Einbruch-Schutz "Autos sind besser gesichert als Wohnungen"

Die Zahl der Einbrüche ist im vergangenen Jahr erneut stark angestiegen. Die Jagd nach den Einbrechern bleibt oft erfolglos. Experten bemängeln den fehlenden Schutz der eigenen vier Wände.

Das sind die Geheimcodes der Einbrecher
Am Fensterbrett, der Türklingel oder der Hauswand: Einbrecher, Betrüger oder Bettler benutzen gerade in Städten mit hohen Wohnungseinbruchzahlen häufig diese Art der Kommunikation. So teilen Diebesbanden ihresgleichen mit, wo etwa nichts zu holen ist, wo ein bissiger Hund das Grundstück bewacht oder wo nur Frauen im Haus sind. In den vergangenen Monaten werden vermehrt diese aus dem 12. Jahrhundert stammenden „Gaunerzinken“ in deutschen Städten, etwa Berlin entdeckt, teilt die Deutsche Polizeigewerkschaft mit. Quelle: dpa
„Hier gibt es Geld“ Quelle: Handelsblatt
„Achtung, bissiger Hund“ Quelle: Handelsblatt
„Abhauen“ Quelle: Handelsblatt
„Leute rufen Polizei“ Quelle: Handelsblatt
„Nur Männer im Haus“ Quelle: Handelsblatt
„Gefährlich; Hände weg“ Quelle: Handelsblatt

Weniger als 30 Sekunden braucht ein Einbrecher, um eine unverschlossene Wohnungstür zu öffnen. Ein einfaches Fenster lässt sich der Polizei zufolge noch schneller aufhebeln. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist seit 2008 kontinuierlich gestiegen - auch im zurückliegenden Jahr, wie die „Welt“ nun berichtet. Von 2014 auf 2015 sei die Zahl der erfassten Einbrüche um fast zehn Prozent auf 167 136 Fälle gewachsen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die neue Kriminalstatistik, die im Mai offiziell vorgestellt werden soll. Ermittlern und Politikern bereitet der Trend seit langem Sorgen.

Wohnungen und Häuser sind schlecht gesichert, die Täter können auch deshalb gezielt zuschlagen, meinen Kriminologen. „Autos sind heutzutage viel besser gesichert als Wohnungen. In jedem Haushalt gibt es viele kleine, hochwertige technische Geräte wie Smartphones und Laptops - das lohnt sich für die Einbrecher“, sagt die Soziologin Gina Wollinger vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), das zum Thema Einbruchsdiebstahl forscht.

Einfamilienhäuser und Erdgeschosswohnungen sind am stärksten gefährdet, wie eine Untersuchung des KFN zeigt. Überdurchschnittlich hoch war der „Welt“ zufolge die Zunahme der Wohnungseinbrüche in Hamburg (plus 20,2 Prozent), in Nordrhein-Westfalen (plus 18,1 Prozent) und in Niedersachsen (plus 13,1 Prozent). Bundesweit stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche seit 2005 um mehr als 50 Prozent - durchschnittlich geschehe alle drei Minuten ein Einbruch, rechnet die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor.

