

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