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Einkommensmobilität Die meisten Söhne verdienen mehr als ihre Väter

Der Einfluss der familiären Herkunft auf das Einkommen ist geringer als oft angenommen. Das legt zumindest eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nahe.

Von der verbreiteten These, die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich immer weiter, hält man beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nichts. „Die Konfrontation mit den Fakten offenbart eine seit einem Jahrzehnt robuste gesellschaftliche Mitte“, sagt IW-Ökonom Maximilian Stockhausen bei der Vorstellung einer Studie über die Einkommensmobilität zwischen Vätern und Söhnen in Deutschland.

Rund 63 Prozent der zwischen 1955 und 1975 in Deutschland geborenen Männer haben ein inflationsbereinigt höheres Arbeitseinkommen als ihre Väter, lautet ein zentrales Ergebnis der IW-Studie. „Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse, dass Deutschland bei den Einkommen deutlich durchlässiger ist als oft behauptet. Das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft hat Bestand“, sagt Stockhausen.

Bei der absoluten Einkommensmobilität steht die Frage im Mittelpunkt, welche realen Einkommensunterschiede es zwischen Eltern und ihren Kindern in vergleichbaren Lebensabschnitten gibt. Besonders deutlich fallen die Ergebnisse am unteren Ende der Einkommensskala aus: Rund 90 Prozent der Söhne von Vätern aus dem niedrigsten Einkommensviertel erreichen ein höheres Einkommen als ihre Väter.

Die relative Mobilität klärt dagegen, inwiefern Kinder im gesellschaftlichen Einkommensgefüge besser oder schlechter dastehen als ihre Eltern. Hier ist das Ergebnis ebenfalls deutlich: Gehört der Vater zum untersten Einkommensviertel, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es der Sohn in ein höheres Einkommensviertel schafft, bei 60 Prozent. Sind die Väter Teil des obersten Einkommensviertels, gelingt es nur 46 Prozent der Söhne, die Position zu halten.

Die Ergebnisse beruhen allerdings auf einer relativ dünnen Basis: Die Forscher haben aus Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) die Einkommenssituation von 309 westdeutschen Vater-Sohn-Paaren in vergleichbaren Lebensabschnitten verglichen. Außerdem: Da Haushaltsbefragungen wie das SOEP, das erst seit 1984 durchgeführt wird, die kompletten Erwerbsbiographien von Vätern und Söhnen nicht erfassen können, wird deren Lebenseinkommen mithilfe eines Einkommensdurchschnitts über zehn und respektive elf Jahre geschätzt.

Betrachtet wurden ausschließlich westdeutsche Männer, um Unvergleichbarkeiten auszuschließen: erstens den Bruch der Erwerbsbiografien in Ostdeutschland und zweitens das im Laufe des 20. Jahrhunderts stark veränderte Erwerbsverhalten von Frauen.

Im internationalen Vergleich ist die intergenerationale Einkommensmobilität mittelmäßig: Der Elastizitätskoeffizient der Einkommen liegt bei 0,319 Prozent – ein Vater „vererbt“ also knapp 32 Prozent seines Einkommensstatus an den Sohn. In skandinavischen Ländern wie Norwegen (0,17) oder Dänemark (0,15) ist die Abhängigkeit deutlich geringer, in den USA (0,47) und Großbritannien (0,5), aber auch in Frankreich (0,41) indes merklich höher.

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