Wie Sie Ihr Haus richtig sichern
Schwachstelle FensterBei Einfamilienhäusern kommen die Täter besonders häufig durch Fenster und Balkontüren. Sie lassen sich oft schon mit einfachsten Werkzeugen wie einem Schraubenzieher oder auch nur einem kräftigen Tritt öffnen. Bei neuen Fenstern sollte auf die sogenannte Widerstandsklasse geachtet werden - mindestens Klasse 2 nach DIN EN 1627. Fenster mit abschließbaren Fenstergriffen bieten nur eine trügerische Sicherheit. Bei praxisnahen Prüfungen wird sichergestellt, dass diese Fenster weder am Rahmen, noch beim Glas oder dem Beschlag Schwachpunkte haben. Die Einordnung in Widerstandsklassen geht bis Klasse 6, wobei 2 und 3 im privaten Bereich üblicherweise ausreichen. Beim Einbau sollte nicht gespart werden - die einbruchhemmenden Fenster erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie auch fachgerecht verbaut wurden. Lassen Sie sich eine Montagebescheinigung aushändigen. Quellen: Polizei-Beratung, Abus, K-Einbruch Quelle: dpa
Fenster nicht kippenFenster sollten auch bei kurzer Abwesenheit immer verschlossen bleiben. Generell gilt die Regel: Gekippte Fenster sind offene Fenster. Vergitterungen mindern die Gefahr eines Einbruchs. Sie können zum Beispiel an Terrassen- oder Balkontüren angebracht werden, so dass sie zum Lüften auf Kipp gelassen werden können. Quelle: dpa
Rollläden sichernRollläden bieten nur geringen Schutz, meist können sie durch einfaches Hochschieben überwunden werden. Hier sollten Sie in jedem Falle Zusatzsicherungen einbauen lassen, die das Hochschieben von außen verhindern. Geschlossene Rollläden signalisieren außerdem Abwesenheit - daher sollten sie tagsüber nicht runtergelassen werden, rät die Polizei. Quelle: dpa Picture-Alliance
Einbruchhemmende TürenBei Mehrfamilienhäusern kommen die Täter häufiger durch die Eingangstür. Einbruchhemmende Türen, ebenfalls ab Widerstandsklasse 2, bieten einen guten Einbruchschutz. Auch hier sollten Sie auf eine Montagebescheinigung bestehen. Lassen Sie sich nicht überrumpeln: Ein Zusatzschloss mit Sperrbügel verhindert ein Aufstoßen einer spaltbreit geöffneten Tür. Quelle: dpa Picture-Alliance
Sicheres TürschlossEin einfaches Türschloss ist schnell geknackt. Die Polizei empfiehlt einbruchhemmende Schlösser mit besonders geschütztem Profilzylinder. Ein Beschlag mit zusätzlicher Zylinderabdeckung bietet zusätzliche Sicherheit. Doch auch das beste Schloss bringt nichts, wenn das Türblatt zu schwach ist - dann sollte es am besten zusammen mit dem Rahmen durch eine neue einbruchhemmende Tür ersetzt werden. Quelle: dpa
Verlorene Schlüssel nicht einfach ersetzenEin großer Schwachpunkt bei Haustüren sind die Schlüssel. Haben Sie einen Schlüssel verloren, sollten sie sofort den Schließzylinder austauschen. Bei einer Tür mit Glasfenstern sollte man außerdem den Schlüssel nie von innen stecken lassen. Quelle: dpa
Schlüssel nicht versteckenOb hohle Figuren, Steine oder unter Pflanzen - das Verstecken des Schlüssels vor der Haustür ist gefährlich. Einbrecher kennen mittlerweile jedes Versteck, auch wenn es einem selbst noch so kreativ erscheint. Quelle: dpa

Im Jahr 2014 wurden nur etwa 16 Prozent der Wohnungseinbrüche aufgeklärt, wie aus der damaligen Kriminalstatistik hervorging. Die GdP sieht die Jagd nach den Tätern durch fehlendes Personal in den Ermittlungsbehörden erschwert. „Das Einzige, was hilft, ist ein hoher Ermittlungsdruck und eine sichtbare Präsenz der Polizei, vor allem in den Wohngebieten und zu bestimmten Tageszeiten“, sagt der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek.

Aus Sicht von Kriminologen sind Personalmangel und Stellenabbau bei der Polizei jedoch nur bedingt für die geringe Aufklärungsquote verantwortlich. Selten hinterlassen die Einbrecher Spuren, es gibt kaum Anhaltspunkte für die Polizei, sagt Wollinger. Deshalb gehe die Spurenauswertung schleppend voran. „Auf Ergebnisse der DNA-Analysen wartet die Polizei manchmal bis zu einem Jahr. Andere Delikte wie Mord haben Vorrang.“

Für die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) steht fest: „Die Fälle, die aufgeklärt werden, lassen immer häufiger den Schluss zu, dass es sich bei Haus- und Wohnungseinbrüchen um bandenmäßig, organisierte Kriminalität handelt.“ Soziologin Wollinger hält die Gefahr von im Ausland organisierten Verbrechergruppen hingegen für überschätzt. Dem KFN zufolge handelt es sich bei Einbrechern um keine homogene Gruppe. Vielfach wohnten die Täter nur wenige Straßen entfernt, beobachteten ihre Opfer oder auch etwa deren Statusmeldungen in den sozialen Netzwerken. „Wenn jemand öffentlich schreibt, er ist in den nächsten zwei Wochen im Urlaub, kann das natürlich auch Einbrecher anlocken“, sagt Wollinger.

Die wichtigsten Fragen rund um Einbrüche

Kriminologen schlagen vor, per Gesetz eine Einbruchssicherung für jeden Haushalt ähnlich einer Brandschutzverordnung einzuführen. Die Absicherung solle nicht nur auf freiwilliger Basis der Bewohner passieren. „Auch wenn die Menschen sehr unvorsichtig sind, kann die Prävention nicht alleine von der Bevölkerung geschultert werden.“

Dem KFN zufolge leiden Opfer noch Monate und teilweise Jahre unter den Einbrüchen. Denn die Tat bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre. Beinahe jeder Vierte leide mindestens ein Jahr nach dem Einbruch unter erheblichem Stress. Viele klagen demnach über Angstgefühle und Schlafstörungen. Fast 25 Prozent der Betroffenen würden gerne umziehen, und beinahe 10 Prozent machen das dem KFN zufolge auch.

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