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Einheitsbericht Löhne und Wirtschaftskraft im Osten müssen steigen

Löhne und Wirtschaftskraft im Osten müssen steigen Quelle: dpa

Der Osten hole wirtschaftlich auf, schreibt die Regierung in ihrem neuen Einheitsbericht. Dann kommt ein Aber: Es gebe weiter deutliche Unterschiede zwischen Ost und West - „Und die Menschen im Osten spüren das.“

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Trotz Fortschritten beim wirtschaftlichen Aufholprozess in den ostdeutschen Ländern sieht die Bundesregierung nach wie vor deutliche Unterschiede zum Westen. Zwar hätten sich 28 Jahre nach der deutschen Einheit die Lebensverhältnisse im Osten weiter angenähert, heißt es im Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit. Allerdings liege der Osten etwa beim Lohnniveau und der Wirtschaftskraft im Vergleich zum Westen weiter zurück. Außerdem mangele es an Konzernzentralen großer Unternehmen. Noch immer sei eine deutlich geringere Exportorientierung der ostdeutschen Wirtschaft festzustellen.

Der Strukturunterschied zum Westen schlage sich in den ostdeutschen Ländern etwa in geringeren Forschungs- und Innovationsaktivitäten sowie in einer weniger ausgeprägten Internationalisierung nieder, heißt es in dem Bericht. „Niedrigere Produktivität und fehlende Spitzengehälter treten hinzu.“

Das Wachstum der ostdeutschen Wirtschaft lag im vergangenen Jahr mit 1,9 Prozent unter dem in Westdeutschland mit 2,3 Prozent. Auch unterscheide sich nach wie vor die Einkommenssituation der privaten Haushalte in West- und Ostdeutschland. Die Löhne stiegen zwar in Ostdeutschland 2017 mit 3,9 Prozent stärker als im gesamten Bundesgebiet mit 2,3 Prozent. „Die Tariflöhne in Ostdeutschland liegen mittlerweile bei 98 Prozent des Westniveaus“, heißt es in dem Bericht. Das Durchschnittsniveau der tatsächlich gezahlten Löhne - nicht nur der Tariflöhne - blieb allerdings bei nur 82 Prozent des Westniveaus. Auch seien nach wie vor zu wenige große Unternehmen mit ihren Zentralen in Ostdeutschland vertreten.

„Trotz aller Erfolge sehen wir ein hohes Maß an Unzufriedenheit und Sorge“, erklärte der Regierungsbeauftragte für die neuen Länder, Christian Hirte mit Blick auf die Stimmung im Osten. Nötig seien deshalb klare Signale, dass die Politik weiterhin die Entwicklung in Ostdeutschland voranbringen wolle.

Der Anfang der 1990er-Jahre erfolgte, teilweise „dramatische Rückgang“ der Kinderzahl sowie die damals starke Abwanderung vor allem junger, gut qualifizierter Menschen habe langfristige Nachwirkungen, heißt es weiter. Trotz eines Anstiegs der Geburtenrate nehme die Einwohnerzahl, insbesondere die Zahl der Erwerbsfähigen, weiter ab. Die Alterung schreite schneller voran als in den westdeutschen Ländern. „Das beeinflusst die Angleichung der Wirtschaftskraft und der Lebensverhältnisse auf vielfältige Weise.“ Die Bundesregierung wolle weiter daran arbeiten, vorhandene Strukturschwächen im Osten abzubauen.

Die im Vergleich zum Westen Deutschlands ungünstigere Altersstruktur und die in vielen ostdeutschen Gegenden geringere Siedlungsdichte begrenzten bereits heute die Zahl der Fachkräfte. „In etwa zwei Dritteln aller Berufe hat sich die Situation in den letzten fünf Jahren weiter zugespitzt; dies gilt vor allem in Ostdeutschland.“

Der Ostbeauftragte sieht in dem Bericht aber zugleich Fortschritte im Osten. So habe sich der Arbeitsmarkt positiv entwickelt. Bei der Arbeitslosenquote betrug demnach die Differenz zum Westen Anfang der 2000er Jahre noch mehr als 10 Prozentpunkte, 2017 nur noch 2,3 Prozentpunkte. Außerdem heißt es, Ostdeutschland sei vor allem stark bei der Erforschung von Schlüsseltechnologien. Nahezu die Hälfte aller Beschäftigten in Ostdeutschland seien Frauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei im Osten deutlich einfacher möglich.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Hirte, kritisiert, die ostdeutschen Bundesländer würden ausschließlich als Problemfall betrachtet. „Das ist ärgerlich, weil es den Alltag und die Lebenswirklichkeit der Menschen verzerrt widerspiegelt“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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