Elektromobilität Bund will Mittel für E-Autos kürzen

Exklusiv

Der Bundesregierung fehlt Geld für die geplante Förderung von Elektroautos. Dem Vorhaben droht ein schwerer Rückschlag.

Ein Mann lädt ein Elektroauto vom Typ E-Smart auf Quelle: dapd

Dem Prestigeprojekt Elektromobilität der Bundesregierung drohen schmerzhafte Einschnitte. Da die Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Zertifikaten nur halb so hoch ausfallen wie ursprünglich kalkuliert, muss der Energie- und Klimafonds stark gekappt werden, der mit den Erlösen aus dem Zertifikateverkauf gefüllt werden sollte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat bereits alle betroffenen Ministerien informiert. Unter der Kürzung leidet besonders die Förderung der Stromer-Offensive, wie aus einer Aufstellung der Ministerien hervorgeht. Ursprünglich waren für dieses und nächstes Jahr rund 970 Millionen Euro für „Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Elektromobilität“ eingeplant, jetzt stehen nur noch etwas mehr als 556 Millionen zur Verfügung.

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse
Renault ZoeMarke: Renault Modell: Renault Zoe Grundpreis (inkl. MwSt): 21.700 (+ 79 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 210 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 135 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt 213 Elektro- oder Hybrid-Modelle von Renault wurden nach einer Studie des CAR Instituts von Ferdinand Dudenhöffer 2012 in Deutschland zugelassen. Bis April 2013 folgten weitere 61. Ab 8. Juni ist der Renault Zoe (Foto) auf dem deutschen Markt zu haben und soll den Absatz ankurbeln. Quelle: Renault
BMW i3Marke: BMW Modell: i3 - ab November 2013 im Handel Grundpreis (inkl. MwSt): etwa 34.950 Euro Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 150 Stromverbrauch (kWh/100km): 12,9 Bisher hatte BWM in punkto Plug-In-Technologie und Elektroantrieb wenig zu bieten. So kommt es auch, dass zwischen Januar und April 2013 nur 23 Fahrzeuge des bayerischen Autobauers in der Zulassungsstatistik auftauchen. Nach einer Hochrechnung des CAR Center Automotive Research könnten es dank des i3 bis zum Jahresende 500 Fahrzeuge sein. BMW spricht bereits von 9000 festen Kaufabsichten und will in den kommenden Jahren rund 50.000 i3 bauen. Foto: Steffen Jahn/BMW Quelle: dpa
Opel AmperaMit dem Ampera legte Opel 2012 ganz schön vor: 828 Zulassungen auf Opel-Modelle mit Elektro-/Hybrid-Antrieb zählten die Zulassungsbehörde. Bis April 2013 wurden aber nur noch 100 Opel-Modelle mit Elektroantrieb neu zugelassen - zum Jahresende könnten es rund 300 sein. Opel scheint sich etwas Neues einfallen lassen zu müssen, will die GM-Tochter vom Elektro-Trend profitieren. Marke: Opel Modell: Ampera Grundpreis (inkl. MwSt): 43.900 Reichweite (in km): reich elektrisch zwischen 40 und 80 Kilometer Höchstgeschwindigkeit (km/h): 160 Stromverbrauch (kWh/100km): 15-20 Quelle: Opel
i-MievDen i-MiEV, ein Elektrofahrzeug auf Basis des in Japan bekannten Mikrocars i, präsentierte Mitsubishi bereits auf der IAA 2007 zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit.   Marke: Mitsubishi Modell: i-Miev Grundpreis (inkl. MwSt): 34.990 Euro Reichweite (in km): 150 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): 13,5 Mit dem iMiev startete Mitsubishi relativ erfolgreich. 2011 wurden insgesamt 683 Elektro-Modelle der Marke in Deutschland zugelassen, doch 2012 ebbte das Interesse merklich ab. Nur noch 96 Neuzulassungen auf Ökomodelle von Mitsubishi weist die Statistik aus. Bis April 2013 kamen 39 dazu. Das CAR-Institut rechnet mit nicht mehr als 126 Modellen bis zum Jahresende. Quelle: Presse
Berlingo First ElectricDer Citroën Berlingo First Electric ist als Firmenwagen für die Stadt konzipiert. Für Handwerker, Pflegedienste oder Lieferanten kann es sich auf Dauer rechnen, Strom statt Benzin zu tanken.   Marke: Citroën Modell: Berlingo First Electric Grundpreis (inkl. MwSt): 50.694 Euro Reichweite (in km): 120 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 110 Stromverbrauch (kWh/100km): 21 Im vergangenen Jahr wurden insgesamt mehr als 454 Citroen-Modelle mit emissionsarmen Antrieben in Deutschland zugelassen. Bis April 2013 weitere 262. Nach der Hochrechnung des CAR-Instituts schaffen die Franzosen die Vorjahresmarke nicht mehr und müssen sich bis Jahresende mit 350 verkauften Stromern zufrieden geben. Quelle: Presse
Peugeot iOnDer Elektroflitzer von Peugeot ist baugleich mit dem Mitsubishi i-Miev und dem Citroen C-Zero. Der Lithium-Ionen-Akku lädt 6 Stunden. Marke: Peugeot Modell: iOn Grundpreis (inkl. MwSt): 29.393 Euro Reichweite (in km): 150 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): 13,5 Der Schwester-Konzern von Citroen wollte die Kundschaft mit dem Elektro-Flitzer iOn für sich gewinnen. In Deutschland ließen sich im vergangenen Jahr 263 Autofahrer von einem emissionsarmen Peugeot-Modell überzeugen. Bis Ende April 2013 nur weitere 27, so dass zum Jahresende wohl nur rund 80 Ökofahrzeuge vom Hof fahren. Quelle: dpa
Tesla RoadsterWer sagt, dass Elektroautos nur was für Öko-Latschen-Träger sind und nicht schnell und sexy sein können? Der Tesla Roadster beweist das Gegenteil. Mit 288 PS kommt er in 3,7 Sekunden von 0 auf 97 Stundenkilometer. Der Lithium-Ionen-Akku ist in 3,5 Stunden voll aufgeladen.   Marke: Tesla Modell: Roadster Grundpreis (inkl. MwSt): 118.00 Euro Reichweite (in km): 340 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 201 Stromverbrauch (kWh/100km): 12,7 Quelle: Presse
Tesla Model S Quelle: Tesla
LeafDer Nissan Leaf erfreute sich bereits vor Marktstart größerer Beliebtheit. In den USA wurden Mitte 2010 innerhalb von neun Tagen ganze 8000 Exemplare vorbestellt.   Marke: Nissan Modell: Leaf Grundpreis (inkl. MwSt): ab 30.000 Euro (Preis sinkt auf 24.000 Euro, wenn Batterie fpr 79 Euro im Monat gemietet wird) Reichweite (in km): max. 200 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 145 Stromverbrauch (kWh/100km): 15 Nissan kann sich als einer der wenigen Autobauer bisher zunehmend erfolgreich im Elektro-Markt behaupten. 2012 zählte das KBA gut 450 Neuzulassungen auf Nissan-Modelle. In den ersten vier Monaten verkauft er sich rund 240 Mal. Zum Jahresende könnten rund 500 Neuzulassungen auf das Konto von Nissan gehen. Quelle: dapd
Volvo C30 ElectricVom C30 des schwedischen Autobauers sollen europaweit nur 250 Exemplare ausgeliefert werden. Das Auto ist nur für drei Jahre zu leasen. Die Batterieladedauer ist mit 8 bis 10 Stunden verhältnismäßig hoch. Marke: Volvo Modell: C30 Grundpreis (inkl. MwSt): 1131 Euro Monatsrate bei drei Jahren Leasing Reichweite (in km): 163 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): 15 Die Schweden, die jetzt zum chinesischen Autokonzern Gheely gehören, haben 2012 gerade einmal 12 Elektromobile in Deutschland verkauft. Dieses Jahr könnten es 20 werden. Sehr überschaubar. Quelle: dpa
Transit Connect ElectricDie modernen Batterien des Ford Transit Connect Electric kommen von Johnson Controls. Der Zulieferer präsentierte das neue Batteriesystem mit einer Lebensdauer von 300.000 Kilometern auf der Hannover Messe.    Marke: Ford Modell: Transit Connect Electric Grundpreis (inkl. MwSt): ab 53.544 Euro Reichweite (in km): 130 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 120 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse
Ford Focus ElectricDer Focus Electric des amerikanischen Autokonzerns Ford ist das Flaggschiff der Elektro-Flotte und der erste rein elektrisch angetriebene Pkw des Unternehmens. Seine Ladezeit gibt der Hersteller mit 3 bis 4 Stunden an. Im Sommer 2013 kommt er nach Deutschland. Marke: Ford Modell: Focus Electric Grundpreis (inkl. MwSt): noch nicht genannt Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 136 Stromverbrauch (kWh/100km): noch nicht genannt Quelle: rtr
AmperaDer Opel Ampera ist baugleich mit dem Chevrolet Volt. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern taugt er sogar für eine Familienreise.   Marke: Opel Modell: Grundpreis (inkl. MwSt): 42.900 Euro Reichweite (in km): EV 30-80 / Gesamt über 500 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 161 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

