Eine nonverbale Analyse der Elefantenrunde Die Mimik sagt Schwarz-Grün

Am Wahlabend fand wie nach jeder Bundestagswahl traditionsgemäß auf ARD und ZDF die Elefantenrunde mit den Spitzenkandidaten der Bundestagsparteien statt. Was haben Mimik und Körpersprache über die Gefühle der Politiker und mögliche Koalitionen verraten?

Was Gesten über Sie verraten
Ein Mann verschränkt die Hände hinter dem Kopf Quelle: Fotolia.com
Vermutlich Angela Merkel mit verschränkten Händen Quelle: dpa
Eine Frau mit verschränkten Armen Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an den Hals Quelle: Fotolia.com
Eine Hand berührt den Ärmel am Anzug der anderen Hand Quelle: Fotolia.com
Eine Frau zeigt mit "zur Pistole" geformten Fingern auf den Betrachter Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an die Nase Quelle: Fotolia.com

Beginnen wir mit Angela Merkel. So wie es bei dem guten Wahlergebnis zu erwarten ist, war sie deutlich entspannt und wirkte souverän. Sie zeigte viel echt erlebte Freude, erkennbar daran, dass die Augen mitlachen. Ein anderes, sehr zuverlässiges Zeichen, um einzuschätzen, ob ein Mensch gestresst ist oder nicht, ist die Blinzelrate: wie oft blinzelt ein Mensch pro Minute? In einem neutralen Zustand blinzeln wir ca. 10 bis 15 mal pro Minute. Bei Angela Merkel lag die Blinzelrate in den letzten Wochen während der meisten Interviews bei 30 bis 40. Ein Zeichen dafür, wie sehr sie unter Strom stand. Gestern Abend näherte sich die Blinzelrate mit 20 pro Minute wieder dem Normalniveau an und war ein deutliches Indiz dafür, dass sie locker und entspannt war.

Die Selbstsicherheit der Bundeskanzlerin wurde zusätzlich gleich in der ersten Interaktion mit Thomas Baumann, einem der beiden Moderatoren, in ihrer Mimik sichtbar. Thomas Baumann fragte: „Kann es sein, dass es im Prinzip auch eine negative Seite gibt? Es wird schwerer zu regieren. Siegt sich die Union zu Tode?“ Während der Frage zog Angela Merkel die Augenbrauen zusammen. Gleichzeitig spannte sie die unteren Augenlider an und hob den linken Mundwinkel. Insgesamt ein Ausdruck, der eine Mischemotion von Ärger und Geringschätzung darstellt. Solch einen Gesichtsausdruck zeigen wir nur, wenn wir uns überlegen fühlen. Vor allem, wenn er bei einem Menschen wie Angela Merkel auftritt. Ist sie sonst doch eher jemand, der nickt und lächelt, wenn er zuhört.

Angela Merkel während der Berliner Runde am 22.09.2013 Quelle: Screenshot

Schauen wir uns einen weiteren Punkt an: Haben Mimik und Körpersprache Hinweise auf mögliche Koalitionen gegeben? Das war sehr interessant, weil sich, wenn man nur auf die Worte gehört hat, niemand für eine Koalition mit der Union angeboten hat.

Dass Peer Steinbrück keine Lust auf ein Bündnis mit der CDU hat, war sowohl aus seinen Worten als auch aus seiner Mimik und Körpersprache zu erkennen. Da war er absolut kongruent.

Anders sah es bei Jürgen Trittin aus. Als er gefragt wurde, ob er für ein schwarz-grünes Bündnis zu Verfügung stehen würde, antwortete er: „Sie haben eben das Szenario beschrieben, und ich kann niemandem, und meiner Partei schon gar nicht, raten, sich in eine Koalition hineinzubegeben, wo es auf sie nicht ankommt.“ Hier spricht er sich, mit dem was er sagt, deutlich gegen eine Koalition mit der Union aus.

Seine Mimik und Körpersprache haben allerdings während der Elefantenrunde etwas anderes gesagt. Als Angela Merkel zum Beispiel sagt „Vielleicht findet sich ja keiner, der mit uns was machen möchte.“, lächelt er sie verschmitzt an. Anschließend lachen die Bundeskanzlerin und er gemeinsam über diesen Satz.

Jürgen Trittin während der Berliner Runde am 22.09.2013 Quelle: Screenshot

Eine ähnliche Szene gab es später noch einmal: Angela Merkel macht einen Witz und er lacht erneut, wobei seine Mimik darauf hingedeutet hat, dass er den Ausdruck von Freude verstärkt hat, um deutlich zu sagen: „Wir sind auf einer Wellenlänge.“

Jürgen Trittin während der Berliner Runde am 22.09.2013 Quelle: Screenshot

Darüber hinaus hat Jürgen Trittin oft den Blickkontakt zur Kanzlerin gesucht. Alles in allem Zeichen, die Kooperation signalisieren und uns einen Hinweis darauf geben, dass zumindest er in seiner Partei bereit für Koalitionsgespräche wäre. Spannend in diesem Zusammenhang war auch Angela Merkels Halskette. Dieses Mal nicht wie beim TV-Duell in schwarz-rot-gold, sondern in schwarz-grün. Vielleicht mehr als ein Modeaccessoire?

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