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Eier-Produktion Minister Schmidt will die Tötung von männlichen Küken beenden

Rund 45 Millionen Küken werden hierzulande pro Jahr vergast oder geschreddert – weil sie das falsche Geschlecht haben. Die Geschlechtsbestimmung soll künftig bereits im Ei-Stadium erfolgen.

Frisch geschlüpfte Küken Quelle: dpa

Fast 13 Milliarden Eier produzieren die deutschen Legehennen jedes Jahr. Dafür sind 43 Millionen Hühner im Einsatz, die eine Legeleistung von je 292 Eier im Jahr schaffen. Doch die Leistung lässt schnell nach, jedes Jahr kommen 44 Millionen Hennen neu dazu und ersetzen die alten. Soweit die leicht verdaulichen Fakten. Weniger appetitlich ist dagegen die Tatsache, dass dabei genauso viele Küken nur wenige Stunden alt werden, weil die Brutstationen sie wegen ihres Geschlechts aussortieren. Da männliche Tiere keine Eier legen – und damit für die Betriebe nutzlos sind -, werden sie geschreddert oder vergast. Damit soll demnächst Schluss sein. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will nach Ostern einen entsprechenden Plan  vorlegen.

Die Maßnahmen sollen aber erst ab dem Jahr 2017 greifen, wenn es entsprechende Geräte zur Frühbestimmung des Geschlechts schon im Eistadium gibt. „Wir sind jetzt so weit zu sagen, es funktioniert“, sagte Landwirtschaftsminister Schmidt beim Besuch eines Labors an der Universität Leipzig. Das Verbundforschungsprojekt zur spektroskopischen Geschlechtsbestimmung im Hühnerei an den Universitäten Leipzig und Dresden ist inzwischen offenbar so weit fortgeschritten, dass im nächstem Jahr die Entwicklung von praxistauglichen Messgeräten möglich ist.

Alternative Ernährungsformen

Ein sofortiges Verbot der Kükentötung lehnt Schmidt ab. „Ein Verbot ohne Alternative würde die Kükentötung lediglich ins Ausland verlagern.“ Allerdings müssen die Verbraucher dann mit Mehrkosten von ein bis zwei Cent je Ei rechnen. Eine weitere Herausforderung ist, dass derzeit im Labor die  spektroskopische Geschlechtsbestimmung 15 bis 20 Sekunden dauert. Im Massenbetrieb der Eierwirtschaft ist das eine kleine Ewigkeit. Angestrebt werden nun Analysezeiten von weniger als 10 Sekunden.

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Die spektroskopische Methode macht sich die unterschiedliche Größe der Geschlechtschromosomen von männlichen und weiblichen Hühnern zunutze. Nach dreitägiger Bebrütung entwickeln sich kleine Blutgefäße, die sich für eine Geschlechtsdiagnose nutzen lassen. Eingesetzt wird die so genannte Ramanspektroskopie im nahinfraroten Wellenlängenbereich, deren Vorteil unter anderem in einer kontaktlose Untersuchung liegt. Dadurch entfällt auch die Reinigung und Desinfektion bzw. der Ersatz von Geräten oder Geräteteilen nach jeder Ei-Messung. Fraglich ist jedoch, ob andere Länder nachziehen.

Wegen der Cent-Bruchteile, die über die Rentabilität in der Eierwirtschaft entscheiden, könnte es zu Produktionsverlagerungen ins Ausland kommen. Schließlich liegt der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Eiern derzeit bei unter 75 Prozent, zusätzliche Produktionsauflagen könnten diesen Wert drücken.

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