EEG-Umlage Neue Preissteigerung droht schon

Die EEG-Umlage steigt auf einen neuen Rekord von 5,27 Cent pro Kilowattstunde. Doch damit nicht genug. 2013 könnte die Rekordmarke erneut übertroffen werden - pünktlich zur Bundestagswahl.

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Von ihren Kollegen im Bundeskabinett unterscheidet die Minister Peter Altmaier (Umwelt, CDU) und Philipp Rösler (Wirtschaft, FDP) die ganz direkte Demokratie. Sie können die Folgen ihrer Politik selbst ablesen – auf der Stromrechnung. Da kommt auf beide jetzt Böses zu.

Wie jeder durchschnittliche Singlehaushalt muss Altmaier im kommenden Jahr knapp 36 Euro mehr einplanen als 2012. Rösler kann für seinen Vierpersonenhaushalt in Hannover sogar 90 Euro extra kalkulieren. Der Grund: Die EEG-Umlage steigt von derzeit 3,59 Cent auf den neuen Rekord von 5,277 Cent pro Kilowattstunde.

Der Anstieg um fast die Hälfte ist der größte Kostentreiber auf der Stromrechnung deutscher Haushalte. Denn auf die Elektro-Umverteilungsgebühr kommt auch noch 19 Prozent Mehrwertsteuer drauf – genau ein weiterer Cent.

Wo der Staat beim Strompreis kassiert

Die Verbraucherschützer laufen Sturm. „Um die Stromkunden zu entlasten, sollte die Regierung die Mehrwertsteuer auf die Umlage erlassen“, verlangt Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Das wären knapp vier Milliarden Euro. Und es wäre einfacher, als das ganze EEG umzubauen.“

So funktioniert die Umlage

Etwa 2000 Unternehmen sind von der Umlage befreit

Weitgehend befreit von der EEG-Umlage sind energieintensive Betriebe. „Da wir ein Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs haben, müssten wir bei einem Gesamtvolumen für die Erneuerbaren von 20 Milliarden Euro 200 Millionen Euro Umlage zahlen“, sagt Heinz-Peter Schlüter, Inhaber und Aufsichtsratsvorsitzender der Trimet Aluminium – bei 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Tatsächlich zahlt Trimet drei Millionen Euro. „Wir werden nie den vollen Betrag zahlen – entweder weil wir von der Umlage entlastet sind oder weil es unser Unternehmen sonst nicht mehr gäbe.“

In Arbeit
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Mit ein Grund für den Anstieg ist, dass die schwarz-gelbe Koalition die Zahl der Ausnahmen deutlich erhöht hat. Waren 2011 noch 813 Unternehmen weitgehend befreit, ist die Zahl der Anträge nun auf rund 2000 hochgeschnellt. Nach Angaben des Wirtschaftsministers machten aber selbst die dicken Brocken vergangenes Jahr nur 0,6 Cent pro Kilowattstunde aus.

Der rasante Anstieg dürfte weitergehen. Denn bei der EEG-Novelle im Sommer führte der Gesetzgeber eine Obergrenze ein, ab der es keine weitere Förderung für neue Solarpanele geben wird: 52 Gigawatt. Ende August waren 30 Gigawatt in Deutschland installiert, bereits wieder über fünf Gigawatt mehr als Ende 2011. Für jeden Häusle- und Ackerbesitzer ist der Deckel der Startschuss zum Windhundrennen: Nur wer schnell baut, kann sicher sein, die auf 20 Jahre garantierte Vergütung – und damit eine sichere Rendite – einzuheimsen.

Im nächsten Oktober präsentieren die Übertragungsnetzbetreiber die nächste Quittung – vielleicht sogar vor der Bundestagswahl.

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