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DIW-Studie Zuwanderer sind gut ausgebildet, wollen aber nur selten bleiben

Rechtspopulistische Parteien hetzen gegen Migranten – Unternehmen suchen Fachkräfte im Ausland. Hilft uns Migration oder nicht? Und wie geht es den Migranten hierzulande? Diese Fragen beantwortet eine Studie.

Die Hände einer Afrikanerin liegen auf der Einbürgerungsurkunde der Bundesrepublik Deutschland. Quelle: dpa

Die AfD machte während der vergangenen Wahlkämpfe von sich sprechen, indem sie forderte: „Zuwanderung braucht klare Regeln!“ Sie sei in Anbetracht unserer demographischen Entwicklung von Nöten – aber nicht jeder sei willkommen. So sollten Migranten, die ihr Leben in Deutschland nicht allein finanzieren könnten, abgeschoben werden. Überhaupt: Die deutschen Sozialsysteme nur den Deutschen.

Auch die CSU führte eine ähnlich populistische Kampagne gegen „Armutszuwanderung“ – ohne dabei die Fakten zu beachten. Die haben das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), Nürnberg und Sozioökonomische Panel (SOEP) sowie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beleuchtet und die Ergebnisse am Freitag in Berlin vorgestellt.

Die Studie

Untersucht haben sie den Migrations- und Bildungshintergrund, die Erwerbsbiografien, die Lebenszufriedenheit und die Diskriminierungserfahrungen der Migranten in Deutschland. Mit Armutszuwanderung und dem vermeintlichen Überfall auf unsere Sozialsysteme haben die Ergebnisse wenig zu tun. Auch wenn das auf den ersten Blick anders aussieht.

Zuwanderung ist ein Mittel gegen die Finanzkrise

So sei nur ein Fünftel der Zuwanderer gekommen, um Arbeit zu suchen, eine bereits zugesagte Stelle anzunehmen oder eine Ausbildung zu absolvieren. Der große Rest: Familiennachzügler, Spätaussiedler, Asylbewerber oder Flüchtlinge. Allerdings integrierten sich auch diese Zuwanderer zu einem Großteil in den hiesigen Arbeitsmarkt.

Es gab bisher keinen sichtbaren Missbrauch der europäischen Sozialsysteme, schreiben die IZA-Autoren Corrado Giulietti und Jackline Wahba. So seien die meisten Migranten gekommen „um zu arbeiten, und nicht, um Leistungen zu beanspruchen.“

