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Einblick Geht doch, gibt's nicht

Das plötzliche Überangebot auf dem Gasmarkt zeigt: Energieversorgung kann nach den Regeln der Marktwirtschaft funktionieren. In Deutschland herrscht dagegen immer mehr Planwirtschaft.

Mit einem Streichholz wird die Flamme eines Gasherdes entzündet Quelle: dpa/dpaweb

Das System funktioniert, mit fast kindlich-einfacher Präzision: Seit es in den USA gelingt, im großen Stil Gas aus Gesteinsschichten herauszulösen, lässt das Überangebot die Angst vor steigenden Preisen verpuffen, verdrängt Importe. Die Lieferanten aus Arabien schicken ihre Schiffe nun nach Asien und Europa. Auch hier sacken die Notierungen weg, der Schock knackt sogar alte Knebelverträge: Die deutschen Gasverteiler können die Konditionen ihrer langfristigen Liefervereinbarungen bei ihren russischen Förderern nachverhandeln. Sogar die alte Ölpreisbindung wackelt. Mit zeitlicher Verzögerung wird der Preisverfall auch beim Verbraucher ankommen.

Die „Shale Gas Revolution“, wie der Boom beim Schiefergas in den USA patriotischbombastisch heißt, zeigt: Energieversorgung kann doch nach Regeln des Marktes funktionieren und muss gar keine Planwirtschaft sein. Was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht, ist bei uns unerwünscht. Das Land der Ingenieure ist eben auch das Land der Sozialingenieure, die Wirtschaft und Gesellschaft am Reißbrett konstruieren wollen. Für die deutsche Politik heißt das: Geht doch, gibt’s nicht!

Gasversorger: Preisspiegel für alle Bundesländer

Deutschland tut alles, damit möglichst wenig Markt herrscht, wenn die Wohnung warm, das Büro hell und die Maschine in Betrieb sein soll. Der sinkende Gaspreis wird hierzulande nur wenig bewirken. Beim Neubau ist mancherorts eine Thermosolaranlage Pflicht, auch wenn eine andere Heizung effizienter wäre.

Die teuerste Form der Elektrizitätsgewinnung – die Fotovoltaik – fördert der Staat am heftigsten – und lässt die Stromkunden dafür zahlen. Sinkt die Nachfrage nach CO2-Verschmutzungsrechten, weil die Konjunktur lahmt, soll der Staat sie künstlich verknappen. Dass Industrieunternehmen, die hierzulande Arbeitsplätze bieten, aber auch viel Energie brauchen, noch eine Weile ausgenommen sind vom Ausgenommenwerden, gilt bereits als Subvention, derer sich die Betreiber von Aluhütten und Zementfabriken wenigstens zu schämen haben.

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