EEG-Umlage Energiegutachter der Bundesregierung: EEG-Umlage wird "ohne Reform weiter rasch wachsen"

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Der Chef der Expertenkommission, die im Auftrag der Bundesregierung die Energiewende begutachtet, fordert eine grundlegende Änderung der Förderung Erneuerbarer Energien.

Das sind die Fallen beim Billigstrom
Verbraucher wollen keine StromdiscounterWie das Magazin Spiegel berichtet, haben Verbraucher spätestens seit der Pleite von Flexstrom die Nase voll von Billigstromanbietern. Laut einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens YouGov, die der Spiegel zitiert, können sihc nur noch 18 Prozent der Deutschen vorstellen, ihren Strom beim Billiganbieter zu beziehen. 71 Prozent lehnten Billigstrom ab. Quelle: dpa
StrompreisvergleicheGerade mit ihrer Preispolitik verscherzen es sich die Anbieter bei den Kunden. Billig und guter Service passen nämlich in vielen Fällen nicht zusammen. Um am hart umkämpften Strommarkt teilnehmen zu können, müssen die Anbieter wahlweise ein spezielles Nischenprodukt bieten oder eben spottbillig sein. Gerade bei Vergleichsrechnern im Netz zählt letzteres, hier können die Billiganbieter punkten. Allerdings sind viele Stromdiscounter nur im ersten Jahr wirklich günstig - die Lockangebote finden sich dann in den Vergleichsportalen. Die Unternehmen setzen darauf, dass die Kunden zu bequem sind, den Tarif zu wechseln, wenn es dann im zweiten Jahr richtig teuer wird. Verbraucherschützer empfehlen deshalb, nicht nur auf den Preis im Netz zu achten, sondern sich auch das Kleingedruckte auf der Website des vermeintlich günstigsten Anbieters durchzulesen. Quelle: dpa
VorauszahlungenViele Anbieter, wie auch die beiden insolventen Unternehmen Teldafax und Flexstrom, verlangen von ihren Kunden Geld im Voraus. Verbraucherschützer warnen vor solchen Vorkasse-Modellen, gerade, wenn für ein ganzes Jahr im Voraus bezahlt werden soll. Geht das Unternehmen Pleite, ist das Geld weg und der Kunde sieht keine Leistung dafür, sprich: bekommt keinen Strom. Quelle: dpa
BonuszahlungenEin anderer, weit verbreiteter Trick sind Bonuszahlungen, mit denen Kunden geködert werden. Diese Extras für Neukunden gibt es meist nur im ersten Jahr. wer nach zwölf Monaten aus seinem Vertrag aussteigen und den Anbieter wechseln will, muss mitunter gerichtlich um die Auszahlung seiner Boni kämpfen. Auch der Billiganbieter Flexstrom hatte die Auszahlung der Boni immer wieder verweigert. Quelle: dpa
GuthabenAuch wegen der Auszahlung von Guthaben ging es in der Vergangenheit häufig vor Gericht beziehungsweise vor die Schlichtungsstelle für Energie. Wer mehr Geld bezahlt hat, als er an Strom verbraucht hat, müsste das Guthaben unverzüglich ausgezahlt bekommen. Stattdessen nutzen es Billiganbieter gerne, um sich ein kleines Finanzpolster anzulegen, heißt es seitens der Verbraucherzentralen. Statt die Summe zurückzuzahlen, verrechnen einige Anbieter das Guthaben mit den nächsten Abschlagszahlungen: Der Kunde muss also so lange nicht mehr für Strom zahlen, bis sein Guthaben aufgebraucht ist. Quelle: AP
KautionenEine Kaution mag bei der Anmietung einer Immobilie sinnvoll sein, beim Abschluss eines Vertrages mit einem Stromanbieter ist sie es nicht. Viele Billigstromanbieter setzen jedoch auf diese zusätzliche Gebühr. Zwar gibt es sie bei Vertragsende zurück, einen nutzen hat der Kunde davon allerdings nicht. Quelle: dpa
PaketangebotePaketpreise mögen bei Vertragsabschluss verlockend klingen. Sie lohnen sich allerdings nur für Kunden, die ihren Stromverbrauch wirklich sehr genau kennen. Wer weniger Strom verbraucht, als im Paket enthalten, zahlt nämlich trotzdem den vereinbarten Preis, er legt also drauf. Verbraucht er mehr Energie, werden die zusätzlich verbrauchten Kilowattstunden richtig teuer. Quelle: dpa

„Die Kosten des Ausbaus werden ohne Reform weiter rasch wachsen und somit auch die EEG-Umlage“, sagte der Umweltökonom Andreas Löschel, Professor am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Noch sei die Lage erträglich. „Insgesamt geben wir in Deutschland für Strom vergleichbar viel aus wie vor 20 Jahren, nämlich etwa zweieinhalb Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Aber die Kosten für Strom steigen stark.“ Eine überzeugende Lösung stehe noch aus. „Es gibt noch kein wirkungsvolles Instrument, den Ausbau der erneuerbaren Energien sinnvoll zu steuern und effizienter zu fördern. Die Ausnahmen für die Industrie zu streichen löst allein noch kein Problem.“

Eine besondere Gefahr sieht Löschel in dem Bemühen vieler Betriebe, selbst Strom - meist aus Sonnenenergie - zu produzieren, um die staatlichen Abgaben und Umlagen zu vermeiden. „Wenn immer mehr Unternehmen ihren eigenen Strom produzieren, treibt das zwar die Energiewende an.“ Andererseits werde der Kreis der Zahlungspflichtigen immer kleiner – und die Last für die Verbliebenen größer. Der Wirtschaftsprofessor hält es deshalb für „denkbar“, dass sich die Eigenproduzenten ebenfalls „an einer EEG-Umlage beteiligen müssen“.

Auch müssten sie sich an den Kosten der Leitungen beteiligen, da sie in Notzeiten auch die öffentliche Versorgung in Anspruch nehmen wollen. „Deshalb sollte man künftig von ihnen einen Pauschalbeitrag fürs Stromnetz verlangen“, fordert Regierungsberater Löschel.

Eine schnelle und eine grundlegende Reform verlangt auch Thomas Bareiß, energiepolitischer Koordinator der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, von der künftigen Bundesregierung. „Wir müssen jetzt schnell handeln“, sagte Bareiß. „Wir brauchen einen Zwei-Stufen-Plan mit Sofortmaßnahmen und einer grundlegenden Reform.“ Den weiteren Anstieg bremsen könnte seiner Meinung nach ein „Deckel bei der Solarenergie, damit der Zubau etwas langsamer vorangeht“. Eine Reduzierung der Ausnahmen für die Unternehmen lehnt der Wirtschaftspolitiker ab: „Wir haben die von der Umlage befreite Strommenge in der letzten Legislaturperiode nur um zehn Prozent ausgeweitet. Für die einzelnen Unternehmen ist das eine große Erleichterung, aber in der Summe macht das nicht viel aus.“ Auch die von der SPD favorisierte Senkung der Stromsteuer brächte langfristig nichts. „Das ist ein Einmaleffekt, und das Geld fehlt dann an anderer Stelle.“

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