Das sind die Expat-Hochburgen der Welt
Glasklares Wetter, ein schneeweißer Sandstrand, Palmen und immer Sonnenschein: Wer die Zelte daheim abbricht, will vermutlich in einer solcher Traumkulisse leben. Doch damit hat die Realität nicht viel gemeinsam. Viel öfter ist ein neuer Job der Anlass zum Umzug in die Ferne, wie eine Erhebung des Expat-Netzwerkes Internations ergab, das weltweit knapp 1,1 Millionen Mitglieder in verschiedenen Expat-Communities hat. Demnach werden die meisten temporären Auswanderer, die aus Jobgründen umziehen, von ihren Firmen entsandt und arbeiten in der Technologie- und IT-Sparte (12 Prozent), in der Finanzbranche (10 Prozent) oder im Bildungsbereich (9 Prozent). Quelle: dpa
35 Prozent der Auswanderer insgesamt ziehen in ein anderes Land, um in ihrer Karriere voranzukommen. Die Expats, von denen etwa Dreiviertel im Privatsektor arbeiten, machen damit allerdings selten einen endgültigen Schritt, sondern bleiben nur für eine begrenzte Zeit im Ausland. Ihre Zahl wächst stetig: Waren es 2005 noch 136 Millionen weltweit, sind es mittlerweile mehr als 200 Millionen. Weltweit gab es laut dem Migrationsreport der UN „Trends in international Migrant Stock“ 2013 Wanderungsbewegungen von 231,52 Millionen Personen und auch dieser Report bestätigt, dass jobbedingte Umzüge immer relevanter werden. Denn 135,58 Millionen Migrationsbewegungen einzelner Personen entfielen auf die entwickelte Welt, also Industrienationen. Dabei wird deutlich, wie beliebt die Gesellschaften innerhalb Europas als Arbeitsstandort sind: Obwohl die Region nur relativ geringe Anteile an der Weltbevölkerung beheimatet, findet fast ein Drittel der weltweiten Wanderbewegungen nach Europa statt, nämlich laut UN durch 72,45 Millionen Personen. Das ist sogar mehr, als die USA mit  53,094 Millionen zu verzeichnen haben. Strandkulisse gibt es in den Top 5 der Expat-Städte weltweiter aber nur selten... Quelle: obs
Platz 4: ParisFrankreichs Stadt der Liebe gehört zu den eindrucksvollsten, aber auch teuersten der Welt. Trotzdem kommen jedes Jahr neue Arbeitskräfte in die für ihr charmantes Flair bekannte Stadt. Nach Angaben des Netzwerks für Expats „ Inter Nations“ leben rund 25.000 Menschen der Arbeit wegen für eine begrenzte Zeit in der Mode-Stadt. Frankreich ist laut dem UN-Migrationsreport 2013 das westeuropäische Land mit den zweitmeisten Zuwanderern mit 7, 43 Millionen Immigranten. Quelle: AP
Platz 4: SingapurBaden mit Ausblick auf eine der imposantesten Skylines der Welt: Singapur ist nicht nur bei Touristen beliebt und zählt so viele Expats wie Paris. Alle internationalen Spitzenunternehmen sind in Singapur vertreten, der Finanzdienstleistungssektor boomt. Der südostasiatische Stadtstaat sorgt mit seiner wachsenden Wirtschaft für einen stetigen Zuzug von ausländischen Fachkräften. Dementsprechend groß ist die Expat-Gemeinde. Die Organisation „Inter Nations“ zählt 25.000 Menschen, die mindestens für einige Wochen in Singapur arbeiten. Laut einer Erhebung von HSBC zieht Singapur die wohlhabendsten Expats unter allen Auswanderungslocations an. Im südostasiatischen Raum belegt der Stadtstaat laut UN gemessen an seiner kleinen Größe einen führenden Platz bei den Zuwandererzahlen, demnach wanderten 2013 etwa 2, 32 Millionen Personen hier ein, nur nach Malaysia mit 2,46 Millionen Zuwanderern und Thailand mit 3,72 Millionen Migranten kamen mehr Personen. Das Portal Singapor Expats schätzt, dass etwa 36 Prozent der 5,31 Millionen Einwohner der Stadt Ausländer sind. Die nationale Statistikbehörde geht sogar davon aus, dass nur 531.200 Personen permanente Einwohner Singapurs sind und der Rest der Einwohnerstruktur großer Fluktuation unterliegt. Quelle: Handelsblatt Online
Platz 3: MünchenMediterranes Flair an der Isar: München gehört laut einer Studie der US-amerikanischen Unternehmensberatung „Mercer“ zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Dementsprechend beliebt ist die Stadt bei ausländischen Fachkräften. Das Online-Portal „Inter Nations“ erfasste rund 33.000 Ausländer, die in der bayrischen Landeshauptstadt mindestens für eine begrenzte Zeit arbeiten. Auch insgesamt ist Deutschland beliebt und lockte insgesamt laut UN 2013 9,84 Millionen Personen ins Land. Quelle: Handelsblatt Online
Platz 2: DubaiDie „Jumeira Palm Island“ soll in Zukunft nicht nur von Scheichs bewohnt werden. In Dubai steigt die Zahl der zugezogenen Fachkräfte rasant, die Wirtschaft wächst weiter regelmäßig um fünf Prozent. Kein Wunder, dass Dubai mittlerweile ein begehrtes Ziel vieler Menschen aus dem Ausland ist. Das Expat-Netzwerk „Inter Nations“ zählte rund 35.000 in dem arabischen Emirat. Die Vereinigten Arabischen Emirate, innerhalb derer Dubai die zweitgrößte Metropole stellt, verzeichneten laut UN 2013 insgesamt eine Zuwanderung von 7.826 981 Personen. Quelle: AP
Platz 1: LondonDie Business-Metropole London bietet gut bezahlte Jobs, ein hohes Maß an Lebensqualität und eine der größten Expat-Communities der Welt. Teure Mieten und eine relativ hohe Kriminalitätsrate sind die Kehrseite der Medaille. Trotzdem ist die englische Hauptstadt auf Platz nach dem Inter Nations-Ranking die beliebteste Stadt bei Fachkräften aus dem Ausland. Mit 41.000 Zugezogenen zählte das Portal in London die meisten seiner Nutzer in einer Stadt. Laut dem Labour Force Survey des Vereinigten Königreiches leben insgesamt knapp 1,35 Millionen Berufstätige in der Metropole, die keine gebürtigen Briten sind – wobei viele von ihnen schon lange dort leben dürften und somit nicht mehr als Expats gelten können. Großbritannien ist innerhalb von Nordeuropa tatsächlich auch das Land mit den meisten Zuwanderern, 2013 waren es laut UN 7.824.131 Personen. Laut der Nationalen Statistikbehörde kamen allein von Januar bis September 2013 65.000 EU-Bürger nach Großbritannien, um dort zu arbeiten. Quelle: REUTERS

Martin Kahanec, Professor an der Central European University in Budapest, weist darauf hin, dass die erhöhte Migration nicht nur ein Ergebnis der Finanz- und Wirtschaftskrise sei, sondern auch ein probates Gegenmittel. Die Migration sorge für eine bessere Verteilung von Arbeitskräften auf die Arbeitsplätze innerhalb Europas und so für „ein höheres Innovationspotenzial, bessere Nutzung von Ressourcen und damit für höhere Produktivität.“

Auch ein zentraler Standortnachteil Europas gegenüber den USA sei durch die großen Migrationswellen im Rahmen der Krise obsolet geworden: Die hohe Mobilität.

So hätte sich laut Studie seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa die Zahl derer, die nach Deutschland kamen, vorher aber bereits aus ihrem Heimatland in andere Länder migrierten, verdoppelt.

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