Die Budgetkürzung gefährdet vor allem ein Vorzeigeprojekt der Bundesregierung: die „Schaufenster Elektromobilität“. Mit Tests in drei bis fünf Modellregionen wollte die Bundesregierung in den kommenden Jahren zeigen, dass batteriebetriebene Fahrzeuge praxistauglich sind und die Autoindustrie das Zeug hat, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. 180 Millionen Euro wollte die Bundesregierung für diese Demonstration lockermachen, 135 Millionen davon sollten aus dem Wirtschafts- und dem Verkehrsministerium kommen. 23 Konsortien haben schon eine Förderung für ihre Projekte beantragt. Doch die meisten werden leer ausgehen: Wie es im Bundeswirtschaftsministerium heißt, werden die von Schäuble zur Verfügung gestellten Mittel nur noch für zwei Schaufenster reichen. „Die hauen uns hier gerade die Beine weg“, beklagt sich ein Referatsleiter.

Geplante Fördermittel werden verschoben

So gibt es in der schwarz-gelben Koalition nun Überlegungen, die bereits für 2012 eingeplanten Mittel für das Bundesförderprogramm Elektromobilität ins nächste Jahr zu schieben. Begründung: Die Bewilligung von Förderanträgen könnte sich ohnehin bis zum Ende des Jahres hinziehen, weil die Bewertung der Projekte zeitaufwendig sei.

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„Das Thema Elektromobilität scheint in Deutschland wieder einzuschlafen“, befürchtet Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, die an mehreren Projekten in Nordrhein-Westfalen mitwirkt. Uli Eichhorn, Geschäftsführer Technik und Umwelt beim Verband der Automobilindustrie, reagiert diplomatischer: „Wir gehen davon aus, dass die Bundesregierung zu ihren Zusagen zur Elektromobilität steht. Sollte die bisher geplante Finanzierung problematisch werden, wird die Bundesregierung andere Wege finden, die Elektromobilität auf dem zugesagten Niveau voranzutreiben.“

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