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Dreikönigstreffen der FDP Diskussion um „Altherren“-Bilder der Tagesschau

Ist ein Kameraschwenk über die Beine von FDP-Frau Katja Suding sexistisch? Nachdem sich Tagesschau-Chef Kai Gniffke für die Bilder entschuldigt hat, die im TV zu sehen waren, ist darüber jetzt eine Diskussion entbrannt.

Erst werden die Beine von Katja Suding abgefilmt, dann erst ihr Gesicht: Ein Kameraschwenk, der hier in einem Screenshot der Tagesschau zu sehen ist, sorgt für Diskussionen.

Dienstagabend, acht Uhr. Die Tagesschau berichtet über die bundesweiten Anti-Pegida-Demonstrationen und das Dreikönigstreffen der FDP. Alles ganz normal eigentlich. Bis Minute fünf: Da macht die Kamera einen kurzen Schwenk über die Beine der FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding, die gemeinsam mit Parteikollegen im elegant-kurzen, schwarzen Rock auf der Bühne sitzt.

Es sind schöne Beine, die die Kamera da einfängt, keine Frage, aber in der Redaktionsrunde nach der Sendung muss es trotzdem ordentlich gekracht haben.

Normalerweise spreche man da vor allem über die Illustrationen oder die Machart der Reporterberichte. „Heute aber kreiste die Diskussion die meiste Zeit um eine einzige Einstellung im Film: der Kameraschwenk über Katja Sudings Beine“, schreibt Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell und damit von Tagesschau und Tagesthemen in seinem Blog.

„Es ist einer dieser Schwenks, die wir in den 80er und frühen 90 Jahren noch gesehen haben und der gerne mal die Vorlage für Altherrensprüche lieferte“, so Gniffke. „Die Kamera vollzieht den männlichen Blick nach, den Frauen alles andere als schätzen, weil er den Körper von Kopf bis Fuß (hier umgekehrt) taxiert.“

Und Gniffke geht noch weiter: Er nehme an, der Schwenk sei von „einem Menschen aus der Schule und der Geisteshaltung vergangener Jahrzehnte“ produziert worden, der diese Darstellung „besonders apart“ gefunden hätte. „In jedem Fall aber, und dies ist mein selbstkritisches Fazit, hätten wir diese Einstellung in dem Beitrag beanstanden und austauschen sollen“, schreibt der Tagesschau-Chef und entschuldigt sich öffentlich bei Katja Suding.


Katja Suding: Schwenk war „unangemessen“

In den sozialen Netzwerken entbrannte über den „Altherren“-Schwenk eine Diskussion. Es geht um die Frage: Ist der Kameraschwenk tatsächlich sexistisch? Oder zeigt hier einfach eine Frau, was sie hat, und das wiederum zeigt dann die Tagesschau?

„Wenn sie nicht gewollt hätte, dass ihre Beine im TV zu sehen sind, dann hätte ich mir zu einer solchen Veranstaltung keinen kurzen Rock angezogen. Sie weiß schon sehr genau, wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentieren muss. Und damit ist es auch völlig in Ordnung, dass es gezeigt wird“, schreibt eine Kommentatorin bei Facebook.

Eine andere fragt: „Hübsche Beine einer Frau zu zeigen ist ja an sich nicht verwerflich, aber was würde man im Gegenzug von einem Mann zeigen?

Ein Kommentator vermutet, das Ganze sei inszeniert: „War doch ein geschickter Gag, um diese unbekannte Dame bekannter zu machen. Ein Kameraschwenk, ein ‚Aufschrei‘ der produzierenden Anstalt und dazu eine Pressemeldung/Entschuldigung. Fertig ist die pressewirksame Empörungsvorlage. Jetzt muss man die einfach nur noch auf einen Stammtisch wie diesen hier legen und fertig ist die öffentliche Wahrnehmung. Ganz ohne Werbekampagne. Und das auch noch zufällig zum (zehnten) Neustart der Partei.“

Bei Twitter fragt eine Nutzerin hingegen empört, welchen Nachrichtenwert die nackten Beine von Katja Suding hätten. Und unter dem Blog-Eintrag von Kai Gniffke mutmaßt ein User, dass es in Wirklichkeit doch gar nicht um Frau Suding gehe. „Es geht hier doch um das, was Sie oder Ihre Mitarbeiter für Feminismus halten – und das schließt offenkundig nicht mit ein, dass eine Frau ihre Attraktivität für sich nutzt. Eine schöne Erscheinung dürfte man sonst doch in ihrer Gänze darstellen.“

Katja Suding selbst, die sich mit ihrem Plakat „Unser Mann für Hamburg“ positioniert hat, findet den Kameraschwenk „unangemessen“. Im Jahr 2015 müsse so etwas nicht mehr sein, sagte die Politikerin auf Nachfrage von Handelsblatt Online. Selbstverständlich nehme sie die Entschuldigung der Tagesschau aber an.

 

 

 

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